Tequila Sunburst


Die farbigen Lichter brachen sich an dem Rand des Tequila-Glases. Sie konzentrierten sich auf einen einzigen Punkt, der in Regenbogenfarben schimmernd im Raum stand. Der zitternde Lichtfleck fiel auf die Hose eines Gastes neben Paula. Ein Wink mit dem Lichtstrahl. Ein Laser, der den Inhalt der Hose zu scannen schien. Paula rückte das Glas solange hin und her, bis der Laser die vorderste Erhebung unter dem Hosenbund abtastete. Paula grinste leise ins Nichts. Es begann ihr Spaß zu machen, mit dem Lichtstrahl herum zu spielen. Die Beule in der Hose auf- und abzufahren und zu beobachten, wie sie wuchs. Dann wurde ihr auf einmal klar, dass der Typ sie und ihren Lichtstrahl beobachten musste. Sie sah seit Minuten zum ersten Mal von ihrem Glas auf.

Der Kerl war das, was sie im Allgemeinen als ein fettes Halbglatzenschwein bezeichnete. Er grinste sie feist und aufgegeilt an. Paula sah förmlich, wie ihm der Sabber aus dem Maul troff. Sie lächelte nur zurück, weil sie den Mann selbst als Witz empfand. Dann wandte sie sich wieder ihrem Tequila zu, hob das Glas ruckartig an die Lippen, legte den Kopf in den Nacken und trank den brennenden Inhalt mit einem Zug leer.

„Möchten Sie noch einen?“ fragte der Fettsack sie sofort und kam dabei mit seinem glänzenden Gesicht viel zu dicht, viel zu vertraulich an ihr Ohr. Paula hätte was darum gegeben, sich auf Kommando übergeben zu können. Das hätte den Kerl sicherlich für alle Zeiten abgeschreckt. Sie sah ihn an. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Einen Moment lang verspürte sie einen unerklärlichen Drang, das Gesicht zu sich heran zu ziehen und ihm den Schweiß von der glänzenden Haut zu lecken. Das hätte ihm so passen können. Das wäre eine Geschichte für seinen Stammtisch geworden.

„Hau ab. Ich kann meine Drinks selber zahlen“, sagte Paula.

Der Kerl zog sofort den Schwanz ein. Fast tat es Paula schon wieder leid, schließlich hatte er ihr ja nichts getan. Sie gab dem Drang, jetzt doch ein Gespräch mit ihm anzufangen, nicht nach. „Los, verschwinde und Lass mich in Ruhe.“

Tatsächlich zog der Typ ab. Er verschwand ohne ein weiteres Wort in dem Gedränge um die Bar herum. Der Theker grinste breit und schenkte ihr den neunten oder zehnten, vielleicht auch den fünfzehnten Tequila ein. Theker grinsten immer an dieser Stelle. Sie bekamen alles mit, wussten alles und verstanden alles. Ob man sie schon länger kannte oder nicht, sie hatten immer den Profibonus eines Gynäkologen. Der Theker hatte sich wortlos wieder an seine Arbeit gemacht. Paula wusste, dass er sie mit einem Auge beobachten würde. Sie schob ihr Glas auf dem Tresen hin und her und versuchte, den Regenbogen wiederzufinden. Es gelang ihr nicht. Vielleicht war es der falsche Tequila. Sie kippte ihn weg und bestellte einen neuen. Der war nicht besser als der letzte und er schmeckte auch nicht anders.

„Vielleicht mal einen Sunrise?“ fragte der Theker, der mit der Flasche in der Hand bei ihr stehen geblieben war.

Paula nickte, obwohl sie wusste, dass spätestens der nächste zu viel sein würde. Wäre die Fettbacke erst jetzt gekommen, hätte sie das mit dem Kotzen wohl hingekriegt. Die Musik um sie herum schien räumlich weiter weg als noch vor wenigen Minuten. Es klang wie die Ansprache des Papstes weit, weit weg, mit einem völlig überkandidelten Echo. Nur die Bässe klopften ihr aus nächster Nähe auf den Magen. Paula ließ den Tequila Sunrise vor sich stehen. Sie drehte sich auf dem Barhocker um und stützte sich mit den Ellenbogen auf die Theke hinter sich. Sie war sich nicht sicher, ob sie den Tequila zu sich nehmen würde.

