Der Rutenklaus


„Mutter! Es ist der Weihnachtsmann! Mutter!“ schrie Jan rannte aufgeregt den Flur hinunter in Richtung Küche.

Martina kicherte und hielt ihrem Vater die Tür auf. „Du kannst doch den Weihnachtsmann nicht einfach vor der Tür lassen und weglaufen“, rief sie ihrem Bruder nach.

Jan bremste scharf und sah zurück. Der Weihnachtsmann quälte sich brummelnd mit dem schweren Sack durch die Tür. Ach, der kam schon klar. Jan wäre beinahe mit seiner Mutter zusammengestoßen.

„Ho, ho, ho!“ grölte der Weihnachtsmann mit vertrauter, tiefer Stimme. Jan verstand nicht, wie seine Schwester so ruhig bleiben konnte, wo doch der Weihnachtsmann direkt neben ihr stand.

Jans Mutter schob ihren Jungen sanft vor. Kopfschüttelnd sah Santa Claus den Jungen an. Dann begann das alljährliche Ritual. Ja, er war brav gewesen. Die Rute wurde ihm zwar gezeigt, aber dann kamen die Geschenke. Warum nur Vater jedes Jahr zu spät kam. Immer verpasste der den Weihnachtsmann. Da! Schon war der Weihnachtsmann wieder weg.

Jan Vater lachte als er endlich kam. „Vielleicht erwische ich ihn ja nächstes Jahr.“

Als Jan endlich im Bett lag, fragte er Martina, ob sie schon jemals die Rute zu spüren bekommen hatte. Seine Schwester kicherte nur und sagte: „Dafür muss man schon sehr, sehr böse gewesen sein.“

„Wie böse?“

„Furchtbar böse.“

Jan konnte nicht schlafen, er musste an die Geschenke denken. Seine Schwester konnte wohl auch nicht schlafen. Als er von der Toilette zurückkam, frage er sie leise: „Findest du, dass Mutti böse ist. Ich meine so richtig, sehr, sehr böse?“

„Nein, überhaupt nicht. Wie kommst du darauf?“

„Na, der Weihnachtsmann ist noch mal zurückgekommen. Er hat wohl was vergessen.“

„Was?!“

„Weiß nicht, er ist bei Mutti im Schlafzimmer und sie kriegt die Rute“, erklärte Jan. „Sollten wir nicht hingehen und ihm sagen, dass Mutti nicht böse war?“

Vor Lachen verschluckte sich Martina an ihrer eigenen Spucke. „Ich glaube, wir lassen den Weihnachtsmann besser in Ruhe, sonst kommt er womöglich nicht wieder, im nächsten Jahr“, sagte sie. „Und jetzt schlaf endlich.“

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