Tanz der Walküren

Kapitel 5

Katrin hatte arge Schwierigkeiten ihre Augen zu öffnen. Sie fühlten sich an, als ob sie zugeklebt waren. Außerdem war da noch das Gefühl irgendwie nackt zu sein. Arme und Beine konnte sie auch nicht bewegen. Etwas schien ihre Glieder festzuhalten.

Sie fühlte immer noch diesen Schmerz in ihrem rechten Oberarm. Plötzlich zerriss der Vorhang, der ihre Sinne vernebelt hatte. Die Augen sprangen auf und konnten wieder sehen. Neben ihr auf dem Bett saß eine Frau mit glatten, schwarzen, Haaren, die fast bis zu den Hüften reichten. Sie trug eine Brille und hatte einen weißen Kittel an. Die Augen hinter den Gläsern waren dunkelbraun und wirkten etwas vergrößert. Die Lippen hatte sie mit einem kraftvollen Kirschrot geschminkt. Katrin erinnerte sich, das war die Frau mit der Spritze. Die Frau, die sie in der großen Halle betäubt hatte. Auch jetzt hielt sie wieder eine in der Hand. Aber die war leer.

„Willkommen zurück“, sagte die Frau freundlich. „Ich habe dich aufgeweckt, weil es Zeit wird, sich zu entscheiden.“

„Was denn entscheiden?“ fragte Katrin verwirrt. Sie stellte fest, dass sie tatsächlich nackt auf einem Krankenbett lag und mit Lederschnallen an die Pfosten gefesselt war.

„Ob du wirklich auf den Sirius willst oder nicht. Das hier ist sozusagen die letzte Station vor dem Transit.“

„Natürlich will ich zum Sirius“, sagte Katrin schnell.

„Sei nicht dumm, meine Kleine. Ich biete dir eine Zukunft, die weitaus rosiger ist, als dieser alberne Transit zum Sirius.“

„Rosiger als das ewige Licht, die totale Erleuchtung? Absoluter Frieden und Freiheit für alle. Was sollte das wohl sein?“ fragte Katrin belustigt.

„Alles meine Kleine, alles.“ Ihr Kopf kam so dicht an sie heran, als wenn sie ihr ein Geheimnis ins Ohr flüstern wollte. Dann legte sie ihre Hand auf Katrins Bauch, als ob sie dort ihren Puls fühlen konnte. Sie schien doch allen Ernstes auf eine Antwort zu warten.

„Ah, schon so früh aufgewacht!“ rief Martina, die soeben das Zimmer betreten hatte. „Und ausgeschlafen hoffe ich. Heute ist dein großer Tag!“

Die Frau im weißen Kittel zuckte zurück und entfernte sich schnell von Katrins Bett. Obwohl sie eine Verräterin war, war Katrin froh, Martina zu sehen. Sie war ihr längst nicht so unheimlich wie diese komische Ärztin, die fortwährend mit irgendwelchen Spritzen zu hantieren schien.

„Alles klar für die Abreise?“ fragte Martina die Ärztin.

Die nickte und zog schon wieder eine Spritze auf. Ein weiterer kleiner Einstich und Katrin wurde mit einem Mal alles völlig klar. So klar und deutlich hatte sie die Dinge noch nie zuvor gesehen. Mit einem Schlag schien sie alles begriffen zu haben. Den Sinn des Lebens, die dunklen Schatten, Umweltkatastrophen, Gewalt und Kriege, alles was so schwer auf diesem Planten lastete. Vor allem sah sie ein, wie notwendig es war, so schnell wie möglich etwas dagegen zu tun. Alles, was sie jemals gedacht hatte, versuchte sich in ihrem Gehirn, wie bei einem Lichtstrahl im Prisma, in einem einzigen Gedanken zu komprimieren. Sie musste hier weg. Aus jeder Windung des Großhirns drangen ihre Erinnerungen fast gleichzeitig in ihr Bewusstsein. Sie staunte nur noch über ihre eigene Fähigkeit zu denken. Welch ein Wunder! Was auch immer die Mächte der Finsternis vorhatten, das Licht, das sie in sich trug, das konnten sie niemals erlöschen. Die Flamme unendlicher Weisheit, unendlichen Wissens loderte tief in ihr. Katrin fühlte sich großartig, unbesiegbar, unsagbar entspannt. Alles war Licht, alles war klar.

