Der Zaunkönig


„Hilde, da isser wieder!“ Friedhelm schaute angestrengt durch das Fernglas, obwohl er ihn eigentlich mit bloßem Auge hätte erkennen können.

„Hilde, nun komm doch mal!“ rief Friedhelm ungeduldig. Dass seine Frau aber auch immer so träge sein musste! Die Sonne reflektierte stark und brach sich in den Linsen des Fernglases. Aber mit bloßem Auge, waren halt die Details nicht so gut zu sehen.

„Das ist ein Prachtkerl, Hilde! Nun komm doch mal!“

„Was ist denn nun wieder?“ fragte Hilde genervt. „Ich schlag grad die Sahne!“

„Da, schau doch mal durch!“ Er hielt ihr das Fernglas hin.

„Wo denn?“

„Na da! Sieh doch hin.“

„Ein Zaunkönig!“

„Ja, aber was für ein schönes Exemplar! Troglodytes troglodytes!“

Als Friedhelm ihr damals sagte, dass er Ornithologe werden wollte, hatte Hilde gedacht, das wäre so etwas wie ein Zahnarzt. Aber das war es nicht. Friedhelm hatte einfach nur eine Macke mit Vögeln. Gott sei Dank hat er dann doch die Klempnerei von seinem Vater fortgeführt und hat das mit den Vögeln nur als Hobby fortgeführt.

„Ja, wirklich ein schönes Stück“, sagte Hilde und ließ das Fernglas sinken. „Aber ich muss mich jetzt weiter um die Sahne kümmern, sonst wird die nicht steif und dann haben wir nichts zum Kuchen.“

„Ich wette, der brütet da.“ Friedhelm hörte selten zu, wenn seine Frau etwas sagte. Meist war es ja auch unwichtig. Seiner Meinung nach. „Der baut doch ein Nest! Hilde, guck doch mal!“

Seufzend nahm Hilde das Fernglas und schaute. „Ja, sieht so aus.“ Das Fernglas glitt ein wenig zur Seite und Hilde sah etwas, was sie persönlich viel interessanter fand. Die Wortmanns drüben in ihrer Laube nutzten die Mittagsstunde schon wieder für ein Schäferstündchen. Herr Gott, die waren bald sechzig! Obwohl, wenn sie ehrlich war, würde sie jetzt auch lieber etwas anderes steif machen als die Sahne.

„Was macht er?!“fragte Friedhelm ungeduldig. „Nun gib wieder her!“ Er riss ihr die Sehhilfe beinahe aus der Hand. „Da!“ rief er aufgeregt. „Da kommt das Weibchen!“

„Lotte, du Glückliche!“ dachte Hilde, aber sie wusste natürlich, ihr Mann wieder nur Augen für die Vögelchen hatte.

„Ich geh und schlag die Sahne“, sagte sie und verzog sich wieder in die Laube.

„Warum die nur da drüben auf dem Ast bei den Wortmanns brüten mussten. Der Baum war groß und wenn sie weiter hier vorne brüten würden, dann könnte er vielleicht sogar so nah der Kamera ran, dass er das Makro benutzen könnte. Friedhelm seufzte.

„Hilde! Ich geh mal eben rüber zu den Wortmanns.“

„Ja, ja!“ Doch dann schoss es Hilde durch den Kopf, dass das jetzt nicht der richtige Augenblick war. Zu spät. Friedhelm war schon an der Pforte. Und andererseits: Warum sollte es Lotte besser ergehen als ihr?

*

„Ach Friedhelm! Es ist doch Mittagsruhe und Andreas hat sich hingelegt!“ hörte sie Lotte eine Minute später schimpfen. Vermutlich stopfte sie dabei noch unauffällig ihre Bluse wieder in die Polyesterhose mit Gummizug, für die sie so eine Vorliebe zu haben schien.

„Ich wollte ja nur fragen, ob ich mal auf euer Grundstück darf. Nur, um ein paar Fotos zu machen. Da ist nämlich ein Zaunkönig. Und ...“

„Was ist denn los?“ polterte Andreas mit seiner tiefen Stimme. Hilde lächelte. Das geschieht ihm recht, dachte sie. Das kommt davon, wenn man so verschiedene Vorlieben in Sachen Vögeln hat.

„Es geht um den Zaunkönig!“ sagte Friedhelm in seiner ewigen Arglosigkeit. „Der brütete wohl ausgerechnet auf dem Ast, der bei euch rüber hängt. Da wollte ich lieber fragen, ob ich Fotos machen darf. Dafür muss ich natürlich bei euch aufs Grundstück.“

„Also weißt du Friedhelm, nicht nur, dass du dafür meine Mittagsruhe störst, nein jetzt geht das auch noch um den Ast. Darüber haben wir doch schon des Öfteren gesprochen. Der muss weg! Und wenn du den nicht bald wegnimmst, dann mach ich das irgendwann!“

„Aber Andreas! Ich hab doch gesagt, ich nehm den weg. Aber jetzt, wo gerade ein Zaunkönig dort nisten will ...“

„Das ist mir egal. Dann brütet der eben woanders!“

„Also das ist ja nun nicht die richtige Einstellung zur Natur, ja!“ Jetzt regte sich Friedhelm auf. Der war nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, aber wenn einer den Vögeln was tat, dann war bei ihm Schluss.
„Du warst ja immer schon so. Eigentlich bist du doch gar kein Gärtner im eigentlichen Sinne!“ behauptete Friedhelm mutig.