Auf der Tanzfläche drängten sich schwitzende Schemen durch Zigarettenschwaden. Erregten sich paarweise an der Musik oder den bewegten Körpern. Es war ein Fehler gewesen, sich umzudrehen. Die rotierenden Lichter, die in der Ferne wabernde Musik verursachten ihr Schwindel. Es war ihr sofort klar, dass sie sich nicht wieder zurückdrehen könnte. Und weiter hinschauen ging einfach nicht. Sie drohte, sich zu übergeben. Es wäre nicht das erste Mal. Sie wusste, was zu tun war. Sie schloss die Augen, aber das innere Nichts drehte sich schlimmer als die Welt da draußen. Zehn Minuten, vielleicht etwas mehr, dann würde das Gefühl wieder nachlassen. Sie öffnete die Augen und konzentrierte sich auf irgendwelche Gegenstände, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Sie dachte an – nichts. Ihr Hirn folgte nur den Strömungen der Melodien und Rhythmen. Sie fühlte die Schwere ihres Kopfes, die Kraft, die sie brauchte, damit er nicht in den Nacken fiel. Dann ließ sie ihn fallen. Die Decke war schwarz. Das war’s nicht. Sie beobachtete weiter die Tanzenden, ohne jemanden wirklich wahrzunehmen.

Langsam fühlte sie, wie die Kontrolle zurückkam. Die Übelkeit ging. Zurück blieb eine wohlige Wärme, ein Gefühl wie ein auswattierter Teddy. Paula nannte diesen Zustand die Unterwassergeburt. Wenn sie es schaffte auf diesem Level zu bleiben, hätte sie einen angenehmen Abend.

Das Pärchen, das sie die Zeit über fixiert und beim Tanzen beobachtet hatte, wurde jetzt wieder erkennbar. Die Kleine war vielleicht 22, trug den Girlie-Look in Neon-Grün mit engem orangenem Oberteil. Kleine, spitze Titten, höchstens 1,57, jedenfalls wenn man ihr die dicken Plateausohlen wegnahm. Sie bewegte sich so gut es ihr Outfit eben zuließ. Musik hatte sie jedenfalls nicht in den Knochen. Ihr Partnerdaddy tanzte verkrampft, aber wenigstens im Takt. Was wollte die Kleine bloß von dem alten Bock? Der Alte schaute sie nicht einmal an. Er hatte doch eh nur Augen für Paula. Richtig, der Alte starrte sie unentwegt an. Und richtig, sie erkannte ihn wieder. Sie hätte schwören können, dass sie noch vor fünf Minuten nicht mitgekriegt hatte, wen sie die ganze Zeit anstarrte. Es war der Typ von vorhin.

Paula fand das so komisch, dass sie laut lachte und dabei wieder den Kopf in den Nacken warf. Der Typ grinste sein unverschämt geiles Lächeln. Was sollte das? Glaubte der Blödmann tatsächlich, sie wollte ihn anmachen? So einen Wichser, der sich auf die Jagd nach jungen Dosen machte, wenn Mutti ihren Kegelabend hatte! Paula schüttelte den Kopf. So ein Idiot.

Die Kleine hatte inzwischen trotz aller tänzerischer Ekstase auch bemerkt, dass ihr Partner sich nicht voll auf sie konzentrierte. Sie schob sich enger an den Alten heran und versuchte, zwischen Paula und ihn zu gelangen. Aber Daddy war mindestens 1,80 groß und schaute einfach über sie hinweg. Sein Blick schien eine einzige Entschuldigung dafür zu sein, dass er sich gerade von so einem jungen knackigen Ding hemmungslos anbaggern ließ. Der Typ war einfach lächerlich. Paula grinste breit. Daddy grinste noch breiter zurück.