Die Frau in dem weißen Kittel sah Katrin mitleidig an. Katrin verstand nicht, was diese Frau bloß von ihr wollte. Für mitleidige Blicke bestand doch gar kein Grund. Ganz im Gegenteil, es war ein großartiger Tag!

Die Fesseln wurden gelöst. Ihr einfaches Gewand mit dem roten Kreuz wurde ihr übergezogen und sie lächelte selig, als Martina sie in den Speisesaal zu den anderen Sonnentemplern führte. Heute waren sie bereit für ihren Transit nach Sirius. Auch ihre Brüder und Schwestern strahlten die gleiche herrliche Ruhe aus, mit der sie der Unendlichkeit geduldig entgegen sah.

*

Obwohl Jensen eine heftige Abneigung dagegen hatte, Männer zu bemuttern, begann sie Beck wieder einigermaßen zusammenzuflicken. Er hatte sich einige Prellungen am Brustkorb zugezogen. Aber eine Rippe schien nicht gebrochen zu sein. Dafür sahen seine Hände wirklich schlimm aus. Die linke Hand war eindeutig verstaucht und schwoll am Handgelenk langsam aber sicher an. Außerdem hatte Beck noch einige, weniger spektakuläre blutige Schrammen von Splittern, die dringend versorgt werden mussten.

„Wir befinden uns ab sofort in höchster Alarmbereitschaft“, verkündete Victor aufgeregt. „So ein Fiasko darf nicht noch mal passieren. Wir haben dagestanden wie blutige Amateure. Keine Kommunikation. Keine Rückendeckung. Ein einziger Scharfschütze hätte uns beinahe allesamt fertig gemacht.“

„War ja nicht mit zu rechnen, dass wir zur Zielscheibe werden“, warf Beck ein.

„Jetzt sind wir gewarnt. Die haben sicherlich längst herausgefunden, wer wir sind. Aber wir wissen kaum etwas über unsere Gegner. Also, …“, fasste Victor zusammen. „Keiner geht mehr ohne ein Headset los. Wir alle bleiben ständig in Verbindung. Und … wir sollten etwas aufrüsten, meine ich.“

Damit war Jensen gemeint. Beck ahnte schon, worauf das nur hinauslaufen konnte. Ausgerechnet Jensen eine Unterbewaffnung vorzuwerfen, das war so als, ob man einen deutschen Bundeskanzler zum Essen ermunterte. Beck nahm sich vor, dafür zu sorgen, dass trotz allem die Panzerfäuste vorerst mal zu Hause blieben.

„Und Klinger!?“ wandte sich Victor vorwurfsvoll an seinen Liebling. „Wenn du schon den Wagen verlässt, weil es draußen kracht, dann bring das nächste Mal wenigstens die Artillerie mit.“

Da war allerdings was dran. Sie hatten fünf G3 mit kurzem Schaft an Bord, eine Panzerfaust, vierzehn Einweg-Handflammpatronen und eine Benelli Super 90 mit Zieloptik. Irgendetwas hätte er in der Tat mitbringen können, als er nach ihnen sehen wollte.

Klinger brummelte etwas Unverständliches und sagte dann murrend: „Also, ich habe jetzt diesen Liebesfeld durchlaufen lassen. Das ist ganz sicher unser Mann. Besitzt mehrere interessante Firmen, unter anderem eine Firma auf Blue Curaçao, mit dem Namen …“

„… Salt and Water Enterprises“, vollendete der Rest des Omega-Teams im Chor.

„Wie ich sehe, habt ihr euch auch schon informiert“, flachste Klinger zynisch.

„Worauf warten wir noch?“ fragte Victor. „Statten wir diesem Liebesfeld mal einen Höflichkeitsbesuch ab!“

*

Nachdem das Team sein Waffenarsenal verstärkt hatte, machten sich Beck und Klinger in der MÜCKE auf den Weg. Mit Jacobi wollte Beck lieber nicht fahren. Der fuhr nur selten selber, also saß Jensen hinter dem Lenkrad. Da zog er es vor, mit Klinger und maximal 80 km/h seinem Ziel entgegen zu tuckern.

