Gerda & der alte Hüfthalter

Geschichten aus der Miederwelt

Gerda hatte das Gefühl, dass ihr Mann inzwischen gar kein Interesse mehr an ihr hatte. Vielleicht lag es doch daran, dass sie einige Kilo zu viel auf den Rippen hatte. Naja, nicht nur auf den Rippen.

Jens hatte immer behauptet, dass ihm das egal war. Aber es war jetzt fast ein halbes Jahr her, dass er sich das letzte Mal zwischen ihre Schenkel verirrt hatte. Vielleicht war sie auch zu grob zu ihm gewesen. Sie verlor machmal ein wenig die Kontrolle und das letzte Mal hatte er Nasenbluten bekommen, noch bevor sie gekommen war. Sie hatte sich entschuldigt und ihm gesagt, dass sie das nächste Mal vorsichtiger wäre. Trotzdem hatte es ein nächstes Mal bisher nicht gegeben.

Angst? Vermutlich hatte er einfach Angst vor ihr. Jens war immer schon etwas passiv beim Akt. Geradezu devot. Das war einer der Gründe warum Gerda ihn damals geheiratet hatte. Die Kontrolle überließ er immer ihr, nicht nur im Bett. Doch nun funktionierte ihr jahrelanges System nicht mehr richtig.

Letzte Woche hatte sie Jens gesagt, dass schon von ihm erwarte, dass er ihr hin und wieder seine Zuneigung bewiese. Und ihr Mann hatte erklärt, dass er Migräne habe.

Es war ein fragiles Gleichgewicht, das zu Gerdas Befriedigung führte. Sie war darauf angewiesen, das Jens sie bedrängte und auf die Erfüllung der ehelichen Pflichten pochte. Nur dann konnte sie es ihm gestatten und im Gegenzug die Regeln bestimmen. Es war nicht möglich einfach so auf Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu bestehen. Sie war schließlich nicht triebgesteuert, sondern ihr Mann war es. Sie konnte ihm auch nicht einfach sagen, dass sie seinen Trieb nutzte, um unbemerkt den ihren zu erfüllen. Wäre es anders könnte sie einfach auf ihre Rechte bestehen. Jens würde sich mit Sicherheit fügen.

Aber so blieb ihr keine Wahl. Sie mußte sein Verlangen wieder anheizen, damit sie zu ihrem Recht kam.

Abnehmen dauert da wohl zu lange. Sie mußte auf schneller verfügbare Hilfsmittel zurückgreifen. Pheromone? Nein. Vielleicht reichte es ja, wenn sie einfach mal wieder einen kurzen Rock und hohe Schuhe trug? Das hatte sie schon lange nicht mehr gemacht.

Gerda warf einen Blick in den Kleiderschrank. Die Pumps fanden sich ganz hinten unter dem Wintermantel. Ob sie darauf noch gehen konnte, 12cm und ein natürlich nuttiges Rot. Früher einmal hatte sie das gekonnt. Früher hatte sie die manchmal angezogen. Für Jens natürlich. Aber das war jetzt genauso viele Jahre wie Kilo her.

Egal, dacht Gerda, wenn es denn funktionierte warum nicht. Einen kurzen Rock hatte sie schnell gefunden. Den hatte sie vor zwei Jahren Sylvester getragen. Da mußte auch noch irgendwo eine Strumpfhose sein.

Die Strumpfhose war kaputt. Die Geschäfte waren zu. Und Jens mußte gleich von seiner Doppelkopfrunde nach Hause gekommen. Dann hatte er meist ein oder zwei Bierchen getrunken. Mehr nicht, weil er so ungern beim Kartenspiel verlor. Das war perfekt. Vielleicht würde er noch eins vorm Fernseher trinken, aber dann könnte er ihr sicher nicht widerstehen.

Das war genau das, was Gerda an dieser Welt haßte. Alles war perfekt und scheiterte dann letztlich doch an einer lächerlichen Kleinigkeit wie einer Strumpfhose. So nicht.

Irgendwo in dem Kleiderschrank von Jens war noch ein alter Karton mit der Unterwäsche seiner Mutter. Gerda hatte sich zwar gewundert aber nie gefragt, warum er die aufgehoben hatte. Eine letzte Erinnerung hatte er mal gesagt. Jetzt konnte das von Vorteil sein. Ihre Schwiegermutter, dieser schwergewichtige alte Hausdrachen, hatte immer Strumpfhosen, selbst bei der Hausarbeit unter dem Nylonkittel.

Vielleicht fand sich in dem Karton noch ein paar Strumpfhosen. Aber nein, das waren alles Strümpfe und noch solche für die man einen Strumpfhalter brauchte. Gerda probierte ein Paar aus. aDie würden ihr mit Sicherheit beim Gehen herunterrutschen. So ein brauner Nylonkringel am Fußgelenk wirkte sicherlich nicht besonders erotisch.

Irgendwo mußte doch eine Strumpfhose sein. Nein, der ganze Karton war vollgestopft mit BHs, diesen alten Hüfthaltern und eben Nylonstrümpfen. Wohl noch aus den Sechzigern oder so. Lauter steifes, hautfarbenes Zeug mit einer Menge Schließen, Ösen und Clips. Dafür brauchte man vermutlich eine Betriebsanleitung.

Was soll’s. Gerda probierte einen dieser Hüfthalter aus. Er paßte. Das verunsicherte sie ein wenig, denn sie hatte ihre Schwiegermutter, als eher übergewichtiges Monstrum in Erinnerung. Gut in Sachen Oberweite konnte Gerda ihr schon damals das Wasser reichen, aber dass ihr jetzt der alte Hüfthalter paßte, das gab ihr schon zu denken. Trotzdem griff sie sich auch noch einen passenden Büstenhalter aus der Kiste.

Im Spiegel wirkte das alles, als wenn es für sie gemacht worden wäre. Sie konnte es nicht leugnen. Sie war inzwischen ebenfalls zu so einem übergewichtigem Hausdrachen mutiert. Womöglich war das das Problem. Vielleicht erinnerte sie Jens zu sehr an seine Mutter? Dann wäre das Tragen ihrer Unterwäsche sicherlich kontraproduktiv. Gerda dachte einen Moment nach, dann entschied sie, dass sie das riskieren mußte, wenn sie heute Abend zufrieden einschlafen wollte.

Sie zog den Rock an und fand nur eine himmelblaue Satinbluse, die sie noch von irgendeiner Hochzeit oder Konfirmation im Schrank hängen hatte.

Besonders erotisch wirkte das jetzt nicht auf sie. Aber sie setzte darauf, dass Jens allein schon auf ihren guten Willen reagierte.


Es war schon nach neun, als Jens endlich vom Doppelkopf kam. Das war durchaus nicht unüblich, aber heute hatte Gerda ihn mit einer gewissen Sehnsucht erwartet und da verlief die Zeit bekanntlich langsamer.

Ein kühles Bier stand bereits auf dem Wohnzimmertisch, als sie endlich den Schlüssel im Schloß hörte und ihren knappen Minirock zurecht rückte. Sie erstarrte aber Sekunden später, als sie einen zweite Stimme im Flur hörte.

„Huch!“ rief Jens, als er seine Frau vor sich im Wohnzimmer stehen sah.

„Aber Hallo!“ Das war Volkmar, der gleich hinter Jens im Türrahmen zum Wohnzimmer auftauchte.

Ja, manchmal brachte Jens Volkmar vom Doppelkopf mit, um hier noch ein ruhiges, preiswertes Bier zu trinken. Aber doch bitte nicht heute.

„Habe ich den Hochzeitstag verschwitzt?“ fragte Jens irritiert.

