Tanz der Walküren

Kapitel 6

Beck schreckte hoch. Jemand rüttelte kräftig an seiner Schulter.

„, Komm schon, Beck! Wir haben was.“

Beck rieb sich den Schlaf aus den Augen. Victor war auch schon da.

„Du erinnerst dich doch an die Schwester von diesem Studenten, den du in der U-Bahn erledigt hast?“

Beck nickte. Natürlich erinnerte er sich daran. Das war doch gerade erst vorgestern gewesen.

„Diese Schwester war doch nirgends aufzutreiben. Aber ich habe ein Suchprogramm im Internet installiert, das permanent nach ihrem Namen Ausschau hält“, erklärte Klinger. „Vor einer halben Stunde ist es fündig geworden!“

„Ja und?“ fragte Beck schläfrig und gähnte.

„Ihr Name tauchte in einer Email auf, die ein Agent aus Malta an seinen Kontaktmann beim BND geschickt hat.“

„Hast du da immer noch Zugriff?“ wunderte sich Beck. „Ich meine, merken die nicht irgendwann mal, dass du ihre ganze Post liest?“

Klinger zuckte mit den Achseln. Beim Thema BND wich er grundsätzlich allen Fragen aus. Es war schon was dran: Einmal BND immer BND.

„Na und? Was stand drin?“ fragte Beck ungeduldig.

„Katrin Weber ist tot. Verbrannt. Oder erschossen. Selbstmord oder Mord. Jedenfalls starb sie bei einem Ritual der Sonnentempler. Du weißt schon, das sind die, die sich immer massenweise selbst umbringen.“

Das wusste Beck nicht, aber er erinnerte sich, von so etwas mal gelesen zu haben. In der Morgenpost. „Da lag der Schwachsinn wohl in der Familie, was? Der eine spielt mit gefährlichen Viren rum, die andere macht auf Sekte.“

„Nun, der Punkt ist …“ sagte Victor, „dass die Leichen laut offizieller Pressemeldung noch gar nicht identifiziert sind. Trotzdem liegt dem BND eine komplette Liste der Opfer vor. Das kann doch nur bedeuten, dass ein Agent vom BND irgendwie an der Sache beteiligt war.“

„Wollen wir nicht erst mal diesen Fall hier abschließen, bevor wir …“, nörgelte Beck.

„Da ist noch etwas“, behauptete Jensen.

Außer Beck schienen alle über alles Bescheid zu wissen. Er hatte wohl mal wieder einiges verschlafen.

„Auf Malta, wo die Sekte ihren Abgang zelebriert hat, gibt es ein Werk der Firma Salt and Water Enterprises. Die betreiben dort eine Anlage zur Meerwasserentsalzung. Klingelingeling?“

„Also, ich gehe jede Wette ein, dass wir auf Malta unseren Prof. Haushofer finden werden“, bot Victor an. „Hast du eigentlich schon alle Pflichtstunden für dieses Jahr absolviert?“

Mit einem Schlag war Beck hellwach. „Wir fliegen nach Malta?“

Natürlich hatte er seine Pflichtstunden hinter sich. Schließlich war er ein leidenschaftlicher Pilot. Er flog, wann immer er es sich leisten konnte. Beck hatte sogar eine eigene Maschine. Eine gut restaurierte Bell P-39Q Aircobra. Ein echter Klassiker. Diese Kiste hatte sogar eine eigene Geschichte. Der Vogel wurde 1943 an die Sowjetunion ausgeliefert. Major Alexander Pokrischkin hatte in dieser Maschine während des zweiten Weltkriegs die zweithöchste Ausschussquote der Russen erzielt. 48 Abschüsse in einer P-39. Natürlich nicht in Becks Modell. Darin hatte er nur seine letzten 17 Abschüsse gemacht.

Die Maschine hatte Beck vor ein paar Jahren auf einem verlassenen sowjetischen Fliegerhorst in Ostdeutschland aufgespürt. Sie stand als Maskottchen vor dem Gebäude des Kommandeurs. Beck hatte drei Jahre gebraucht, um sie wieder voll flugtauglich zu machen. Er hatte sogar die alten Abschussmarkierungen von Pokrischkin wieder sichtbar gemacht.