„Nu is aber Schluss!“ polterte Andreas los. Und Andreas war ein Hüne. „Jetzt verlässt du aber meine Parzelle! Aber ganz schnell, mein Lieber!“

*

„Dieser Spinner!“ fluchte Friedhelm und nahm murrend am Kaffeetisch Platz. „Der will doch tatsächlich, dass ich diesen Ast kappe, weil der auf sein Grundstück gewachsen ist. Und das ausgerechnet jetzt, wo dort der Zaunkönig dort nisten will. So ein Ignorant!“

Hilde sagte nichts und schob ein Stück Pflaumenkuchen auf seinen Teller. Friedhelm stutzte.

„Keine Sahne?“ fragte er irritiert. „Pflaumenkuchen ohne Sahne?“

„Die ist nicht steif geworden“, erklärte Hilde.

„Na denn. Was für ein Tag.“

Pflaumenkuchen brachte Friedhelm gewöhnlich schnell wieder zur Räson. Er beruhigte sich mit jedem Bissen ein wenig mehr. Sicherlich wäre er wieder zu seiner üblichen Gelassenheit zurückgekehrt, wenn ihn nicht das Geräusch einer Motorsäge aufgeschreckt hätte. Es war drei Uhr durch , aber …

*

„Ja, spinnst du denn?“ schrie er für seine Verhältnisse beinahe hysterisch.

Andreas sah ihn breit grinsend an. Der armdicke Ast, der seit Jahren für Gesprächsstoff zwischen den Nachbarn gesorgt hatte, lag abgetrennt vor seinen Füßen. Andreas hatte ihn genau an der Grundstücksgrenze gekappt.
„Das kann doch nicht wahr sein. Ich hab doch gesagt, ich schneide ihn zurück!“ wetterte Friedhelm. „Nur nich gerade jetzt!“

„Das sagst du schon seit drei Jahren!“ behauptete Andreas.

„So nicht, Andreas, das wird ein Nachspiel haben“, drohte Friedhelm, dem Hünen, der sich bei diesem Satz zu voller Größe aufrichtete, wobei sein Kreuz beinahe seinen Gegner beinahe völlig im Schatten verschwinden ließ.
„Ich gehe zum Vorstand! Da kannst du sicher sein!“

Das war eigentlich eher ein Witz, denn als Fachberater gehörte Friedhelm selber irgendwie zum Vorstand.

„Ach ja? Und dann?“ höhnte Andreas. So als wäre es kein Gewicht, nahm er mit seinen Pranken den Ast hoch und warf ihn auf Friedhelms Grundstück. „Und entsorgen kannst du den Mist auch selber!“

Friedhelm fluchte. Er wollte den Ast zurückwerfen, bekam ihn aber nicht richtig zu fassen und das Blattwerk schleifte über den Boden, so dass der Ast nur wenige Zentimeter aufs Feindesland eindrang. Andreas lacht und stieß ihn leichtfüßig wieder zurück.

„Lass es, Friedhelm!“

„Das gibt Ärger!“ behauptet Friedhelm wütend, als er wieder in die Laube kam.

*

Friedhelms Ärger verflog nicht so schnell, wie Hilde es gewohnt war. Vermutlich, weil es um den Zaunkönig ging. Tatsächlich thematisierte Friedhelm die Sache beim Vorstand, obwohl er selber wusste, dass Andreas im Recht war. Natürlich konnte er überstehende Äste, die auf seine Parzelle ragten, kappen.

Friedhelm fühlte sich hilflos und ihm fiel nichts Besseres ein, als eines schönen Montagmorgens mit dem Bau eines Zaunes zu beginnen. Natürlich wusste er genau, dass er keinen Zaun an der Parzellengrenze errichten durfte. Aber erstens, war das eine 2,5 Meter hohe Rankhilfe, weil es ja ein Rautengitter war und zweitens wusste er aus langer Erfahrung, dass der Vorstand große Schwierigkeiten hatte, solche, illegal errichteten Bauten wieder entfernen zu lassen. Das Verfahren war langwierig und kostenintensiv. Und Friedhelm kannten jeden Schlich es endlos zu verlängern.

Hilde hatte versucht ihn von diesem Vorhaben abzubringen, aber es war nicht möglich gewesen. Die Sache mit dem Zaunkönig war zu viel für ihren Friedhelm gewesen. Er sann auf Rache.