Warum sollte sie sich so zurechtmachen, wenn ihr blöder Gatte den Hochzeitstag verpaßt hatte. Was war das denn für eine Logik? Jetzt bloß keinen Ärger machen, dachte Gerda. Mit schlechter Laune kriegte sie Jens niemals rum. Dann fiel er auf, daß ihr Plan sowieso mit Volkmars Anwesenheit gescheitert war.

„Respekt, so kenne ich deine Frau ja gar nicht.“

„Ja, Liebling … ich habe Volkmar mitgebracht … auf ein Bier … Das ist doch okay, oder?“

Es gab keine Situation im Leben in der Jens seine Unsicherheit nicht wie eine Flutlichtlampe ausstrahlte. Nur halt nicht so hell.

„Ja, klar. Setzt euch, ich hole noch ein Bier.“

Sie bemühte sich elegant aus dem Zimmer zu stöckeln, war sich aber sicher, dass die Männer ihren Mangel an Übung deutlich mitkriegten. Bevor sie aus dem Zimmer war, sah sie nochmal kurz zurück. Die beiden starrten ihr nach wie hypnotisierte Kaninchen. Wenn sie jetzt allein mit Jens gewesen wäre, hätte sie ihn voll an der Angel gehabt. Wenn …!

Den Fernseher hatte Gerda vorhin schon angemacht. Eine Tierreportage. Sie wollte ja, daß Jens vom Fernseher nicht allzu sehr abgelenkt wurde.

„Hier, dein Bier“, sagte Gerda und hielt Volkmar eine geöffnete, eiskalte Flasche hin. Für sich selbst hatte sie vorsorglich auch eine mitgebracht.

Gewöhnlich saß Volkmar, wenn er mal zu Besuch kam, auf dem Sofa rechts, weil links nun mal Gerdas Platz war, wenn sie alleine waren. Dort lag ihr Strickzeug. Auf dem Beistelltisch. Neben der Handcreme und was Frauen sonst noch zum Fernsehen brauchten.

Um dort hinzugelangen, mußte sie sich zwischen Volkmar und dem Tisch hindurchquetschen. Gewöhnlich machte ihr das nichts aus. Gewöhnlich tätschelte Volkmar dabei aber auch nicht ihren Hintern.

„Volkmar! Sag mal …!“

„Tschuldigung.“ zwitscherte Volkmar vergnügt und war sich wohl keiner echten Schuld bewußt.

Gerda mochte Volkmar. Er war schon der netteste dieser Doppelkopf-Kumpels. Aber sowas.

„Konnte einfach nicht widerstehen!“

„Such dir ´ne Freundin“, schimpfte Gerda, obwohl sie wußte, dass Volkmar immer nur Schwierigkeiten mit Frauen hatte. Keiner blieb länger als über Nacht.

„War doch nur ein Spaß!“ verteidigte Jens seinen Freund.

„Natürlich, … ein Spaß!“

Gerda war ja nicht ernsthaft böse. Aber diesen Kerlen mußte man immer frühzeitig die Grenzen aufzeigen. Das hatte sie schon als Teenagerin gelernt.

„Prost!“ rief sie in die Runde, zum Zeichen, daß sie nicht wirklich sauer war.

„Prost!“

„Du hast dich heute aber auch schick zurecht gemacht“, behauptete Jens und es klang ein wenig wie ein Vorwurf. „Gibt es einen besonderen Grund?“

„Nein!“ stellte Gerda fest. „Ich hatte einfach mal Lust mich ein bisschen aufzudonnern.“

Dann schauten sie gemeinsam eine Reportage über ein Wolfsrudel, bei dem die armen Tiere aufgrund des Eingriffs des Menschen nicht mehr richtig abwandern können. Das führte zu Rudelkämpfen. Traurig.

Als sie mit dem zweiten Bier anstießen, fühlte Gerda plötzlich Volkmars Hand auf ihrem Knie. Ein Spaß? Wohl kaum. Gerda zögerte etwas zu lange, die Hand beiseite zu schieben. Wahrscheinlich der Alkohol. Noch hatte Jens das wohl nicht mitbekommen. Gerda sah jetzt keine Möglichkeit mehr, Volkmars Hand ohne größeres Aufsehen beiseite zu schieben. Sie versuchte es auch gar nicht. Sie spürte den leichten Druck, den Volkmar auf die Innenseite ihres Schenkels ausübte. Das ging so nicht!

Gerda stand abrupt auf.

„Ich gehe mal mir etwas Bequemeres anziehen“, stellte sie klar und schob sich vorsichtig an Volkmar vorbei. Wenn er ihr jetzt unter Rock faßte, bekäme er die leere Bierflasche über den Kopf gezogen.


Im Schlafzimmer knöpfte Gerda hektisch die Bluse auf. Sie mußte ganz schnell raus aus diesen Klamotten. Eine Jogginghose und Strickpullover, danach stand ihr jetzt der Sinn. Sie hatte Angst, das es Ärger geben könnte, weil sie diesem Volkmar den Kopf verdrehte. Männer gaben immer den Frau die Schuld.

Gerade war sie Bluse und Rock losgeworden, da wurde hinter ihr vorsichtig die Tür geöffnet. Nun stand sie da in ihrem Oma-BH, den Pumps und dem unten offenen Hüfthalter. Also im Prinzip so gut nackt.

Vielleicht wollte Jens ja schnell die Gelegenheit nutzen und ihre sein wiedererwachtes Interesse signalisieren. Oder er hatte Volkmar rausgeschmissen, um sich doch lieber seiner attraktiven Frau zu widmen.

Aber es es war nicht Jens. Volkmar stand in der Tür und grinste sie frech an.

Idiotischer Weise kreuzte Gerda reflexartige die Arme vor der Brust, obwohl doch eine ganz andere Stelle nach Schutz schrie.

Noch bevor sie erstaunt „Volkmar!“ rufen konnte, war er die zwei Schritte auf sie zugekommen, hatte seine Arme um ihre Taille geschlungen und versuchte sie küssen.

Der Mann war verrückt geworden. Was, wenn Jens das mitkriegte? Das wars dann mit der Freundschaft und vielleicht Schlimmeres.

„Hör auf damit, Volkmar!“ rief Gerda mit gedämpfter Stimme.

Doch Volkmar hörte nicht auf. Gerda versuchte ihn von sich zu stoßen. Inzwischen hatte seine rechte Hand ihr Brust fest im Griff.

„Wenn Jens …!“ Ihre Stimme war noch immer viel zu gedämpft, um Volkmar von seinem Tun abzubringen. Gerda wollte einfach nicht, daß Jens das mitbekam. Vielleicht konnte man das ganze ja irgendwie unter den Tisch kehren. Zumindest, wenn er jetzt aufhörte.

„Hör auf!“ rief sie etwas lauter, etwas energischer.
Aber statt einzuhalten stieß er Gerda rücklings aufs Bett und ließ sich fast gleichzeitig auf sie fallen. Volkmar war ein ein Leichtgewicht. Eigentlich hätte sie ihn wie eine Langhantel hochstemmen und von stoßen können.

Sie mußte jetzt schreien. Es half nichts. Volkmar würde nicht aufhören, das war jetzt klar und sie spürte bereits seine Hand in ihrem Schritt.

Ja, sie mußte jetzt schreien. Wollte das auch. Aber in diesem Moment tauchte Jens auf. Er stand da und sah aufs Bett hinab.

Hoffentlich schlägt er ihn jetzt nicht tot. Gerda wollte etwas sagen, um ihren Mann von völlig unnötigen Gewalttaten und folgenschweren Fehlern abzuhalten.