„Der Flughafen ist bereits informiert. Der Jet wird gerade aufgetankt und startklar gemacht“, sagte Victor.

Beck griff mechanisch nach seiner Jacke. „Worauf warten wir noch.“ Seine Aircobra war sein Baby, okay. Aber die Cessna 560Xl Citation von Jacobi zu fliegen, das war ein Spaß. Statt der gemütlichen 320 km/h seines kleinen Jagdflugzeuges, brachte es die zweistrahlige Citation auf satte 750 km/h. Von dem technischen Komfort und der unglaublichen Ruhe beim Fliegen mal ganz abgesehen.

„Klinger, ich schicke dir zwei Mann zur Verstärkung her. Es gefällt mir nicht, dass du hier allein und ohne jede Rückendeckung operierst.“

Klinger nickte und kaute weiter an seinem Brötchen rum. „Viel Spaß dann“, rief er ihnen mit vollem Mund nach.

*

Noch vor Sonnenaufgang erreichten sie den Hamburger Flughafen. Die Cessna stand aufgetankt und startklar auf dem Flugfeld. Beck bestieg den kleinen Jet und klemmte sich gleich hinter den Steuerknüppel. Er ging die Checkliste durch. Jensen verstaute die Ausrüstung und das Gepäck in der hinteren Ladeluke des Vogels. Victor machte es sich im Passagierraum mit der Tageszeitung gemütlich. „Sektendrama auf Malta.“ Gerade mal 10 Zeilen auf Seite fünf.

Etwas mehr als drei Stunden brauchten sie bis Malta. Es war eine phantastische Aussicht, als sie in 8.000 Metern Höhe über das wolkenlose Sizilien hinweg glitten. Etwa sechs Minuten, nachdem sie die Küste Siziliens hinter sich gelassen hatten, tauchte auch schon Malta vor ihnen auf. Ein kleiner Felsbrocken mitten in einem fast wellenlosen Meer. Von hier oben sah es, als ob dort gar nicht genug Platz zum Landen wäre.

Beck flog eine großzügige Schleife und wartete auf die Landegenehmigung des Luqa Towers.

„Sekt oder Baldrian?“ fragte Beck, nachdem sie sicher gelandet waren.

„Halt den Mund, Beck!“ Jensen war ein wirklich zähes Stück. Aber wenn es ans Fliegen ging …

Trotzdem wollte sie unbedingt immer bei Beck im Cockpit sitzen. Wenn das kein masochistischer Zug war, dann glaubte sie bestimmt, im letzten Moment noch eingreifen und einen eventuellen Absturz verhindern zu können. Eine Option, die ihre Flugangst offenbar reduziert, obwohl sie nicht einen einzigen Schalter oder eine Anzeige des Cockpits verstand, geschweige denn hätte bedienen können.

Beck lachte und ließ gut gelaunt seinen Gurt aufschnappen.

Eine Stunde später saßen er und Jensen im Cordina. Das war ein Straßencafé in der Republica Street. Dort beobachteten sie, bei einem Milchkaffee und frischen Croissants, das muntere Treiben auf der überfüllten Einkaufsstraße von Valletta.

Victor besuchte derweil seinen alten Freund David Sperzi, mit dem er zusammen im Internat Salem die Schulbank gedrückt hatte. Sperzis Großvater mütterlicherseits war früher einmal Großmeister des Malteser Ordens.

Victor hatte David schon seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen. Offenbar tat ihm das Klima hier aber gut. In der Zeit, als noch Botschafter der Malteser in Südafrika war, hatte er immer etwas blass gewirkt. Jetzt aber war er braungebrannt mit einem weißen Drei-Tage-Bart, der ihn komischerweise um Jahre jünger wirken ließ.

„Nun, was kann ich für den Mann tun, der mein Abi mit seiner Matheklausur gerettet hat?“ scherzte David und schüttelt Victor kraftvoll die Hand.

Victor hielt sich nicht lange mit Vorreden auf und kam gleich zur Sache. Er erklärte David die Situation und äußerte seinen Verdacht, dass Prof. Haushofer sich auf dem Gelände der Salt and Water Enterprises befinden könnte.