*

Endlich wieder ein paar Strahlen der Sonne. Katrin blinzelte. Draußen waren es milde 20 Grad und der Himmel war klar. Ein leichter Seewind kühlte die Haut. Man konnte kilometerweit über das wellenlose Mittelmeer schauen.

Die Sonnentempler verließen nach und nach die kleine Lagerhalle. Seit Wochen waren sie nicht mehr an der frischen Luft gewesen. Einige von ihnen konnten die Helligkeit erst kaum ertragen und mussten die Hände vor die Augen halten. Eingesperrt in dem unterirdischen Labyrinth und von den Thule-Brüdern zur Arbeit verpflichtet, das war ihr Los seit ihrer Flucht aus der Schweiz gewesen. Nun zogen sie in einer langen Kolonne den flachen, steinigen Abhang hinunter zum Anlegeplatz der San Niklaw Bay.

Eine kleine Gruppe des Thule-Ordens begleitete sie.

Unten am Kai wartete sie ein Fischerboot auf sie. Damit setzten sie nach Gozo über, der zweitgrößten Insel Maltas. Am anderen Ufer standen zwei alte englische Militärlaster, die sie an ihr Endziel, den Tempel von Ggantija, brachten. Keiner der Templer hatte bislang auch nur ein Wort gesprochen. Sie waren schweigend in ihre Meditation vertieft.

Holpernd und keuchend kletterten die Laster über die steinigen Wege hinauf bis zur ersten Terrasse der alten Tempelanlage. Heute war das eher eine Ruine. Ein Ausflugsziel für Touristen.

Als die Laster hielten, stiegen die Templer ab.

Katrin erkannte Martina unter einer der Kutten der Brüder des Thule-Ordens. Katrin überlegte, ob sie Martina ansprechen sollte. Vielleicht überlegte sie es sich ja und folgte ihnen doch noch zum Sirius? Wenn sie sich jetzt entschied ihnen zu folgen, konnte sie gerettet werden. Hier erwartete sie in Kürze der Untergang.

Einer der Thule-Brüder trug tatsächlich den Stab des Lichtes bei sich. Nur durch das Feuer aus dem Stab konnten ihre Seelen gereinigt und als reines Licht zum Sirius überwechseln.

Jo di Mambro hatte bei vielen rituellen Feiern die Macht des Stabes unter Beweis gestellt. Wenn di Mambro bei solchen Gelegenheiten mit dem Stab auf einen auserwählten Templer wies, sprang aus der metallischen Spitze ein göttlicher Funke über. Ein blauer, reiner Funke, der die Weisheit des Sirius in sich trug und dem Auserwählten die Gnade der totalen Erleuchtung überbrachte.

Die Templer folgten dem Bruder mit dem Stab durch die meterhohen Mauern aus Sandstein in das Innere der Tempelanlage.

Auf der zweiten Terrasse im Zentrum des Tempels von Ggantija versammelten sich die Templer in einem Halbkreis. Von hier aus hatten sie einen wunderschönen Blick auf das untergehende Licht dieses Planeten.

Katrin orientierte sich an der Sonne und richtete ihren Blick dorthin, wo das Sternbild des großen Hundes erscheinen würde. Dann kniete sie sich hin. Stumm folgten die anderen Templer ihrem Beispiel. Martina löste sich aus der Gruppe des Thule-Ordens und verteilte schwarze Plastiksäcke an ihre ehemaligen Weggefährten. Katrin war überzeugt davon, dass Martina einen großen Fehler machte. Dies war vielleicht die letzte Gelegenheit zum Transit, bevor das dunkle Jahrtausend anbrach und die Weisheit des Lichtes endgültig erlosch. Wer diesen Planeten bis dahin nicht verlassen hatte, der musste unweigerlich verloren sein.

Martina sah, dass Katrin zögerte. Sie trat hinter sie, nahm ihr den Sack aus der Hand und stülpte ihn ihr ohne jede Hast über den Kopf. Einige der Templer nahmen ihren Sack auf und zogen ihn mit eigener Hand umständlich über ihre Köpfe. Andere waren von den Tranquilizern, die man ihnen verabreicht hatte, so weggetreten, dass sie nur dumpf auf die Säcke in ihren Händen starrten. Die Thule-Brüder halfen ihnen. Nach fünf Minuten knieten 37 Templer, den Blick durch schwarzes Plastik auf den Sirius geheftet vor den Thule-Brüdern und warteten geduldig auf den unmittelbar bevorstehenden Transit.