Jens schaute ihr sekundenlang ins Gesicht, während Volkmar begann ihre Schenkel auseinander zu drücken. Doch das würde ihm so schnell nicht gelingen. Da würde Gerda ordentlich dagegen halten. Jeden Moment würde Jens ausholen und …
Jens ging seelenruhig und kommentarlos um das Bett herum. Er wollte sich vermutlich mit der Nachtischlampe bewaffnen.

Aber nein, er setzte sich einfach nur in den Sessel neben dem Fenster, auf dem er gewöhnlich seine Kleidung ablegte und schaute neugierig zum Bett herüber.

Gerda verstand das nichtI Ihre Widerstandskraft in den Schenkeln erlahmte. Sie konnte sich einfach nicht mehr darauf konzentrieren. Sie fixierte ihren Mann auf dem Sessel und überlegte, was das zu bedeuten hatte. Jens schaute mit leicht gesenktem Blick zu ihr herüber und es war vollkommen klar, dass nicht im Traum daran dachte einzugreifen. War er so ein Weichei? Oder, …

In diesem Moment drang Volkmar in sie ein. Sie wunderte sich über die Leichtigkeit, mit der das geschah. Im Sommer am Badesee hatte sie zufällig gesehen, das er ein ziemlich großes Glied hatte. Da hätte sie schon einen leichten Schmerz erwartet. Aber das war wohl alles viel zu feucht da unten.

Sie schaute wieder zu Jens hinüber. Nichts, er saß immer noch einfach da und verfolgte schamhaft interessiert, was auf seinem Ehebett vor sich ging. Inzwischen war Volkmar tief drin in ihr. Er hielt ihre Arme fest und begann sie mit sanften Stößen zu nehmen.

Gerdas Becken geriet dabei in einen leichten Tremor. Wenn Jens nicht eingreifen wollte, dann sollte er ja nicht glauben, daß sie sich einfach so vergewaltigen ließ.

Volkmar bemerkte wohl, daß Gerdas Schenkel sich jetzt von selbst immer mehr öffneten und sich ihre Beine förmlich um sein Becken schlangen.

Er ließ ihre Arme los und griff nach ihren Brüsten. Gerda hielt sich an seiner mageren Hühnerbrust fest und zog ihre Beine an, damit er möglich tief eindringen konnte. Das hatte Jens davon.

Lange dauerte es nicht bis sie sich mit dem nahenden Orgasmus abgefunden hatte. Sie kam flach atmend kurz vor Volkmar. und dann dauerte es noch eine ganze Weile bis Volkmars letztes ejakulierendes Zucken vorbei war. Als Volkmars Körpertonus endgültig erschlafft war, strich Gerda ihm dankbar übers Haar.

Noch einmal grunzte er tiefbrünstig, wie ein kleiner Hirsch und rutschte sanft von ihr herunter. Sie behielt ihn aber fest im Arm, so daß er nicht anders tun konnte, als sich an ihre Seite zu legen. Kuscheln? Seine Hand war schon wieder an ihrer Brust. Gerda zog mit der freien Hand die BH-Verschalung hoch, damit er freien Zugriff hatte. Das schien ihm zu Gefallen und Gerda begann ihn ausgiebig zu küssen. Inzwischen war es ihr egal war Jens dachte, sagte oder tat.

Dann war er wieder da, Jens Kopf zwischen ihren Schenkel. Sie war zu erschöpft, um darüber nachzudenken. Mit der freien Hand griff sie ihm in seine Haare und wies ihm den Weg zu ihrem zweite Höhepunkt. Vermutlich war ihm diesmal die blutige Nase egal und Gerda ahnte, dass sie von nun an ein neues Gleichgewicht ihrer Triebe gefunden hatten.


Seit dem Tag, an dem Gerda den Hüfthalter ihrer Schwiegermutter aus diesem alten Karton geholt und angezogen hatte, waren fast zwei Wochen vergangen. Seitdem hatte sie weder Volkmar gesehen, noch hatte sie mit ihrem Mann Jens über die Vorfälle an diesem Abend gesprochen.

„Bringst du morgen nach dem Doppelkopf Volkmar auf ein Bier mit?“ fragte Gerda vorsichtig und war gespannt, wie Jens auf diese Frage reagierte.

Ihr Mann schaute vom Abendessen auf. Gerda erwartete, dass er verärgert reagieren würde, aber das tat er nicht. Er schnitt seelenruhig sein Nürnberger Würstchen klein. Räuber Hotzenplotz war eines seiner Lieblingsgerichte.

„Wenn du nichts dagegen hast?“

„Sollte ich etwas dagegen haben?“ fragte Gerda lauernd zurück.

„Ich weiß nicht. Könnte ja sein …“

Jens redete um den heißen Kartoffelbrei herum. Vielleicht sollte sie einfach ein klares Wort sagen. Anderseits war sie sich gar nicht sicher, wie ihr Standpunkt in dieser Angelegenheit wirklich war. Sie hatte das sichere Gefühl, dass man diese Sache mit Volkmar irgendwie besprechen müßte.

„Nein, ich habe nichts gegen Volkmar. Im Gegenteil ich würde mich freuen ihn mal wiederzusehen.“ Jetzt mußte er doch reagieren.

„Aber dir ist schon klar, dass Volkmar vielleicht gewisse Dinge erwartet.“

„Soll ich einen Minirock und hohe Hacken tragen? Erwartest er das?“

„Wenn du ihn unbedingt provozieren möchtest … du weiß doch, wie er auf sowas reagiert.“

Jens würde nie etwas Konkretes sagen. Das war nun wirklich nicht seine Stärke. Ihre aber leider auch nicht. So gesehen könnte sich dieser Dialog fortsetzen ohne jemals Klarheit zu schaffen. Gerda verstand plötzlich, dass sie diese Klarheit brauchte und auch warum sie Volkmar wiedersehen wollte.

„Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen, wenn du ihn morgen Abend mitbringst, werde ich mich tragen, wonach mir der Sinn steht. Und das ziehe ich dann an!“

„Und wenn er dann wieder … du weißt schon, sich daneben benimmt.“

„Es ist deine Entscheidung. Wenn du ihn morgen mitbringst und er sich daneben benimmt, dann ist das dein Problem, wenn du das zuläßt.“

„Klingt fast so, als ob du dir wünscht, dass er wieder übergriffig wird.“

Gerda überlegte. Jetzt war der Moment in dem sie einfach sagen konnte, ja ich will, dass dein bester Freund mich richtig rannimmt. Aber sie war ja genauso feige wie ihr Mann.

„Ich denke er wird sich benehmen. Wenn wir ihn nicht irgendwann wieder einladen, ist diese Freundschaft bald beendet. Geben wir ihm doch einfach eine Chance.“

Das war offensichtlich nicht das, was ihr Gatte hören wollte. Vermutlich wollte er das andere hören. Er stocherte unschlüssig in dem Sauerkraut herum und versuchte es wie Spaghettis aufzuwickeln.

„Und wenn er doch …“ begann Jens zaghaft.

„Dann ist das eben so. Das wäre ja nun auch nicht so schlimm. Aber wenn du da Angst hast, dann bring ihn eben nicht mit.“

Deutlicher konnte sie es nicht sagen, fand Gerda.

„Okay“, stellte Jens fest, wobei unklar blieb, ob er Volkmar jetzt mitbrächte oder nicht.


Sie lagen schon einige Zeit im Bett und Gerda war kurz vor dem Einschlafen, als Jens sich zu herüber beugte und beinahe flüsternd, so als wenn ihn hier irgendjemand hören könnte, sagte: „Ich möchte aber, daß du wieder die Wäsche von Muttern trägst, ja?“

„Alles was du willst“, flüsterte Gerda zurück.