David fuhr sich mit der Hand über die Bartstoppeln. „Politik“, sagte er dann. „Das ist ein heikles Problem. Ganz politisch.“

„Wieso?“ fragte Victor, dem nicht klar war, was Salt and Water mit Politik zu tun haben sollte.

„Malta ist eine ziemlich trockene Insel. Wenn wir hier überhaupt ein ernst zu nehmendes Problem haben, dann ist es das, dass uns die Touristen das wenige Süßwasser was wir haben wegsaufen. Das müssen wir aus den wenigen schwachen Quellen hier gewinnen. Ohne die Meerwasser-Entsalzungsanlage könnten die Malteser nicht überleben.“

„Verstehe.“

„Ich weiß nicht!“ winkte David ab. „Es gibt Gerüchte über diese Entsalzungsanlage. Und hast du von dem Massenmord an den Sonnentemplern gehört?“

„Ja sicher. Habe ich heute in der Zeitung gelesen.“ Einzelheiten behielt Victor lieber für sich. David war zwar ein Freund, aber er musste nicht alles wissen.

„Die sind offiziell gar nicht eingereist. Verstehst du? Die müssen sich entweder schon lange auf der Insel versteckt gehalten haben, oder sie sind heimlich mit einem Boot von Sizilien herüber gekommen. Aber das wäre doch wohl absurd.“

„Worauf willst du hinaus?“

„Salt and Water hat damals die Entsalzungsanlage unterirdisch gebaut. Fast ganz Comino ist von ihnen umgegraben worden. Für die Maltesische Regierung eine perfekte Lösung.

Erstens liegt Comino zwischen beiden Inseln, eine Pipeline müsste also sowieso über Comino führen. Und zweitens stört das Werk dort niemanden. Comino wird von den Touristen nur wenig besucht. Der wichtigste Punkt ist aber, dass scheinbar niemand kontrolliert, was diese Leute dort so treiben. Da besteht eine Art Abkommen. Salt and Water liefert das Wasser und dafür können sie auf dieser kleinen Insel tun und lassen, was sie wollen.“

„Also keine Chance, denen mal einen Inspektionsbesuch abzustatten. Ich hatte gehofft, du könntest uns dort irgendwie Zutritt verschaffen.“

„Ne, ne. Ich versuche selbst schon seit Jahren dahinter zu kommen, was da läuft. Aber Salt and Water hat Beziehungen bis hinauf zu Alfred Sant, unserem Ministerpräsidenten. Seit dessen Amtsantritt hatte die Wassernot ein Ende. Meine eigenen Beziehung zur Labour Party sind leider eher zweitrangig.“

„Kann man das Werk besichtigen?“

David lachte. „Ja, den oberirdischen Teil. Da führen ein paar riesige Rohre hinein ins Meer und in die Erde. Es steht ein dicker, lauter Generator da und ein kleiner Verwaltungskomplex. Aber alle Nase lang stößt du auf der Insel auf Lüftungsschächte, die nach unten führen. Weiß der Herrgott, wohin!“

„Hm.“ Victor dachte einen Moment lang nach. „Hättest du vielleicht Lust, dir das mal genauer anzusehen?“

„Du meinst ohne Erlaubnis?“ David grinste.

„Ich habe zwei Spezialisten dabei, mit denen sollte es uns gelingen, Comino seine Geheimnisse zu entreißen.“

David zielte mit dem Finger auf ihn drückte imaginär ab. „Du meinst solche Spezialisten …?“

Victor nickte.

„Warum nicht?“

*

Dank David hatte das Omega-Team ein Boot und eine Menge zusätzlicher Ausrüstung, die nötig war, um eine Expedition auf Comino zu starten. Es behagte weder Jensen noch Beck, diese Sache mit einem Amateur durchzuziehen. Aber es blieb ihnen ja keine Wahl. Victor wies sie darauf hin, dass sich der Malteser Orden nicht nur ‚Helfen und Schützen‘ auf ihre Fahnen geschrieben hatte, sondern auch Wehrhaftigkeit. Das hatten die Malteser in ihrer langen Geschichte oft genug unter Beweis stellen müssen.