*

„Hilde, red doch bitte mal mit deinem Friedhelm“, sprach Lotte sie eines Tages an. „Der Zaun nimmt uns das Licht und die ganzen Azaleen gehen uns doch ein!“

Hilde wusste, dass Lotte Recht hatte. Die Wortmanns waren ja auch schon beim Vorstand des Kleingartenvereins gewesen, aber man hatte ihnen gesagt, dass sie zwar Recht hatten, aber die Entfernung des Zaunes sich hinziehen könnte. Zumal es sich wohl eher um eine Rankhilfe für Bohnen handeln würde. In diesem Zusammenhang hatte man die Wortmanns auch noch darauf hingewiesen, dass die Nutzung ihres Gartens nicht ganz den Vorschriften entspräche, dieweil man selbst ja wohl keinerlei Gemüse oder Obst angebaut hätte. Da sei es natürlich etwas merkwürdig, wenn man dem Nachbarn das Anbauen von Bohnen verbieten wollte.

Dahinter steckte natürlich Friedhelm.

„Ihr hättet den Ast nicht einfach so absägen sollen!“ entgegnete Hilde. „Du weißt doch, wie Friedhelm an diesen Vögeln hängt.“

„Ich weiß, ja, das war nicht gut, aber Friedhelm kam in einer Situation rüber, da war Andreas nicht gerade begeistert.“

„Ich weiß, aber du kennst doch Friedhelm!“

Hilde war im gleichen Moment froh, dass Lotte über dieses „Ich weiß!“ wohl nicht weiter nachgedacht hatte.

„Männer!“ schimpfte Lotte. „Die haben doch alle einen Knall!“

Da wollte Hilde ihr nicht unbedingt widersprechen. Sie nahm sich vor, tatsächlich einmal mit Friedhelm zu reden. Schließlich konnte so ein Nachbarschaftsstreit einem den ganzen Sommer vermiesen.

*

Friedhelm war definitiv abgeneigt den Zaun zu entfernen. Die Sache mit dem Zaunkönig hatte sich wirklich tief in ihm festgefressen.

„Seine Azaleen sind mir wurstegal. Die gehören sowieso in sauren Boden und die stehen da völlig falsch!“ behauptete er. „Die können zum Vorstand rennen, bis die schwarz werden.“

Das taten die Wortmanns aber nicht. Nachweislich taten sie gar nichts, aber eine Woche nach dem Gespräch mit Lotte stellten die Bohnen erst völlig überraschend für Friedhelm das Wachstum ein, um dann ziemlich abrupt in sich zusammenzusacken, wie ein Häufchen Elend. Nach drei Tagen war von kletterstarken Leguminosen nichts mehr zu sehen.

„Agent Orange“, behauptete Friedhelm.

„Was bitte?!“

„Na ja, Round up halt! Monsantos populärer Nachfolger von PCB.“

„Meinst du wirklich?“

„Das waren die Wortmanns! Ganz bestimmt!“

„Ach Friedhelm, nun hör aber auf! Bestimmt hast du einfach nur vergessen zu gießen!“

„Vergessen zu gießen? Die sind in zwei Tagen komplett weggefault. Das ist doch nicht normal!“

„Ist kein günstiger Platz für Bohnen, was!?“ rief jetzt zu allem Überfluss auch noch Andreas über den Zaun.

Damit war Friedhelms Verdacht im Prinzip bestätigt.

„Das warst doch du!“ schimpfte Friedhelm.

Andreas beantwortete diese Verdächtigung mit schallendem Gelächter. „Ich glaube nicht, dass an einem so hohen Zaun überhaupt etwas wächst.“

„Das werden wir sehen!“ rief Friedhelm erregt. Natürlich war ihm klar, dass er mit dem Pflanzen gegen das wiederholte Ausbringen von Unkrautvernichter keinerlei Chance hatte. Nur dann vielleicht, wenn er Andreas dabei auf frischer Tat ertappte.

Hilde half ihrem Mann neu zu pflanzen. Diesmal wollte er es mit Tomaten versuchen. Allerdings war es ja mit dem Pflanzen allein nicht getan. Von nun an lag Friedhelm an Tag und Nacht auf der Lauer. Jawohl auch nachts. Abends musste Hilde ihm Essen bringen. Sie hatte eine halbe Stunde gesucht, bis sie den Henkelmann wiedergefunden hatte, den sie Friedhelm früher manchmal mit zur Nachschicht gegeben hatte. Seit drei Jahren hatte sie den nicht mehr benutzt.

„Ach Friedel, nun komm doch endlich nach Hause und gib auf! Das hat doch alles keinen Sinn mehr und der Zaunkönig kommt deshalb auch nicht wieder.“

„Nein!“ stellte Friedhelm stur fest. „Ich gebe nicht auf. Auf gar keinen Fall!“

Hilde seufzte und stellte sich auf einen weiteren Abend allein vor dem Fernseher ein.