„Volkmar ist wirklich ein sehr guter Freund“, fügte Jens hinzu. „Ich möchte, daß du weißt, dass du nichts falsch machen kannst. Mit Volkmar meine ich.“ und nach einer kleinen Pause. „Verstehst du, was ich sagen will?“

„Ja, das verstehe ich“, flüsterte Gerda und gab ihrem Mann einen Gutenachtkuss. „Schlaf jetzt und lass mich mal machen.“

Mit dem Schlafen war das allerdings so eine Sache. Ihr Mann schnarchte bald vor sich hin, aber sie dachte ununterbrochen nur daran, wie es morgen mit Volkmar werden würde und warum ihr Mann plötzlich solche Dinge wollte.


Gleich war es soweit. Jens würde Volkmar nach der Doppelkopf noch auf ein Bier mitbringen. Nervös zog sie den Lippenstift nach. In der Theorie klang das alles ganz einfach. Aber jetzt, wo sie wußte, daß Jens nichts dagegen unternehmen würde, wenn sie Volkmar verführte, befielen sie heftige Zweifel. Was war, wenn Volkmar gar kein Interesse an ihr hatte, oder ihr Mann es sich anders überlegt. So konkret hatte er ja auch gar nicht gesagt, daß er wollte, daß sie mit Volkmar schlief.

Gerda wischte die Zweifel mit dem verschmierten Lippenstift weg und konzentrierte sich auf einen sauberen Strich. Doch, das hatte Jens gesagt, irgendwie.

Wenn ihr jemand vor drei Wochen gesagt hätte, dass sie sich heute in der Unterwäsche ihrer Schwiegermutter für einen anderen Mann aufdonnerte, dann hätte sie ihn sicherlich für verrückt erklärt. Aber sie saß hier, hatte sich aufdonnert, schob unschlüssig ihre Brüste im Büstenhalter hin und her, um die optimale Auslage zu finden und hatte sich noch immer nicht entschieden, was sie anziehen wollte.

Sei schaute sich im Kleiderschrank um. Herrgott, das waren alles viel zu bieder. Warum überhaupt anziehen, wenn sie vorhatte sich sowie so schnell wir möglich wieder auszuziehen?

Genau. Sie zog den asiatisch anmutenden, geblümten Morgenmantel aus schwarzem Satin über. Prüfte, wie es wirkte, wenn er bei jedem Schritt weit auseinander klaffte, wenn sie sich setzte und die Oberschenkel automatisch entblößt wurden, wenn sie sich vorbeugte und sich tiefe Einblicke in ihren Ausschnitt ergaben. Das war perfekt. Ob Volkmar sich wunderte, warum sie ihren Gast im Morgenmantel empfing? Irgendwie ahnte sie, daß Volkmar sich darüber nicht wundern würde. Irgendwie hatte sie das Gefühl, daß Jens und Volkmar da irgendetwas verabredet, was Gerda anging. Die hatten ganz offensichtlich ein gemeinsames Geheimnis.

„Ich möchte, daß du weißt, dass du nichts falsch machen kannst mit Volkmar“, hatte Jens zu ihr gesagt. Sie sollte das einfach ernst nehmen. Einfach tun wonach ihr gerade der Sinn stand. Dann ginge schon alles gut.


Gerda hatte sich bereits auf dem Sofa drapiert, die Biere standen bereit und sie erhob sich erst gar nicht als die Männer vom Doppelkopf kamen.

„Na, … gut gespielt“, fragte sie nur beiläufig.

Jens setzte sich auf seinen Platz und griff gleich nach seinem Bier. Volkmar lies sich auf auf des Sofa neben Gerda fallen und stöhnte: „Nur verloren. Den ganzen Abend nur verloren.“

„Und ich hatte heute Glück.“ stellte Jens fest. „Und der Abend ist ja noch jung.“

Volkmar lachte und Gerda beugte sich ein wenig zu ihm, zog ohne Vorwarnung seinen Kopf heran und küsste ihn direkt auf den Mund.

„Schön dich mal wiederzusehen, Volkmar! Ich dachte schon, du willst gar nicht mehr kommen.“

Volkmars Irritation hielt nur kurz an. Jens lächelte und Volkmar behauptete: „Hierhin komme ich doch immer wieder gern.“

„Das will ich doch hoffen“, sagte Gerda und öffnete das Bier für ihn. Der Morgenmantel war längst ein gutes zur Seite geglitten und hatte die bestrumpften Schenkel freigegeben und beide Männer starrten auf die Nylons, als Gerda sich zurücklehnte, selber einen Schluck aus der Flasche zu nehmen.

„Alles in Ordnung“, fragte Gerda in die Stille. Jens und Volkmar tauschten einen kurzen, wissenden Blick aus. Dann stießen sie an.

„Auf den Doppelkopf-Abend!“ Gerda verstand jetzt nicht, was an diesem Trinkspruch so witzig war, aber die Männer konnten kaum aufhören zu lachen.

Gerda schaltete den Fernseher ein. Germanys next Topmodel. Nein, das war jetzt sicher nicht das Richtige. Keine Tiersendung? Die Braut, die sich nicht traut? Wenn keiner protestierte? Warum nicht.

„Wir müssen auch nicht unbedingt fernsehen“, war der einzige Kommentar von Volkmar zu diesem Film. Er hatte sich bei diesem Satz zu ihr gebeugt und fest in die Augen gesehen. Seine Hand lag schon wieder auf ihrem Oberschenkel.

„Stimmt“, sagte Gerda. „wir können auch einfach nur knutschen.“ Ein kurzer Blick hinüber zu Jens, der schenkte dem Fernseher wenig Beachtung und lächelte Volkmar an.

„Nur zu!“ sagte Jens und machte mit der Hand eine auffordernde Geste.

Als sie sich wieder Volkmar zugewendet hatte war sein Gesicht schon sehr nah an ihrem. Sein Mund war leicht geöffnet, er schaute ihr starr in die Augen. Gerda dachte gar nicht daran weitere Zeit zu verschwenden und schob ihm einfach ihre Zunge den Mund.

Es hatte schon etwas Teenagermäßiges wie sie knutschten. So etwas hatte Gerda ewig nicht gemacht. Es erhitzte sie und gefiel ihr. Sie war so vertieft in Volkmar, daß sie erst nicht begriff, daß Jens versuchte sich zwischen sie und die Sofalehne zu quetschen.

Was wollte er da? Sie sah ihren Mann an und der begann sofort sie heftig zu küssen. Seit Jahren hatte er das nicht mehr gemacht. Volkmar war auf ihren Hals ausgewichen. Womöglich bekäme sie jetzt ihren ersten Knutschfleck, seit Jahrzehnten. Egal. Sie hatte noch nie mit zwei Männer gleichzeitig geknutscht. Das war nicht mehr wie als Teenager. Ihre Zunge wechselte wieder in Volkmars Mund. Sie spürte das beide Männer eine Hand auf ihren Oberschenkel hatten und sie sanft auseinander zogen. Ihre Zunge steckte wieder in ihrem Mann. Das gefiel ihr richtig gut. Sie war bereit sich jetzt und hier von egal wem nehmen zu lassen. Gerne auch nacheinander.

Aber dazu kam es nicht. Ihr Mann war unvermittelt aufgestanden.

„Ich lass euch mal einen Moment allein“, sagte er nahm noch einen Schluck Bier und verließ das Zimmer.