Beck musterte skeptisch das Gelände. Es gab hier ziemlich wenig Deckung. Ein paar Felsbrocken und Kakteen, einige Macchie-Sträucher, sonst nur trockene, steinige Flächen ohne jeden echten Schutz.

Es bestand kein Zweifel daran, dass sie ihre Aktion nur nachts starten konnten, sonst hätte man sie bereits entdeckt, noch bevor sie auch nur einen Fuß auf die Insel gesetzt hätten.

Es war ja klar, dass Victor ihm die größten Flaschen zu seiner Bewachung geschickt hatte. Becker und Tölz. Zwei ehemalige Polizisten. Die waren schon früher ein Team gewesen. Absolut unzertrennlich.

Becker, ein verfetteter Säufer, oder Ex-Säufer und Tölz, ein kleinwüchsiges, schmächtiges Kerlchen, das dauernd nervös von einem Fuß auf den anderen trat, wenn er mal fünf Minuten nicht rauchen konnte. Beide machten jetzt in Sachen Personenschutz. Becker war damals in ihrer aktiven Dienstzeit mit einem Streifenwagen und 2,3 Promille im Blut in einen parkenden Ferrari gerauscht. Dummerweise stand der Ferrari auf dem Parkplatz des Reviers und war eine Neuerwerbung des Polizeipräsidenten, der auf Inspektion war. Für diesen Wagen hatte der Mann sich hochgearbeitet und jahrelang gespart. Jedenfalls endete für Becker mit dieser Geschichte der Dienst für das Gemeinwohl.

Tölz konnte oder wollte ohne Becker seinen Dienst nicht verrichten und quittierte folglich kurze Zeit später ebenfalls. Jetzt bewachten sie alte reiche Damen und ihre vierbeinigen Schätzchen, wenn die mal auf eine große Auktion in London gehen wollten. Manchmal beschützten sie auch Popstars, die von Flaschenwerfern bedroht wurden und ähnliche heikle Fälle.

„Geh schon raus und rauch’ eine“, maulte Klinger. Das Herumgehampel von Tölz war nicht zum Aushalten.

„Danke“, sagte Tölz und verließ den Ü-Wagen.

„Ich mach dann auch mal meine Runde“, erklärte Becker und folgte Tölz.

„Meine Runde!“ äffte Klinger ihn leise nach.

Aber er tat Becker unrecht. Der Dicke mochte seine Eigenarten haben, aber er war aufrichtig bemüht, seinen Job so gut wie irgend möglich zu machen.

Becker umrundete den Ü-Wagen, sah rundherum nach dem Rechten und trat dann unter dem Tarnnetz hervor.

„Halt bloß die Hand vor die Glut! Das sieht man sonst meilenweit.“

Tölz nickte nervös und sog die Zigarette heiß. Becker ging weiter den Weg hinunter und hielt Ausschau nach verdächtigen Fahrzeugen, die sich ihrem Standort näherten. Die Nacht war völlig wolkenlos, und man konnte einen Wagen selbst ohne Scheinwerfer von weitem erkennen. Alles war ruhig. Aber auch kalt. Ein Schluck Brandy hätte ihm jetzt neues Leben eingeflößt.

Er sah die knapp fünfzig Meter hinauf zum Transporter. Man konnte Tölz’ Glut deutlich sehen. Eines Tages würde er sie wegen seiner Nikotinsucht allesamt ins Grab bringen. Aber Becker wusste, dass er kein Recht hatte sich zu beschweren. Schließlich war er schuld daran, dass sie beide später keine Pension beziehen würden. Und Tölz hatte ihn nie im Stich gelassen.

Becker seufzte und machte sich auf den Rückweg.