*

Nach 14 Tagen zog endlich ein Sommergewitter auf. Es regnete in Strömen, blitzte, donnerte und die grauen Wolken unterwarfen sich wirbelnd der 8. Windstärke. Zeit endlich mal nach Hause zu kommen und den Alltag wieder einkehren zu lassen. Bei diesem Regen würde Andreas mit seinem Herbizid keine Chance haben.

Friedhelm schlief tief und fest und das hatte er auch nötig.

*

Am nächsten Tag waren die Tomaten noch da. Allerdings quälten sich ihre Triebe nur mühsam unter dem umgekippten Zaun hervor. Der Wind musste ihn umgeworfen haben. Der Wind? Da war Friedhelm aber ganz anderer Ansicht. Nachdem er die Pfosten kontrolliert hatte, war ihm klar, die waren alle einzeln umgetreten worden. So wäre das niemals bei einem Sturm passiert. Genauso klar war aber auch, dass er das nicht beweisen konnte. Und jedermann würde eher glauben, dass der Sturm daran schuld gewesen wäre.

Natürlich baute Friedhelm den Zaun unverzüglich wieder auf. Höher und stabiler. Das verstand sich jawohl von selbst. Schließlich hatte er diesen Krieg nicht angefangen. Und wenn es sein musste, hatte Friedhelm auch noch eine Rolle Natodraht aus seiner Dienstzeit in der Garage liegen.

„Du Spinner!“ schrie Andreas rüber, noch bevor der Zaun wieder ganz stand. „Jetzt lass den scheiß Zaun weg, du kannst ja den nächsten Ast wieder rüberwachsen lassen ...“

„Es geht doch gar nicht um den Ast. Der Zaunkönig ist weg und daran lässt sich nichts mehr ändern.“

„Wie man es sieht“, flachste Andreas. „Der wahre Zaunkönig ist ja noch da, wie man sieht.“

„Nur dumme Scherze machen, das kannst du! Aber die Natur ist dir doch völlig egal!“

„Spinner!“ Andreas winkte müde ab und zog sich in seine Laube zurück.


„Wir müssen uns jetzt bei der Wache abwechseln“, erklärte Friedhelm, als er mit dem Zaun fertig war. „Allein schaffe ich das nicht. Ich muss ja auch mal schlafen, nicht?“

„Ooch bitte, Friedhelm!“

„Was? Ich kann mich doch auf dich verlassen, oder?“

Hilde dachte eine Minute nach und sagte dann energisch: „Nee Friedhelm! Nee. Da mach ich nicht mehr mit. Ich gehe jetzt rüber und rede mit Andreas.“

„Was? Du willst mich verraten“ rief Friedhelm erregt. „Das wagst du nicht!“

„Ich will dich nicht verraten. Ich will nur, dass endlich wieder Ruhe ist!“ stellte Hilde klar.

„Bleib hier, du Verräter!“

Aber Hilde hatte sich längst entschieden. Nach zwei Metern hielt Friedhelm sie am Arm fest und zerrte sie zurück.

„Nun hör aber auf!“ fauchte sie ihren Mann an und riss sich los. Doch Friedhelm griff erneut zu und als Hilde sich umdrehte, um ihm die Meinung zu sagen, sah sie, dass er mit bebender Hand ausgeholt hatte. „Du bleibst!“ hauchte er mit versagender Stimme.

Hilde sah ihn nur eindringlich an. „Nimm sofort die Hand runter, oder ...“ Weiter brauchte sie nicht zu sprechen. Im Prinzip war Friedhelm ein Gartenzwerg. Nicht nur gegen Andreas. Auch Hilde überragte ihn um einen halben Kopf.

Schweigend ließ er ihren Arm los und seine Frau ziehen.

*

Andreas und Lotte waren nicht begeistert, als sie sahen, wie Hilde über ihre Terrasse gestampft kam.

„Was willst du?“ fragte Lotte zickig. „Hast du deinen Mann jetzt zur Vernunft gebracht?“

„Und du deinen?!“

„Also, wenn du hier rüber gekommen bist, nur um ...“

„Nein, bin ich nicht. Ich möchte mit euch reden!“

„Also?“ fragte Andreas. „Macht ihr den Zaun wieder weg?“

„Meinetwegen gern, aber mit Friedhelm ist ja nicht zu reden“, erklärte Hilde. „Wenn ihr nicht nachgebt, dann geht das ewig so weiter!“

„Wir haben doch keinen Zaun gebaut und der Ast war auf unserem Grundstück. So oft haben wir euch ...“

„Ich weiß, ich weiß. Ihr habt völlig Recht. Mit den Vögeln hat Friedel ja auch eine Macke, aber wenn ihr mir versprecht, den Zaun jetzt erst mal so zu lassen, dann tue ich alles, damit er möglichst bald verschwindet. Nur muss jetzt erst mal Gras über die Sache wachsen!“ schlug Hilde vor.

Waltraut und Andreas sahen sich an.

