Martin Swelt

Roman

Kapitel 1 - Die letzte Nacht im Kinderzimmer
Martin hasste es, wenn er so früh aufstehen musste. Der Wecker aus buntem Plastik kannte keine Gnade. Unaufhörlich plärrte er mit mechanischer Stimme „Guten Morgen! Aufgewacht! Ein schöner Tag, um die erste Million zu verdienen!“ Martin schlug dem fröhlich grinsenden Dagobert auf den Hut. Jetzt blieben ihm immerhin knapp drei Minuten bis das Ganze wieder von vorn losgehen würde …
Kapitel 2 - Schulhofratten
Auf dem Schulhof war es brütend heiß. Das Wetter hatte Martins Laune ein wenig gebessert. In der zweiten großen Pause sah er Doris inmitten einer Gruppe herumalbernder Mädchen sitzen. Doris fächelte sich mit ihrem Rocksaum Luft zu. Martin saß auf der Holzbank, die rum die alte Schullinde gebaut war. Ein begehrter Platz. Aber heute hatte er die Bank für sich allein. Er saß da, im Schatten und beobachtete Doris …
Kapitel 3 - Schönste Doris
Als Martin wieder ins gleißende Mittagslicht des Schulhofs trat, dachte er einen Moment, er würde nicht richtig sehen. Nicht nur Werner hatte auf ihn gewartet, sondern auch Doris stand dort am Tor und unterhielt sich mit ihrem Bruder. „Hat aber ganz schön lange gedauert“, stellte Werner fest. „Was hat die alte Ziege von dir gewollt?“ fragte Doris neugierig....
Kapitel 4 - Kanichenjagd
Frau Bruckner hatte einen großen, dampfenden Eintopf zubereitet, in dem sich auch ein Kaninchen versteckt halten sollte. Nach dem Tischgebet, das bei den Bruckners Pflicht war, ging die Kaninchenjagd los. Mutter Bruckner teilte aus. Alle schienen ein Stück von dem kleinen Hopser erwischt zu haben, nur auf Martins Teller fanden sich bloß winzige Fetzen undefinierbaren, fettigen Fleisches …
Kapitel 5 - Big Ben
Der Ögersee war nicht übermäßig groß. Man brauchte gute 10 Minuten, um ihn einmal mit dem Rad zu umrunden. Genau das tat Martin jetzt schon zum zweiten Mal. Entweder Doris und Werner hatten sich woanders hingelegt, oder er hatte die Beschreibung missverstanden. Martin kannte sich hier auch nicht besonders gut aus …
Kapitel 6 - Nächtlicher Abgang
Herr Bruckner erschien nicht zum Abendessen. Martin wußte nicht, ob er immer noch wegen seines Lachens beleidigt war. Frau Bruckner hatte jedenfalls keine besonders gute Laune. „Was ist mit deiner Nase?“ Doris Nase war sichtlich geschwollen …
Kapitel 7 - Die schönste Frau der Welt
Bei den Bruckners wurde auch Samstags zeitig gefrühstückt. Wieder fehlte Herr Bruckner. Martin fragte nicht, wo er war. Es war ihm ganz recht so. „Also Kinder. Ich muss noch einkaufen gehen. Wenn ihr fertig seid, räumt ihr ab und geht raus oder nach oben. Macht hier unten bloß keinen Lärm, solange Vater noch schläft.“ …
Kapitel 8 - Die Waschküche
Mittagessen gab es spät. Es war eher Mittag- und Abendessen in einem. Es gab Brote, Suppe, heiße Würstchen und Martin trug noch immer das Mieder. Es hatte sich bis zum späten Nachmittag keine Möglichkeit ergeben, das Ding endlich los zu werden. Martin saß leicht vorgebeugt bei Tisch, damit niemand seine aufgepumpte Brust bemerkte und womöglich dumme Fragen stellte …
Kapitel 9 - Nachtwache
Der Abend verlief zäh und schleppend. Doris verbrachte die Zeit auf dem Fenstersims und lauschte dem Vogelgezwitscher in dem Birnbaum unter dem Fenster. Werner und Martin schauten fern. Doris war sauer …