Es wäre Gerda lieber gewesen, wenn er hier geblieben wäre und zugesehen hätte, wie sie es mit einem anderen Mann trieb. Aber, wenn er nun mal musste, konnte man nichts machen. Er sollte sich aber nicht einbilden, dass sie auf ihn wartete. Sie war bereits tief in die Kissen gerutscht, zog Volkmar fest an sich heran und flüstertet ihm ins Ohr. „Fick mich.“

Derart ordinäre Sachen sagte sie eigentlich nicht, aber im Moment meinte sie es einfach so und wußte nicht, wie sie ihre Gefühlslage anders ausdrücken konnte. Sie versuchte Volkmar in die richtige Position zu drängen, ohne dabei ihre Zunge aus seinem Mund nehmen. Ihre Beine waren weit gespreizt und seine Hand lag leicht auf ihrer Klitoris. Worauf wartete er? Es war doch klar, daß sie sich nichts mehr wünschte, als ihn jetzt sofort in sich aufzunehmen.

Volkmar zog sich aber plötzlich zurück. Vielleicht brachte er Platz um seinen Riesenkraken zu befreien. Gerda setzte sich auf. Sie wollte sehen, wie das Tier seinen Käfig verließ. Aber Volkmar war aufgestanden und hielt ihr die Hand hin. „Komm!“

Das kam derart bestimmt herüber, daß Gerda irritiert seine Hand nahm und sich von ihm ins Schlafzimmer führen ließ. Offenbar war es ihm lieber bequem im Bett. Jens würde sie schon finden, wenn sie nicht mehr im Wohnzimmer waren. Ehrlich gesagt, wollte sie unbedingt, dass ihr Mann dabei war, wenn sie jammernd kam.

Doch darüber hatte sie sich umsonst Gedanken gemacht. Ihr Mann erwartete sie bereits im Schlafzimmer. Er lag völlig entkleidet mit dem Kopf am Fußende auf dem Bett und streckte ihr die Arme entgegen, als sie ans Bett trat.

Sie kannte diese Geste. Er wollte die 69. Wie sie es früher häufig gemacht hatten.

Und was wäre mit Volkmar, sollte er einfach nur zusehen. Gerda war ein wenig enttäuscht. Sie hätte sich jetzt wirklich lieber Volkmar hingegeben, als den kleinen pummeligen Schwanz ihres Mannes zu lutschen.

Sie öffnete ihren Morgenmantel und ließ ihn zu Boden sinken. Volkmar stand hinter ihr und hielt sich an ihren Brüsten fest. Gerda legte den Kopf zurück und küßte ihn noch mal heftig, bevor sie sich von ihm drängen ließt auf ihren Mann zu krabbeln, um seine Lieblingsposition einzunehmen. Noch bevor sie sein Glied mit der Hand ausgerichtet hatte, hatte er ihr Gesäß ungeduldig zu sich heruntergezogen und mit dem Lecken begonnen. Okay, das war auch gut, dachte sich Gerda und umschloß das anschwellende Gemächt mit ihren Lippen.

Jens gab sich wirklich Mühe, das war schön. Aber da war noch etwas Anderes. Eine zweite Zunge. Und die steckte tief in ihrem Hintern. Sie wollte etwas sagen, aber es war nur ein Nuscheln. Und eigentlich wollte sie sich auch gar nicht beschweren. Sie beließ es lieber bei einem leichten Stöhnen, während sich zwei Zungen in ihrem Schritt zu schaffen machten. Lange dauerte es nicht bis sie sich daran gewöhnt hatte und begann der Sache ein echtes Stöhnen abzugewinnen.

Doch da war es auch schon wieder vorbei. Stattdessen spürte wie Volkmars Glied endlich seinen Weg dahin fand, wo sie es seit geraumer Zeit sehnsüchtig erwartet wurde.

Einen Moment kam es Gerda in den Sinn, daß Volkmar unmittelbar vor Jens Gesicht in sie eindrang. Es war kurzer Gedanke. Aber sie mußte ihn sofort wegwischen. Sie wollte keinesfalls so schnell kommen.

Es war verrückt. Der eine drang ein, der andere kam. Sie hatte den Mund voll und beließ es dabei, bis nach dem heftigen Stoßen, das nun folgte sie auch unten herum voll war.

Als Volkmar fertig war und sich aus ihr zurückzog, richtete sie sich langsam auf. Sie preßte Jens ihr durchnässtes Geschlecht ins Gesicht. Volkmar kam zu ihr aufs Bett und setzte auf den Bauch ihres Gatten. Sie umarmten und küßten sie sich wild, während Jens sie von unnötigen Flüssigkeiten befreite, was nicht einfach war, da Gerda schon wieder kurz vor einem Höhepunkt war und für reichlich Nachschub sorgte. Mit zwei Männern waren zwei Orgasmen wohl der Normalfall.

Eine viertel Stunde später lag Gerda völlig erschöpft im Bett. An jeder Seite einen Mann im Arm, der ihr versicherte sie zu lieben. Das war neu. Sie nahm beide Schwänze fest in den Griff und forderte die Männer spaßeshalber auf sich zu ihrem Eigentum zu erklären.

Natürlich nahm sie die Antworten nicht ernst, ein bisschen nicht ernst zumindest.


Es fühlte sich merkwürdig, aber richtig an. Seit zwei Monaten hatte Gerda im Prinzip zwei Männer. Natürlich nicht wirklich. Verheiratet war sie mit Jens, aber aber einmal in der Woche brachte ihr Gatte seinen Freund Volkmar mit nach Hause. Auf ein Bier, oder vielmehr auf ein erotisches Abenteuer mit seiner Frau. Was heißt Abenteuer? An diesen Abendenden trieb sie es eigentlich mit beiden Männern. Das war das Merkwürdige. Zumindest die ersten Male, doch inzwischen konnte sie sich eine Woche ohne diese Termine garnicht mehr vorstellen. Ihre Ehe und Lebensqualität hatte sich seit der Einführung von Volkmar erheblich verbessert. Deshalb wollte sie einfach nur mehr davon. Und das hieß ja wohl, dass es richtig war.

Das einzige, was Gerda nicht behagte, war die Tatsache, dass sie bis zum heutigen Tag nicht mit Jens über diese Situation gesprochen hatte. Sie wußte verstand einfach nicht, wie es dazu gekommen war, was Jens dachte und ob es ihm wirklich egal war, wenn sie mit seinem besten Freund Sex hatte. Vielleicht litt er ja doch darunter und es war nur ein Zugeständnis an das Bröckeln seiner Ehe gewesen.

Gerda wollte jetzt endlich Klarheit. Sie nahm allen Mut zusammen und sprach Jens am Abend vor dem Fernseher direkt an.

„Macht dir das wirklich nichts aus, wenn ich mit Volkmar ...?“ fragte Gerda unvermittelt, als Barnaby sich ebenso direkt erkundigte: „Wo waren Sie in der Mordnacht?“

„Es ist alles okay ...“, behauptet Jens mit eingefrorenen Gesichtszügen.

„Ist es okay, oder willst du es. Dabei zusehen, meine ich?“ hakte Gerda ungewohnt energisch nach.

Jens antwortete nicht. Er schien unter dieser Frage zu leiden. Trotzdem ließ Gerda nicht locker.

„Siehst du gern zu, wenn andere Männer es mir besorgen?“

Auch jetzt sagte Jens nichts, aber er nickte leicht mit dem Kopf. Sollte sie ihn weiter bedrängen oder sich mit diesem Nicken zufrieden geben?

„Jens“, sprach sie ihn jetzt ganz persönlich an. „Du kannst mir alles sagen, ich bin deine Frau.“

Immer noch Schweigen.

„Ich muß wissen, was los ist. Ich werde alles tun, was du willst, aber du mußt es mir erklären.“

„Macht es dir Spaß, mit Volkmar?“

Kurz überlegte sie ihre Antwort, dann entschied sie sich für Wahrheit.