„Ich weiß noch eine andere Möglichkeit, wie es sehr viel schneller geht“, sagte Andreas und grinst breit.

„Ich höre?“

„Wir nehmen dich als Geisel, bis der Zaun abgebaut ist!“ scherzte Andreas.

„Was ist das denn für ein Blödsinn!“ Wenn Hilde noch länger über diesen Vorschlag nachgedacht hätte, wäre sie womöglich vor Lachen zusammengeklappt. Doch bevor sich ihr Ansatz zum Grinsen ausbreiten konnte, spürte sie wie Lotte von hinten die Arme um sie schlang und sie festhielt. Nein, sogar ein wenig anhob.

„Los Andreas! So machen wir’s!“ keuchte sie und schob Hilde in Richtung Laubentür.

Andreas hatte einen Moment gestutzt, vermutlich, weil er es wirklich nur im Scherz gesagt hatte. Doch nun wurde er aktiv, um seiner Frau beizustehen. Andreas hatte die Laubentür geöffnet und half nun seiner Frau ihre Nachbarin in die Laube zu zerren.

Während Hilde versuchte sich aus Lottes Armen zu winden, besorgte Andreas ein Seil aus dem kleinen Schuppen mit den Gartengeräten. Lotte atmete schwer in Hildes Ohr. Fast hätte Hilde ihre Widersacherin von sich gestoßen. Sie stemmte sich mit Händen von der Wand ab, gegen die Lotte sie fortwährend presste. Dann hielt sie auf einmal inne. Erst jetzt bemerkte sie, das Lotte ihre Hände die ganze Zeit über auf ihren Brüsten liegen hatte. Dieses kurze Zögern reichte Andreas, um das Seil einmal, zweimal und dann noch ein drittes Mal um Hildes Oberkörper zu wickeln.

Einige Minuten später drückten die Wortmanns eine gut verschnürte Hilde in den einzigen Sessel in der Laube, an dem sie ihre Nachbarin nun in aller Ruhe vertäuten.

„Und was nun?“ fragte Hilde als sie wieder zu Atem gekommen war. „Was wollt ihr jetzt tun?“

Die beiden antworteten nicht. Doch bevor Hilde ihre Entführer mit weiteren Fragen nerven konnte, hatte Lotte ihr ein Geschirrhandtuch in den Mund gestopft. So fest, dass sie es nicht einfach ausspucken konnte. Hilde biss vor Wut hinein, doch das trocknete ihre Mundschleimhaut nur noch weiter aus.

„Was machen wir jetzt?“ fragte Andreas verunsichert. Lotte musste nicht lange überlegen.

„Du machst ein Foto mit dem Handy und gehst rüber. Dann sagst du ihm, wenn er seine Frau gesund wiedersehen will, hat er drei Stunden Zeit, um den Zaun einzureißen.“

„Und wenn er die Polizei holt?“

„Dann behaupten wir, dass das alles die Idee seiner Frau war und es sich nur um einen Scherz handelte, der ihn zur Vernunft zu bringen. Sag ihm einfach, er soll jetzt endlich den Zaun abreißen!“
Andreas holte sein Handy aus der Jacke und wollte das Bild machen.

„Warte noch“, hielt Lotte ihn zurück. „Das muss noch echter aussehen.“ Sie ging zum Sessel und riss Hildes Nylonkittel auf, dass die Knöpfe nur so in der Laube herum flogen. „So!“ sagte sie. „Das ist besser!“
Gott sei Dank hatte Hilde heute einen BH an. Bei diesem extrem warmen Wetter trug sie oft nur eine Strumpfhose unter dem Kittel.

Während Andreas die Fotos machte und nach dem dritten Versuch endlich mit dem Ergebnis zufrieden war, schaute Hilde Lotte in die gehässig blitzenden Augen. Sie hätte nie gedacht, dass Lotte zu so etwas fähig war.

*

Friedhelm war tief enttäusch von seiner Frau. So eine Verräterin. Damit hatte er wirklich nicht gerechnet.

„Friedhelm, wir haben deine Frau! Wir wollen, dass du den Zaun in drei Stunden abgerissen hast. Sonst siehst du Hilde nicht wieder!“

„Das ist mir doch egal!“ rief Friedhelm zurück. „Die Verräterin könnt ihr behalten.“ Friedhelm war nicht nur wütend, sondern auch ganz sicher, dass Hilde mit den Wortmanns unter einer Decke steckte. Das konnte doch nur eine Art Scherz sein.

„Ich hab hier ein Bild von ihr, damit du siehst, dass wir es ernst meinen!“

„Interessiert mich nicht! Verschwinde von meinem Grundstück!“

Andreas hatte lediglich sein Handy mit dem Foto durch den Zaun gehalten. Nun zog er seine Hand sicherheitshalber wieder zurück. Schließlich hatte so ein Kleingärtner gerne mal eine scharfe Axt zur Hand und Andreas war nicht ganz sicher, wie durchgedreht Friedhelm inzwischen war.