„Zeit zu gehen“, rief einer des Thule-Ordens und Martina nickte.

Sie und die anderen sechs Thule-Brüder traten hinter die Templer und verpassten ihnen der Reihe nach einen Kopfschuss.

Die 9 Millimeter Parabellum durchschlug mit einem dezenten ‚zosch‘ die Plastiktüte. Dann pflügte sie durch den Hirnstamm, zerteilte das Großhirn, oder trieb dem Templer einfach nur jede Menge Metall und Knochensplitter in seinen Denkapparat, der daraufhin erlosch. Von außen sah man nur die eingerissene Plastiktüte und das langsame Umkippen des Passagiers. Eine wirklich saubere Sache, fanden die Brüder des Thule-Ordens.

Keiner der Templer hatte auch nur die geringste Gegenwehr geleistet. Die Thule-Brüder hatten die Arbeit schweigend und ohne jede Anteilnahme ausgeführt.

Als endlich der letzte der Templer in sich zusammensank und 37 Leichen in der Nachmittagssonne vor ihnen lagen, stecken die Thule-Brüder ihre Waffen weg. Martina nickt Jörg zu. Der ging den Weg zurück zu einem der Laster. Kurz darauf kam er mit einem 25 Liter Kanister Benzin in der Hand wieder. Er verteilte den Inhalt sorgfältig über die am Boden liegenden Leichen und griff nach seinem Feuerzeug.

„Nein“, rief Martina. „Sie haben an den Transit geglaubt und wir erfüllen ihr Ritual. Das sind wir ihnen schuldig.“

Jörg steckte das Feuerzeug wieder weg und holte den Stab.

„Mal sehen, ob das Ding überhaupt etwas taugt.“ Am unteren Ende war ein Knopf mit dem man eine leichte elektrische Ladung auslösen konnte. Wenn sich in der Nähe der Ladung statisch aufgeladene Objekte befanden sah es so aus, als ob ein Funke überspringen würde.

Jörg betätigte den Schalter. Ein einziger Funke genügte und die Templer gingen in Flammen auf.

„Durch die reinigende Kraft des Feuers zu neuem Leben auf dem Sirius“, rief Martina laut.

Das Benzin und die Plastiktüten entwickelten eine fette schwarze Rauchfahne, die kilometerweit zu sehen sein musste.

„Wir sollten besser verschwinden“, sagte Martina.

Damit war ihre Aufgabe hier erledigt und der Stab des Lichtes endgültig in ihrem Besitz. Dieser Stab hier war natürlich nur eine Kopie, die Jo di Mambro eigens hatte anfertigen lassen. Selbst er hätte seine elektronischen Spielereien niemals mit dem Original getrieben. Der echte Stab war viel zu wertvoll, als dass man für solche Sperenzien der Templer benutzte. Jörg warf den wertlosen Stab auf den Scheiterhaufen zum Sirius.

„So ein paar Spinner“, sagte Jörg kopfschüttelnd und kehrte mit den anderen Brüdern des Thule-Ordens zu den Lkws zurück. Sie verließen den Tempel Ggantija ohne sonderliche Eile. Bis die Polizei oder Feuerwehr hier eintrafen, waren sie alle längst wieder sicher zu Hause.

*

Liebesfelds Haus lag ein gutes Stück außerhalb von Detmold, im Landkreis Ostwestfalen Lippe. Von der kleinen Anhöhe oberhalb der Stadt und umgeben von abgeernteten Weizen- und Maisfeldern hatte man einen herrlichen Blick auf den Teutoburger Wald.

Hier gab es keinerlei natürliche Deckung. Also fuhr Klinger die MÜCKE in ein dichtes Waldstück auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Näher ran konnten sie nicht, falls sie nicht sofort entdeckt werden wollten. Für Richtmikrophone und die üblichen Mittel der Überwachungstechnik war Liebesfelds Domizil viel zu weit weg. Klinger begann den Lkw unter einem Wintertarnnetz zu verstecken.

„Wir müssen in das Haus rein und Wanzen installieren!“ sagte Klinger. Beck schob eine Stange unter das Tarnnetz und hob es an.