„Ich liebe es. Es fühlt sich immer noch an, wie eine Vergewaltigung, vor allem, weil du dabei zuschaust. Das ist es aber wohl, was mich so erregt, genommen zu werden, egal ob ich will oder nicht. Das hat mir wohl in unserer Ehe immer gefehlt. Und, dass du es mit ansehen mußt, macht nur umso realer und erregender.“

Gerda war von sich selbst überrascht. Sie hatte nicht gedacht das so klar sagen zu können.

„Und jetzt legst du die Karten auf den Tisch!“

Immer noch zögerte Jens. „Hast du dich nie gefragt, warum ich die Kiste mit der Wäsche meiner Mutter aufgehoben habe?“

„Nein“, schüttelte Gerda den Kopf. „Ich dachte du hast vielleicht so einen Wäschefetisch, oder so?“

„Ja das irgendwie auch, aber das ist es nicht allein ...“

Gerda schwieg. Da mußte jetzt ja wohl noch irgendetwas kommen.

„Sag schon!“ forderte sie Jens auf, als einfach nichts kam.

„Also, als ich so vierzehn Jahre als war, da ..“ begann Jens zögerlich, kam da aber nach den ersten Sätzen richtig in Fahrt.

Seine Mutter war eine gottesfürchtige Frau, aber wohl weniger glücklich mit der Wahl ihres Gemahls als mit der ihres Herrn. Eines Tages, Jens hatte sich, wie so oft, wegen der ewigen Streitereien zum Spielen in den Kohlenkeller zurückgezogen, kam seine Mutter in ihrer Kittelschürze hinunter in die Waschküche. Sie hatte Wäsche aufzuhängen. Offenbar hatte sie den Jungen im Nebenraum nicht bemerkt.

Kurz darauf erschien Johannes der beste Freund seines Vaters in der Waschküche. Eigentlich wollte er wohl Biernachschub aus der Speisekammer holen. Als Jens Mutter ihn sah, ließ sie die Wäsche wieder in den Korb fallen zog ihren Arbeitskittel hoch, bis über den Hüfthalter. Sie beugte sich vor und stützte sich auf der Waschmaschine ab.

Jens konnte das alles durch die halbgeöffnete Tür zum Kohlenkeller sehen. Es wurde kein Wort gesprochen. Johannes hatte seine Hose geöffnet sich hinter Jens Mutter gestellt und machte sich an dem gewaltigen, entblößten Hintern seiner Mutter zu schaffen. Seine Mutter mußte sich gut an der Waschmaschine festhalten, so wie heftig wie der Johannes sie immer nach vorn stieß.

In diesem Moment hatte Jens wohl seine erste Erektion bekommen. Seine Mutter stöhnte bei jedem Stoß leise, aber es hörte sich so garnicht nach Schmerz an. Jens der seine Erektion betastete, hatte seinen ersten Orgasmus deutlich vor Johannes. Als der auch fertig war, zog er einfach seine Hose hoch und verließ wortlos die Waschküche. Seine Mutter blieb noch einen Moment auf der Waschmaschine und betastete ihren Schritt. Dann seufzte sie und zog den senfgelben Nylonkittel wieder herunter.

Jans hatte gewartet bis auch sie gegangen war, bevor er sich aus dem Kohlenkeller wieder hervortraute. Aber, von da an war Jens sehr sehr aufmerksam, wenn Onkel Johannes zu Besuch war und er und seine Mutter gleichzeitig irgendwo im Haus beschäftigt waren. Das kam oft vor, weil Johannes praktisch ein und aus ging in diesem Haus. Schließlich wohnte er gegenüber und war mit seinem Vater seit der Grundschule befreundet.

Es war nicht schwer Johannes und seine Mutter bei ihrem dauernden Tun zu erwischen. Nicht, wenn man Bescheid wußte. Jens begann die beiden regelmässig bei ihrem Treiben zu beobachten und dabei zu onanieren. Klar wußte er, dass das falsch war, aber er konnte beim besten Willen nicht damit aufhören.

Dieses Bild, wie seine Mutter bei jeder Gelegenheit ihren Arbeitskittel hochzog und mit einem Handgriff ihre Scham für den Freund ihres Mannes freilegte, wie der sich dann an ihrem Hüfthalter festhielt und heftig auf sie einwirkte, das kriegte Jens einfach nicht mehr aus dem Kopf.

„Deshalb kam es damals zu der Situation mit Volkmar“, erklärte Jens. „Als ich gesehen habe, daß du Mutters Hüfthalter unter dem Minirock trägst, waren alles Weitere unvermeidbar.“

Also war es ihre Schuld, daß Volkmar über sie hergefallen war. Es war gar nicht so spontan, wie sie damals gedacht hatte. Es war der Hüfthalter.

„Und wie hast du Volkmar dazu gebracht da mitzumachen. Ich meine, wollte der schon immer was von mir und du hast ihn einfach aufgemuntert?“

„Ehrlich gesagt, war da auch der Hüfthalter dran schuld. Als klar war, daß du den trägst, mußte nicht viel geredet werden, es war unumgänglich, das Volkmar tat, was er tun mußte und auch was ich davon halten würde, war völlig klar.“

„Hat der auch so einen Wäschefetisch?“

„Bei ihm liegt die Sache etwas anders. Irgendwann nach dem Doppelkopf hatten wir ein paar Bierchen zu viel und ich hatte ihm von meiner Mutter erzählt. Dann haben wir erkannt, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten, vor allem was Frauen im Hüfthalter anging. Aber eben auch ein paar Unterschiede.“

Wie sich herausstellte, war Volkmar seit er fünf Jahre alt war von seiner Großmutter regelmässig gezwungen worden, sie oral zu befriedigen. Auch sie trug, wie es zu der Zeit üblich war, auch so einen Hüfthalter. Oftmals, wenn sie Kartoffeln schälte sollte Volkmar unter dem Küchentisch spielen, angeblich damit sie ihn besser im Auge hatte. Gewöhnlich zog sie dann, wenn sie am Tisch saß ihren langen Rock hoch bis ihr Kussmund, so nannte sie es, frei lag. Volkmar brauchte nicht lange um zu begreifen, was sie dann von ihm erwartete. Er steckte seinen Kopf zwischen ihre Schenkel und begann mit ihrem Kussmund zu schmusen.

Offenbar, war seine Großmutter der Meinung, dass das von Volkmar ausging und der Junge nur seinen natürlichen Bedürfnissen folgte. Vermutlich drückte er damit damit seine Zuneigung oder eben die Sehnsucht nach Nähe aus. Sie tat ihm nur einen Gefallen, wenn sie das zuließ, weil den Jungen ja sonst niemand lieb hatte.

Das Ganze hatte erst ein Ende, als der Großvater die beiden eines Tages im Schlafzimmer überraschte, als die Großmutter Volkmar zu einer ausgiebigen Schmusestunde beim täglichen Mittagsschläfchen mit ins Bett genommen hatte. Der Junge war unter Bettdecke nicht zu übersehen und die Großmutter bekam eine heftige Ohrfeige, weil sie den Jungen rangelassen hatte, wie der Großvater sich ausdrückte.

Natürlich war grundsätzlich Volkmar schuld mit seinen widernatürlichen und perversen Gelüsten. Und das in seinem Alter. Volkmar wurde daraufhin wieder zu seiner Mutter geschickt, die sich aber wegen ihres unbändigen Alkoholkonsums nicht wirklich um ihn kümmern konnte. Kurze Zeit später landete er in einem Erziehungsheim, weil er angeblich eine Lehrerin sexuell belästigt hatte.

Volkmar war fast 18, als er da endlich wieder rausgekommen war. Das erste was er dann tat, war seine Großmutter zu besuchen. Sein Großvater saß zu der Zeit bereits im Rollstuhl weil er wegen einer Thrombose ein Bein verloren hatte. Anscheinend hatte die Familie beschlossen die früheren Vorkommnisse einfach zu vergessen und die Großmutter tischte in der guten Stube Kaffee und Kuchen, so als wenn nichts gewesen wäre.