Tölz hielt die Glut in der hohlen Hand. Trotzdem drang bei jedem Zug etwas Licht nach außen. Als er seinen letzten Zug nahm, konnte Tölz in der Dunkelheit vor sich, gerade noch den Schatten einer Gestalt, und vielleicht noch das Aufblitzen des Messers sehen, dass ihm eine Sekunde später in den Unterleib fuhr. Aber eine echte Chance hätte er auch als Nichtraucher nicht gehabt. Denn noch bevor das Messer in ihn eindrang, war er bereits tot. Ein zweiter Angreifer hatte sich von hinten an ihn herangeschlichen und ihm mit einem geübten Griff das Genick gebrochen. Sicher war sicher.

Der Glutkegel von Tölz war vielleicht noch 20 Meter entfernt. Becker nahm sich vor, den Kollegen noch mal zu Recht zu weisen. Doch als der Glutkegel hell aufflammte, sah er wie in einem Blitzlicht zwei Gestalten unmittelbar neben Tölz auftauchen. Eine Sekunde später war alles wieder dunkel.

Becker brauchte keine Gewissheit, dass Tölz tot war. Er riss seine Sig-Sauer aus dem Halfter brachte sie in den Anschlag. Er zielte grob in die Richtung, wo er die Täter vermutete, und … verspürte im selben Moment die Einschläge. Gehört hatte er nichts, aber erst knickte sein Bein weg, dann flog seine rechte Schulter zurück und zwei harte Hiebe trafen ihn in den Magen. Becker kniete auf dem Boden. Er wollte seine Waffe wieder in den Anschlag bringen, aber der Arm gehorchte ihm nur schleppend. Dann wollte er schreien und Klinger warnen, aber er hatte den Hals voller Blut und es blubberte nur, als er den Mund öffnete.

Becker blieb trotz allem standhaft. Er war ein guter Mann, auch wenn er ein völliger Versager war. Mit einem fast unmenschlichen Kraftakt schaffte er es, den rechten Arm wieder in den Anschlag zu bringen. Jetzt musste er nur noch den Abzug durchdrücken, nur noch den Finger krümmen. Eine Gestalt löste sich aus dem Schatten der Bäume und kam schnell auf ihn zu. Sie war vollständig in Schwarz gekleidet und vermummt wie ein Ninja. Er war jetzt bis auf zwei Meter an Becker herangekommen. Becker befahl dem Finger, sich zu krümmen. Der Ninja hob eine Waffe mit Schalldämpfer und beendete Beckers redliche Bemühungen mit zwei Kopfschüssen.

Klinger war genervt. Seit Stunden hörte er nun dieses Büro von Liebesfeld ab und hatte noch nicht eine sinnvolle Information bekommen. Gut, heute Nacht sollte ein Kurier eintreffen. Aber, was der brachte und worum es ging, kein Wort! Wenigstens hatte das sinnlose Geschwafel von Liebesfelds Bodyguards ein Ende. Die Jungs mussten wohl früh in die Betten. Den halben Nachmittag über hatte er stinklangweilige Gespräche über Anabolika, Muskelaufbau und Trainingsmethoden abgehört. Aber seit einer guten Stunde war endlich Ruhe. Klinger griff nach seiner Teetasse. Aus den Augenwinkeln sah er, dass er nicht mehr allein in der MÜCKE war. Und es stand sofort fest, dass es weder Becker noch Tölz waren, die fast unbemerkt sein Reich betreten hatten.

Diesen Moment hatte Klinger immer befürchtet. Er war enttarnt. Sein Knie schlug heftig unter das Pult, vor dem er saß. Klinger hatte schon seit langem damit gerechnet, dass so etwas einmal passierte. Unter dem Pult hatte er einen Notschalter installiert. Der verriegelte sämtliche Datenspeicher der Mücke und aktivierte einen umfangreichen Kennwortschutz.

Selbst ein Spezialist, bräuchte Tage, um dieses System zu knacken. Dank seiner gut trainierten Reaktion schaffte Klinger es tatsächlich, die Datenspeicher mit dem Knie zu verriegeln. Die Monitore erloschen und die eingelegten Wechselträger wurden augenblicklich gelöscht.

Der Einschuss löste bei Klinger einen heftigen Schmerz in der Brust aus. Dann schränkte sich sein Blickfeld ein. Er fixierte den Hauptmonitor, und als der endlich erlosch, ging auch bei Klinger das Licht aus.