Dann griff Paula hinter sich, wo der Tequila Sunrise stehen musste. Er hatte auf sie gewartet. Sie nahm einen vorsichtigen Schluck und wusste, dass das nicht gut enden würde. Ein leichter Anflug von Schwindel ging wie ein sanfter Luftzug durch ihr Hirn. Jetzt warf sich dies kleine Luder dem Alten geradewegs an den Hals, schmiegte sich an und wollte eng umschlungen mit ihm tanzen. Die Musik ließ das sogar zu. Daddy wollte sich anscheinend nicht wirklich aus der Affäre ziehen. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, was?

Es begann Paula Spaß zu machen, den Alten schwitzen zu sehen. Sie schob die Beine auf dem Barhocker weit auseinander. Sie zog sogar den Rock noch etwas höher. Es gab da eigentlich nichts zu sehen, aber als Geste sollte es reichen. Und richtig, die Konzentration des Alten auf seine Tanzpartnerin ließ wieder nach. Paula tunkte den Finger in den Sunrise und steckte ihn genussvoll in den Mund. Nicht das diese Spur von Alkohol etwas gebracht hätte, aber Daddy verstand das schon ganz richtig. Dann leckte sie sogar mögliche Tequila-Reste mit spitzer Zunge unter dem Fingernagel weg.

Ein Blick des Typen sagte ihr, dass er völlig reif war. Wenn sie jetzt zu ihm rüber gehen würde, könnte sie ihn um den kleinen Finger wickeln. Sie lächelte selig. Männer waren so simpel strukturiert. Natürlich würde sie das nicht tun, nicht diesen Blödmann!?

Paula spürte einen starken Druck im Unterleib. Wenn sie jetzt aufs Klo ging, käme ihr der Kerl gleich nach? Eine interessante Frage. Paula beschloss, sich dieses kleine Experiment zu gönnen. Sie kippte vorsorglich den Sunrise hinunter und stand auf. Sie spürte, wie sich die Absätze der Pumps in ihre Hacken bohrten. Zwei, drei kleine tänzelnde Schritte, die keiner mitbekam und sie hatte wieder einen sicheren Stand. Alles klar. Sie schob sich hoch konzentriert durch die Menge. Als sie den kleinen Gang, der hinunter zu den Toiletten führte, erreicht hatte, war Daddy noch auf der Tanzfläche in Aktion. Auf die steile Treppe musste sie sich zusammenreißen, langsam kam ihr in den Sinn, dass sie alt wurde. Früher wäre der Kerl jetzt schon hinter ihr gewesen. Früher hätten sich die Kerle erst gar nicht an der Bar abwimmeln lassen. Irgendwie war alles anders geworden.

Das grelle Neonlicht und der unterkühlte Toilettensitz schienen Paula wieder nüchtern zu machen. „Was zum Teufel ist mit dir los, Paula?“ fragte sie den Spiegel über dem Waschbecken. Sie wollte die Antwort aber nicht wirklich sehen. Drehte sich lieber schnell ab und öffnete die Tür zum Gang.

Draußen auf dem Flur stand der Alte unmotiviert herum und lächelte nervös. Also doch! Paula stand in Rahmen und hielt die Tür offen. Sie sah dem Kerl die Unsicherheit aus dem Gesicht springen. Paula stand etwas zu lange so da, um nicht zu wissen, was er wollte. Und viel zu lange, um noch zu sagen, dass sie nichts von ihm wollte. Ihre Hand griff nach seinem Jackett. Sie zog ihn heftig in den Toilettenraum. Sekundenlang dachte sie, er wehrte sich, doch er war einfach nur schwer und phlegmatisch. Als die Tür zugefallen war, drückte ihn Paula mit ihrem Körper an die Wand. Ihr Knie fuhr zwischen seinen Beinen hinauf. Ihre Oberkörper blieben ziemlich auf Distanz. Der Kerl schaute sie einfach nur irritiert und erwartungsfroh an. Er war eine Flasche. Das war Paula ja eh klar. Ihre Hand sucht nach der Beule in seiner Hose und fand sie größer als erwartet. Ihre Finger fuhren daran entlang. Die Halbglatze würde einen Fettfleck an den Kacheln der Wand hinterlassen. Der Kerl verdrehte die Augen und wollte Paula an den Schultern fassen. Aber Paula zischte nur: „Finger weg.“