Aber Volkmar hatte keineswegs vergessen. Er nahm nichts von dem Kuchen, aber dafür die Großmutter. Ihr Mann, an den Rollstuhl gefesselt, mußte mit ansehen, wie dieser kranke Enkel seine Frau auf den Wohnzimmertisch preßte, Gesäß entblößte und gegen ihren Willen in sie eindrang.

Später behauptete Volkmar, es wäre der beste Orgasmus seines Lebens gewesen. während der Alte wütend vor sich hin grantelte und schimpfte besorgte er es seiner Frau gleich mehrmals. Eine gute Stunde lang.

Gut, das er noch nicht strafmündig war. Und was sollte seine Großmutter schon groß machen? Ihn anzeigen? Dann wäre sicherlich mehr ans Tageslicht gekommen, als alle Beteiligten wünschten. Also ließ er irgendwann von ihr ab und verabschiedete sich einfach.

Nachdem Großmutter ihren Rock wieder geordnet hatte, kam sie Volkmar zur Tür nachgelaufen. Der erwartete, daß sie ihn angreifen und zumindest schlagen würde. Aber das hatte sie nicht getan. Sie hatte ihm nur nachgerufen: „Aber Junge, du kommt doch recht bald wieder mal zu deiner Großmutter, ja?“

Natürlich hatte er diese Frau nie wiedergesehen. Doch sein Verhältnis zu Frauen hatte nachhaltig eine festgelegte Richtung eingeschlagen.



Gerda war ein wenig geschockt. Nicht nur über die Geschichten selber, sondern daß die Männer sich solche Dinge beim Bier trinken erzählten.

„Wieso redest du da mit Volkmar drüber, aber nicht mit mir?“ fragte sie ein wenig enttäuscht.

„Das ist nun wirklich nichts, was man seiner Frau erzählen möchte“, behauptete Jens. „Das läßt einen nicht gut dastehen, oder?“

„Blödsinn. Das hättest du mir sagen sollen“, echauffierte sich Gerda. „Wenn du mir das erzählt hättest … Herrgott dann hätte schon längst einen Hüfthalter für dich getragen.“

Jens lächelte unentspannt. „Vielleicht wollte ich ja gerade dir gegenüber ganz normal erscheinen …“

„Na, das hat ja prima geklappt. War dir nicht klar, daß man so etwas nicht ewig verbergen kann?“

„Doch schon, aber erst in den letzten Jahre habe ich gemerkt, wie wenig das in Wirklichkeit klappt.“

Gerda war vom Sofa aufgestanden, zu ihrem Mann gegangen, hatte sich auf seinen Schoß gesetzt und ihre Arme um ihn geschlungen. Sie küßte ihn und sagte: „Du rufst jetzt Volkmar an. Dann gehen wir morgen Nachmittag alle gemeinsam einkaufen. Solche Mieder, wie sie euch gefallen. Aber die Wäsche deiner Mutter trage ich nicht mehr. Ich will wenigstens eigene.“
„Ich weiß nicht“, sagte Jens zögerlich.

„Keine Diskussion“, setzte sich Gerda durch. „Ich trage so etwas gerne für euch. Vielleicht erzähle ich irgendwann mal, warum mir das gar nichts ausmacht. Aber wir gehen zusammen mit Volkmar. Wir machen das jetzt, Punkt.“
So energisch hatte Jens seine Frau noch nie erlebt. Es fehlte ihm an Kraft und vor allem am Willen ihr länger zu widersprechen.




Das war gar nicht so einfach, einen Laden zu finden, wo man noch Unterwäsche im Design der fünfziger und sechziger Jahr kaufen konnte. Sie hatte den ganzen Vormittag recherchiert. Im Internet. Aber dann war sie fündig geworden. In dem 10 Jahre alten Telefonbuch, das eigentlich nur noch da war, um das Schuhregal im Flur zu beschweren und an Ort und Stelle zu halten.

Mariannes Miederparadies. Ein Anruf bestätigte ihr, das es den Laden noch gab und er auch geöffnet hatte. Da sollte es jetzt hingegen.




Volkmar wirkte ein wenig verunsichert, als Jens ihm erklärte, dass er seiner Frau alles erzählt hatte und sie nun in ein Miederfachgeschäft fahren wollten und dort einzukaufen.

Aber, nachdem sich Gerda bei ihm fröhlich untergehakt hatte und mit Jens auf die anderen Seite, die beiden Männer förmlich Richtung U-bahn schob, fügte er sich in sein Schicksal. Schon nach wenigen Metern bemerkte Gerda, das sie es richtig genoß mit zwei Männern im Arm durch die Strassen zu ziehen. Bald war sie der Meinung geradezu neidisch Blicke anderer Frauen auf sich ziehen. Und das gefiel ihr noch besser.

Während sie auf dem Bahnsteig auf den Zug warteten, küßte sie Jens spontan und glücklich. Das allein fand die alte Schachtel auf der gegenüberliegenden Seite schon unschicklich. Als sie dann auch noch Volkmar auf den Mund küßte wendete sich die frustrierte alte Frau gegenüber kopfschüttelnd ab. Gerda fühlte sich wie 16. Die 49 war wie weggeblasen und sie verspürte eine unbändigen Drang noch ein paar mehr alte Weiber zu schockieren.



Mariannes Miederparadies war in erster Linie einmal vergilbt. Der Schriftzug, die Schutzfolien in den Schaufenstern, renoviert hatte man hier lange nicht mehr. Aber der Laden war offen. Marianne sofern sie es denn selbst war, war vermutlich über 80. Ein adrettes kleines Persönchen in einem dunkelgrauen Kostüm und einer dickwandigen Nickelbrille auf der Nase.

„Ich suche einen Hüfthalter“, erklärte Gerda.

Die Verkäuferin nahm das Maßband, das ihr um den Hals hing und hatte blitzschnell Gerdas Taille und ihre Hüfte gemessen.

„Nicht, dass das nötig, wäre …“, erklärte Marianne nebenbei. „Nach sechzig Jahren Im Dienst von Eleganz und Wäsche vertue ich mich selten einmal um 1-2cm. Aber sicher ist sicher.“

Die Männer standen wir Pappfiguren vor Stangen mit den aufgereihten Büstenhaltern und Korseletts.

„Das dauert schon einen Moment. Wenn euch langweilig ist könnt ihr ja einen Kaffee beim Bäcker drüben trinken.“

„Glaub mir Kindchen, denen war noch nie weniger langweilig“, behauptet Fräulein Marianne, ohne die Männer eines Blickes zu würdigen. „Schauen Sie sich in aller Ruhe um. Ich bin gar nicht da“, rief sie aufmunternd zu ihnen hinüber.

Offenbar erkannte Marianne solche Kunden auf den ersten Blick. „Wenn sie mit den beiden hier rausgehen“, sagte Marianne leise zu Gerda, „sollten sie ihre Schenkel zusammenpreßen und hoffen, daß sie es unbefleckt bis nach Hause schaffen.“

Gerda mußte lachen. Die Männer wirkten immer noch eher unschlüssig.

„Ich suche mal was raus“, stellte die Verkäuferin fest, nahm einen Hüfthalter von dem Wühltisch neben ihr und ging zu Gerdas Begleitern.

„Hier!“ Sie drückte Jens den Hüfthalter in die Hand. „Da können Sie mal die Stoffqualität mit der der teuereren Modellen an der Stange begleichen. Schließlich müssen Sie doch wissen wofür sie zahlen.“

Jens starrte die kleine energische Frau irritiert an. Er hielt den Hüfthalter in der Hand zu schaute dieser Marianne nach, wie sie ohne sich noch einmal umzudrehen im Lagerraum verschwand.