*

„Das interessiert den überhaupt nicht!“ berichtete Andreas, als er wieder in der Laube angekommen war. „Der will seine Frau gar nicht wieder.“

„Sag ihm, du schickst das Bild auf sein Handy! Dann kann er ja noch mal darüber nachdenken.“

Lotte hatte die Situation, wie es schien, voll im Griff.


*

„Dann können wir jetzt wohl nur noch abwarten“, sagte Andreas gelangweilt, als er wieder rein kam und sein Handy beiseite gelegt hatte.

Drüben jedenfalls tat sich nichts. 10 Minuten lang nichts, 20 Minuten lang rein gar nichts. Dann wurde es langsam heiß. Es war früher Nachmittag und die Sonne brannte direkt auf die kleine Holzlaube. Wirklich kühl war es hier drin nicht. Hilde bekam schlecht Luft und ihr Kittel fing an, an ihrem Körper festzukleben.

Auch nach dreißig Minuten hatte sich nichts getan. Die Wortmanns starrten durch das Fenster hinüber auf Hildes Parzelle, ganz so als erwarteten sie jeden Moment den Mann mit der Abrissbirne.

Aber auch nach 40 Minuten herrschte da drüben immer noch tödliche Stille. Lotte hatte sich auf das Sofa gesetzt. Sie schwitzte. Und das heftig.

Ihre Augen aber waren kalt wie Eiszapfen, mit denen sie offenbar versuchte Hildes BH zu durchbohren. Außerdem zuckte sie hin und wieder nervös mit den Mundwinkeln. Vermutlich geriet die Situation jetzt doch noch außer Kontrolle.

Was würden die beiden tun, wenn Friedhelm gar nichts tat? Ihr einen Finger abschneiden? Lottes Finger waren im Moment zumindest dort, wo sie in dieser Situation nicht hingehörten. Offenbar erregte sie der Anblick ihrer gefesselten Nachbarin, die ihr mit dem zerrissenen Kittel völlig ausgeliefert war. Hilde konnte es nicht fassen. Lotte masturbierte. Hier. Direkt vor ihr. Und sie starrte sie dabei auch noch an, als ob sie Anerkennung dafür erwartete. Oder irgendeine Reaktion von Hilde. Hilde war so schockiert, dass sie sogar den Knebel in ihrem Mund für einen Augenblick vergaß. Sie hätte Lotte jetzt gern zur Rede gestellt, aber der Knebel verhinderte jede Diskussion und ließ nur dumpfe Artikulationsreste in den Raum dringen, die Lotte womöglich noch als erregtes Stöhnen missdeuten könnte. Als schwieg Lotte angewidert.

„Da! Jetzt kommt er!“ rief Andreas, der die ganze Zeit über aus dem Fenster gestarrt, und von den Dingen hinter sich nicht viel mitbekommen hatte. Als er sich aufgeregt umdrehte, um zu sehen, ob Lotte ihn verstanden hatte, waren ihre Hände wieder da, wo man sie erwarten durfte.

„Pass auf, dass er den Zaun auch wirklich abbaut!“ kommandierte Lotte hektisch. Vermutlich wurde ihre Erregung aber nicht durch die Aktivitäten im Nachbargarten hervorgerufen.

„Ja, ja, natürlich!“ Andreas starrte aufgeregt durch schmale das Laubenfenster und ließ Friedhelm keine Sekunde aus den Augen.

„Ich gebe Hilde was zu trinken, ist heiß hier und wir wollen ja nicht, dass hier jemand zu Schaden kommt.“

„Ja, ja, mach! Jetzt hat er den ersten Pfosten selbst umgetreten!“

Lotte holte eine Flasche Mineralwasser aus dem Kasten unter der Spüle. Aber sie nahm Hilde den Knebel nicht raus, als sie ihr die geöffnete Flasche an den Mund hielt. Das prickelnde Nass ergoss sich über das Geschirrhandtuch, tropfte auf Hilde Büstenhalter, der es in seinem Lauf nur kurz aufhielt, über ihren halbschwangeren Bauch und sammelte schließlich in ihrem Nylonbespannten Schoß der Strumpfhose. Es dauerte einen Moment bis die Feuchtigkeit dir Kunstfaser durchdrungen hatte und auf den noch schwachen Gegenstrom stieß.

„Oh tut mir leid!“ sagte Lotte mit einem bissigen Lächeln, aber nahm ihr den Knebel noch immer nicht aus dem Mund. Die erstickten Geräusche, die Hilde von sich gab, versuchte sie auch gar nicht zu interpretieren. Sie wischte die Feuchtigkeit von Lottes BH und zwar von der Innenseite. Ihr Griff war fest, aber nicht unangenehm. Ihre Augen blitzten sie wieder in dieser besonderen Weise an. Dann beugte sie sich hinunter und flüsterte Hilde ins Ohr: „Ich weiß, dass du uns beobachtest!“ Und während ihre Hand sich aus dem Büstenhalter befreite und die Feuchtigkeit ihrer blickdichten Zone der Strumpfhose betastete: „Macht dir das Spaß?“

Und der zweite Pfosten ist gefallen!“ frohlockte Andreas und das plötzliche Entfernen von Lottes Hand ließ eine gewisse Kälte in Hildes Schritt ziehen. Sie fühlte sich so ausgeliefert und am liebsten, hätte sie dieser Lotte ins Gesicht gespuckt. Allein schon dafür, dass sie sie äußerlich, wie innerlich, so nass gemacht hatte.