Daddy ließ brav die Arme sinken, stand wie ein nasser Sack an Wand und gab gurgelnd verzückte Laute von sich. Er sah Paula nicht an, als sie seinen Reißverschluss öffnete. Paula war sicher, dass er schon gekommen sein würde, bevor sie sein Ding aus der Hose gefischt hätte. Doch sie hatte sich geirrt. Wenn man von dem Rest des Kerls absah, hatte sie einen echten Kraftprotz vor sich. Langsam ging sie vor ihm in die Knie. Als sie ihre Zunge um seine Eichel gleiten ließ, wimmerte Papi wie ein angeschossener Hund. Paula ließ die Zunge noch einige Male kreisen, bevor sich ihre Lippen um ihn schlossen und das Wimmern einem schweinischen Grunzen wich.

In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Toilettenvorraum. Paula dachte gar nicht daran aufzuhören und der Kerl war viel zu weggetreten, um überhaupt etwas mitzukriegen. Die Tür fiel wieder zu, aber Paula merkte, dass jemand im Raum war. Mit dem Schwanz im Mund drehte Paula den Kopf und schielte in Richtung Tür. Warum ging die senile Ziege nicht einfach wieder raus. Die fünf Minuten konnte sie doch noch warten, oder.

Das giftgrüne Girlie stand mit großen Augen da und sah ziemlich abschätzig auf Paula hinunter. ‘Schau nicht so überheblich. Das hattest du doch auch vor, du blöde Kuh’, dachte Paula und grinste die Kleine so niederschmetternd an, wie sie es mit vollem Mund nur konnte. Jetzt würde sie ja wohl endlich verschwinden.

Aber die Kleine verschwand nicht.

„Vater!“

Dieses einzige Wort, leise ausgesprochen, hatte genügt, damit Paula ihre Backenbewegungen abrupt abbrach. Der alte Sack entdeckte seine Tochter im Vorraum. Mit einer heftigen Bewegung schubste er Paula von sich weg. Sie landete an der gegenüberliegenden Wand und schlug hart mit dem Schulterblatt an die Kacheln.

„Ich möchte jetzt nach Hause gehen“, fuhr die Kleine mit wutzitternder Ruhe fort.

„Ich …“, setzte die Halbglatze zu einer Erklärung an.

„Ist schon gut. Ich bin keine 15 mehr. Das musst du mit Mutter und dir selbst abmachen“, sagte das Girlie und öffnete die Tür.

Der Alte ließ den Kopf sinken und trottete hinter seiner Tochter her. In der Tür drehte er sich noch einmal um und murmelte etwas, das nach Entschuldigung klang. Dann war Paula allein. Sie fröstelte, ihr Rücken schmerzte, vielleicht hatte ihr Kopf etwas abbekommen. Oder es war nur der Alkohol.

Als sie sich wieder aufgerappelt hatte und mit weichen Knochen die Treppen hochstieg, war sie so nüchtern wie noch nie an diesem Abend. Vom Alkohol konnte die plötzlich einsetzende Übelkeit also nicht kommen.

Oben war von Vater und Tochter schon nichts mehr zu sehen. Paula klemmte sich wieder auf ihren Platz an der Bar. Sie überlegte, ob sie gehen oder sich lieber weiter betrinken sollte.

Der Theker stellte ein Glas und eine fast viertelvolle Flasche Tequila vor Paula auf den Tresen. „Zum Runterspülen! Geht auf mich“, sagte er und polierte weiter an den Gläsern.

Paula sah ihn an. Er war wirklich süß.

„Wenn ich die jetzt austrinke, finde ich garantiert nicht mehr alleine nach Hause.“

Der Theker schaute sie eindringlich an, ohne seine Arbeit zu unterbrechen, dann sagte er lächelnd. „Kein Problem, ich sorge dafür, dass du heil nach Hause kommst.“

Paula drehte langsam den Verschluss der Flasche auf.

„Okay. Aber mach mir erst mal noch so einen Sunburst, ja?“

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