Kurz drauf kam sie mit vier Kartons wieder und ging kommentarlos und jeden ohne Blickkontakt an den Männern vorbei.

„Geht doch“, stellte sie amüsiert fest. Sie meinte wohl die Männer und tatsächlich befühlten Jena und Volkmar hoch konzentriert den Stoff des Mieders. „Mal sehen, wann sie den Sandkasten entdecken.“

„Was denn für einen Sandkasten?“ fragte Gerda und ließ den Blick durch den Laden schweifen. Kein Sandkasten zu entdecken.

Die Verkäuferin zeigte auf den Grabbeltisch. „Die sind nicht für den Verkauf, damit spielen den Männer gern herum, um sich die Wartezeit zu verkürzen.“

„Die spielen damit.“

„Ja, sie wühlen da gerne wichtigtuerisch drin herum. Tun so, als wenn sie etwas suchen, aber befühlen eigentlich nur den Stoff.“

„Das ist …?!“ Gerda wußte nicht wie sie es ausdrücken sollte.

„Kein Problem. Ich habe selber zwei von denen. Die brauchen halt manchmal einen kleinen Schubs, damit sie sich öffnen können.“

Marianne schaute über den Rand ihrer Brille hinweg zu den beiden, wie sie zaghaft begannen die Stoffqualität der anderen Stücke auf der Kleiderstange zu eruieren.

„Ich hab auch immer einige Stücke mit mehr als zwanzig Ösenverschlüssen in der Kiste. Das trainiert ihre Feinmotorik. Damit kann man sie stundenlang beschäftigen, wenn es sein muß.“

Das war … schlau.

„So jetzt probieren wir den hier mal, würde ich vorschlagen.“

Rosa? Das war jetzt aber nicht ihr Ernst.

Wenigstens war die Umkleidekabine größer als erwartet. Genau genommen, war sie nicht wesentlich kleiner als der Verkaufsraum. Da waren zwei Sessel, ein Bord zwei Garderobenständer und ein großer Spiegel.

„Eigene Strümpfe haben Sie wohl nicht mit. In der Schublade rechts sind Probierstrümpfe in allen Farben. Soll ich sie allein lassen oder brauchen Sie Hilfe.“

„Ich komm schon klar“, behauptete Gerda, obwohl sie gerade das Gefühl hatte zum ersten Mal im Leben Unterwäsche anzuziehen.

Marianne zog den schweren Samtvorhang zu und kümmerte sich um Gerdas Männer.

Während sie sich umzog, konnte sie Marianne durch den Vorhang mit den Männern sprechen hören.

„Das ist eine Frage der Philosophie. Metallische Clips oder aus Kunstoff. Und vor allem die Anzahl. Ursprünglich waren es mal vier, aber inzwischen haben sich sechs als Standard durchgesetzt. Für die Frau mit besonders großem Sicherheitsbedürfnis können es aber auch schon mal 18 sein.“

„18?“ fragte Volkmar ungläubig.

„Ja schon. Sehen Sie hier!“

Gerda konnte sich nicht daran erinnern, daß Jens jemals mit ihr shoppen gegangen wäre und mit der Verkäuferin ein Fachgespräch geführt hätte. Nicht einmal ein Gespräch. Ein mürrischen Brummen war das Äußerste.

Der Vorhang wurde ein wenig zurückgezogen.

„Sind Sie soweit?“

„Ja!“ antwortet Gerda unsicher und fand, das dieses Altrosa im Spiegel gar nicht so schlecht aussah.

„Die Herren“, rief Marianne in den Verkaufsraum. „Die Dame wäre jetzt bereit ihre Meinung zu hören.“ Die Verkäuferin zog den Vorhang ganz zurück.

Jens und Volkmar tauchten vor der Kabine auf. Jeder von ihnen hatte mehrere Wäschestücke in der Hand.

„Toll“, sagte Jens begeistert und Volkmar stimmte ihm unbedingt zu.

„Meinst du, du könntest den hier mal anprobieren?“ fragte Volkmar vorsichtig.

Gerda nahm den Hüfthalter. Das war ´ne Menge Gedöns mit diesen 18 Strumpfhaltern.

„Okay.“

„Aber wenigstens einer der Herren sollte Madame beim anclipsen behilflich sein. Sonst dauert das ewig.“

Ein Mann beim Umziehen mit in der Kabine? Wo gab es denn sowas.

„Dürfen die Männer mit in die Kabine.“

„Ich halte nicht viel von Scheinmoral. Sonst gäbe es diesen Laden schon seit 20 Jahren nicht mehr. Bei mir sollen die Kunden sich wohl fühlen. Also …“

Beide Männer wollten hilfreich sein. Marianne zog den Vorhang vor und Jens und Volkmar machten beinahe einen Wettkampf daraus, wer seinen Strumpf schneller befestigen konnte. Marianne hatte schon viel Zeit in Boutiquen verbracht. Viel Zeit voller Unschlüssigkeit. Aber das hier war völlig anders. Das machte irgendwie Spaß.

Über vier Stunden verbrachten sie in Mariannes Miederparadies. Den Vorhang schloß Marianne bald nicht mehr beim Umziehen. Denn die Männer flitzen zwischen der Umkleide und den Regalen hin und her, halfen ihr mit immer flinker werdenden Fingern rein und wieder raus aus dem Hüfthalter und Korselett. Zum Schluß standen sie mit über zwanzig Teilen da, die es unbedingt sein sollten.

Geld spielte offenbar keine Rolle mehr, wenn das Hormonsystem durchdrehte. Anders als sonst beim Shoppen, war diesmal Gerda am Rande ihrer Kräfte, nachdem sie das letzte Stück anprobiert hatte.
Irgendwie war ihr jetzt klar, warum dieser Laden mit so wenig Kundschaft überleben konnte.

Die Männer sortierten die Stücke nach unklaren Kriterien an Kasse und Fräulein Marianne stand mit einem beinahe selig wirkenden Lächeln am Vorhang.

„Welcher soll es sein?“ wollte Marianne wissen und hielt drei der Strumpfhalter hin.

„Alle, wenn ich die Männer richtig verstanden habe.“

„Nein, nein, ich meine welchen Sie jetzt anziehen wollen.“

„Gar keinen. Ich bin doch in einer Hose gekommen …!“

„Wollen Sie wirklich ohne Strumpfhalter auf die Strasse gehen?“ Diesem entsetzten bis beinahe angewiderten Blick konnte Gerda nicht standhalten.

„Wo denken Sie hin, natürlich nicht! Aber …“

Fräulein Marianne grinste schelmisch. „Nun, ich gehe mal davon aus, daß sie noch nicht lange dem Zauber des Hüfthalters erlegen sind. Das ist eine Lebenseinstellung nicht mehr und nicht weniger. Sie können sich einen Wickelrock von mir ausleihen, die habe ich immer für Notfälle parat. Beim nächsten Mal können Sie ihn mir ja wieder mitbringen. Die Hose und ihre geschmacklosen Kameraden können sie getrost entsorgen. Die brauchen Sie nicht mehr. Kommt nicht selten vor das Neulinge diesen Landen in Hosen betreten, aber niemals, daß sie ihn in Hosen wieder verlassen.“

Gerda ahnte, dass sie gerade auf etwas eingelassen hatte, was vielleicht ihr zukünftiges Leben vollständig bestimmen und leiten könnte. Egal, abwarten, das konnte so oder so ausgehen?

Gerda entdeckt den Zauber des Hüfthalters (140) - © Copyright bei Ingolf Behrens, Hamburg, 2020. Alle Rechte vorbehalten.