„Und jetzt kommt der dritte Akt!“

„Ja, pass gut auf, dass er auch alles wegmacht!“ munterte ihn Lotte auf, während sie Hilde frech ins Gesicht grinste. Ihre Hand zitterte ein wenig, als sie sich gleich darauf durch die Enge von Hildes zusammengekniffenen Schenkeln arbeitete und fast mühelos ihr Ziel erreichte. Obwohl Hildes Puls war auf 180. Sicherlich vom angestrengten Zusammenkneifen ihrer Schenkel. Es war körperlich unheimlich anstrengend solche Übergriffe abzuwehren, wenn man schlecht Luft bekam und zudem noch gefesselt war.

Hilde verließ die Kraft. Sie musste einfach nachgeben. Die Zugkraft der Adduktoren verringerte sich sukzessive, bis hin zum völligen Versagen der Kontraktion. Dafür durchflutete das Blut jetzt die Beckenbodenmuskulatur und die rasant ausgeschütteten Endorphine verhinderten glücklicherweise eine drohende Übersäuerung ihrer Oberschenkelmuskulatur.

Wenn sie ehrlich gewesen wäre, hätte sie einfach gesagt, dass sie gerade einen Orgasmus hatte. Stattdessen fluchte sie nur nasal in ihren Knebel.

„Jetzt ist er weg!“ berichtete Andreas, der vermutlich ähnlich erregt war wie Lotte, allerdings aus einem völlig anderen Grund.

„Wo ist er hin?“ fragte Lotte, während Hilde die letzte Kraft aus ihren Adduktoren holte, diesmal um das Wegziehen von Lottes Hand zu erschweren. Leider bemerkte sie das wohl und quittierte es mit einem zufriedenen Lächeln.

„Einfach weg“, erklärte Andreas.

„Du musst doch gesehen haben, wo er hin ist!“ raunzte Lotte ihren Mann an. Sie ging zu ihm ans Fenster und schaute hinaus. Zu sehen war da nichts.

„Da ist er wieder!“ rief Andreas.

„Der kommt zu uns rüber!“ stellte Lotte verunsichert fest. „Was soll das?!“

*

Friedhelm hatte lange nachgedacht. Als die erste Wut auf seine Frau verflogen war, hatte er angefangen den Zaun abzureißen. Jetzt aber hatte er noch länger nachgedacht. Und diesmal mit Erfolg. Er wusste nun endlich, was zu tun war.

„Was willst du?“ fragte Andreas aufdreht, als Friedhelm über seinen Rasen stapfte. „Du sollst den Zaun abreißen!“

„Ich will meine Frau zurück!“ stellte Friedhelm in einem gefährlich sachlichen Tonfall fest.

In diesem Moment sah Andreas die Waffe. Eine 9 Millimeter Parabellum Walther P8. Friedhelm hielt sie locker schlendern in der herabhängenden Hand.

„Mach doch keinen Scheiß!“ Man hörte deutlich die Angst in seiner Stimme. Und auch Lotte war leicht blass geworden. Ihre Hand lag auf Hildes Schulter, die das Ganze nur aus den Augenwinkeln beobachten konnte.

„Ich will meine Frau zurück! Jetzt sofort!“ sagte Friedhelm schneidend. Im gleichen Moment hatte er den Arm mit der Waffe gehoben und zielte auf Andreas Stirn. Der wich fast taumelnd vor Schreck in die Laube zurück. Aber schon sechs Schritte weiter stand auch Friedhelm in der Laube. Noch immer hielt er die Waffe fest im Anschlag und sagte seelenruhig: „Macht sie los! Sofort!“

Jeder wusste, dass Friedhelm zwölf Jahre als Unteroffizier gedient hatte. Friedhelm erwähnte das oft genug. Was die meisten Leute nicht wussten, war, dass Friedhelm bei einer Versorgungseinheit war und an Kampfhandlungen als solches, bestenfalls in unterstützender Tätigkeit beteiligt gewesen war. Gewöhnlich brachte er Ersatzteile zur wirklich kämpfenden Truppe.

Lotte hatte Hilde mit wenigen Griffen losgebunden. „Tschuldigung!“ nuschelte sie, während Hilde wie eine Furie aus dem Sessel hochsprang.

Was die meisten Leute auch nicht wussten, war, dass das nur eine Schreckschusspistole war, die Friedhelm da beindruckend im Anschlag hielt.

Hilde interessierte sich im Moment für die Details nicht. Sie war wütend. So wütend wie selten in ihrem Leben. Da konnte man schon mal die Kontrolle verlieren.

Die Ohrfeige war hart geschlagen. So hart, wie Hilde nur konnte. Und es klatschte ordentlich. Friedhelm schaute seine Frau, als wäre er gerade vor die Wand gefahren. Im gleichen Moment nahm sie ihm die Pistole aus der Hand. Bevor er protestieren konnte, hatte sie ihn am Ohrläppchen gegriffen.

„Ja bist du denn völlig bekloppt? Überhaupt darüber nachzudenken, ob du diesen gottverdammten Zaun abreißt, während es hier um mein Leben geht?!“

Hilde wusste, dass sie jetzt ein klein wenig übertrieb, aber dieses Ausgeliefert sein in den letzten 90 Minuten konnte sie so schnell nicht vergessen. Teilweise hatte sie wirkliche Angst gehabt. Vielleicht nicht um ihr Leben, aber wusste ja oftmals nicht, wie weit Lotte gehen würde.

Ihr Mann jedenfalls brauchte eine Lektion. So ging das nicht. Sie zog ihn am Ohrläppchen bis zum Sessel.

„Hier habe ich über eine Stunde gefesselt gesessen und gelitten, weil du Blödmann diesen bekloppten Zaun nicht abreißen wolltest!“

Friedhelm war noch so verdutzt, weil er sich bis eben ganz sicher war, alles richtig gemacht zu haben Eigentlich fühlte er sich gerade eher als Held. Und nun das!

Das Gefühl ein Held zu sein verließ Friedhelm allerdings ziemlich schnell, als Hilde ihn in den Sessel stieß und begann ihm wutentbrannt den Hintern zu versohlen. Einfach so, wie bei einem Kleinkind.

Friedhelm war völlig verwirrt. Hilde wusste, dass sie jetzt überreagierte und sie vollkommen übertrieb. Dennoch konnte sie nicht anders, sie steigerte sich da regelrecht rein. Sie schlug auf sein Gesäß ein, dass es ihm wirklich wehtat. Und in ihren Handflächen spürte sie auch jeden Schlag. Hilde hatte noch nie die Hand gegen ihren Mann erhoben und Friedhelm wusste überhaupt nicht, was er davon halten sollte. Er war ratlos und froh, als Hilde mit der Dresche auf seinen Hintern aufhörte und ihn nur noch anschrie.

„Du gehst jetzt raus und reißt diesen verdammten Zaun ab! Aber sofort!“

Es war Friedhelm peinlich vor den Wortmanns so behandelt zu werden. Aber mit gesenktem Kopf fügte er sich. Es war ihm sofort klar, dass sich die Beziehung zu seiner Frau durch diesen Vorfall, vermutlich völlig verändern würde. So blieb er wohl kaum der Herr in seinem Heim.

„Und du, Andreas gehst gleich mit und hilfst ihm!“, schrie nun auch Lotte ihren Mann an. „Oder willst du, dass es dir so ergeht wie Friedel!“ Hilde sah Lotte fragend an. Die lächelte vielsagend zurück.
„Ich kann dir gerne auch den Arsch versohlen?“ schimpfte sie weiter auf den völlig irritierten Andreas ein.

Dem konnte man wirklich deutlich ansehen, dass nicht im Mindesten verstand, was hier vorging. Bis eben hatte er noch gemeinsam mit seiner Frau, um das Verschwinden des Zaunes gekämpft und nun plötzlich stand er da, wie der Idiot. Irgendetwas hatte er wohl nicht mitbekommen.

„Und wenn der Zaun weg ist, dann bringt ihr ihn auch gleich zusammen zum Sperrmüll. Ist das klar?“ setzte Lotte nochmals energisch nach.

Andreas nickte immer noch verwirrt und trollte sich in den Garten, um seinem Widersacher zu helfen.

Die beiden Frauen sahen ihren Männern nach, die sich an die Arbeit machten. Die waren jetzt sicherlich für gute zwei Stunden beschäftigt.

Hilde stand noch unsicher, was sie nun tun sollte in Wortmanns Laube herum, als Lotte sich plötzlich nach Hilde umdrehte. Sie griff Hilde energisch unters Kind. Ganz so, als ob sie sie erwürgen wollte. Doch, dann küsste sie Hilde auf den Mund. Erst widerstrebend, dann aber fordernd nahm Hilde diese Liebesbekundung an. So hatte noch sie noch nie eine Frau geküsst. Nach diesem Kuss war ihr klar, dass es dabei nicht bleiben würde. Ganz bestimmt nicht. Sie hatten noch reichlich Zeit.

Jetzt war Hilde nur noch froh, dass der Zaun endlich weg kam und somit, der kleine Grenzverkehr, vor allem mit Lotte, von nun wieder regelmäßig möglich war.

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