„Laß mal Beck, ich komm hier schon allein klar. Siehst du den Baum dort hinten. Der ist vielleicht 600 Meter von dem Haus weg. Versuch mal, ob du dort diese Kamera hier installieren kannst. Aber unauffällig, wenn’s geht.“

Beck nahm das Ding vorsichtig in Empfang. Es war nicht viel größer als eine Zigarettenschachtel. Es erstaunte Beck immer wieder, was diese Geräte trotz ihrer geringen Größe zu leisten vermochten. Er machte sich auf den Weg. Ein einzelner Spaziergänger würde hier so schnell niemandem auffallen. Auch nicht, wenn er eine Rast unter einem Baum machte. Wohl aber, wenn er plötzlich dort hinaufklettert. Beck konnte nur hoffen, dass ihn dabei niemand beobachten würde.

Klinger teilte Jensen über Funk seine Position mit. Als die schwarze Mercedes-Limousine den Waldweg hochkam, empfing Klinger gerade die ersten Bilder von der Baumkamera, die Beck installiert hatte.

„Wie weit sind wir?“ fragte Victor.

„Ich zeichne gerade einen Grundriss von Liebesfelds Anwesen.“

„Woher hast du so schnell die Baupläne?“ wollte Jensen wissen.

„Habe ich nicht. Aber ich habe eine Kamera nur etwa sechshundert Meter vom Haus entfernt. Die liefert mir Wärmebilder von der Villa. Hier seht ihr das Heizungssystem, glühend rot. Daraus kann man Rückschlüsse auf mögliche Wände ziehen. Und hier die hellblauen Stellen sind Fenster oder Türen, die sind immer etwas kälter als eine Wand. Anhand der Anzahl der Heizkörper und der Wärmezirkulation, kann man die Luftmenge berechnen, pro Raum, damit haben wir sogar einen Hinweis auf die Deckenhöhe.“

„Toll.“ Jensen war ehrlich begeistert. Darauf wäre sie nie gekommen. Sie wäre da einfach rein marschiert und hätte sich dann Notizen gemacht. „Und was ist das jetzt?“

„Elektromagnetische Felder. Hier sehen wir, wo Stromleitungen laufen, elektronische Geräte stehen und … hey!“ Klinger pfiff anerkennend durch die Schneidezähne. „Was haben wir denn da?“

„Was denn?“ fragte Jensen ungeduldig und konnte auf dem Monitor nur einen auffälligen schwarzen Fleck inmitten der Farbenpracht erkennen.

„Ein magnetisch abgeschirmter Raum. Abhörsicher. Das scheint das Arbeitszimmer von unserem Liebesfeld zu sein!“

„Wie abhörsicher?“ fragte Victor beunruhigt.

„Ziemlich abhörsicher!“

„Klinger!“ wies Victor in ungeduldig zurecht. „Können wir ihn abhören, oder nicht?“ Victor war derzeit nicht zu Wortspielen aufgelegt.

„Nur, wenn sich einer von uns dort Zutritt verschafft. Von außen keine Chance.“

„Schlechte Nachricht“, stellte Victor fest. „Das sind keine Gelegenheitsverbrecher. Das sind Profis, wie wir. Auf keinen Fall werden wir diesem Liebesfeld einen Höflichkeitsbesuch abstatten. Erstens ist er dann gewarnt und zweitens würde er uns sowie kein Wort verraten.“

„Korrekt!“ sagte Klinger. „Wir sollten da mit einem einzelnen Mann rein. Einem Spezialisten.“

„Beck.“

„Ne, das mach ich selber“, sagte Klinger. „Alles, was ich brauche ist ein Ablenkungsmanöver. Und einen Mann hier am Pult, der mich führt.“

„Jensen?“

„Ich mache das Ablenkungsmanöver“, wiegelte Jensen unverzüglich ab.

„Gut, dann bleibe ich hier. Beck kann dir Deckung geben.“

Für das Ablenkungsmanöver benötigten sie einen Mietwagen. Jensen besorgte sich einen in der Stadt und hatte sich umgezogen. Beck pfiff anerkennend durch die Zähne.
„Ganz vorsichtig“, verwarnte ihn Jensen.

Aber Jensen sah wirklich gut aus in dem schulterfreien, engkurvigen Schlauch aus blauem Stretchsamt. Ein bisschen aufdringlich war dieses Outfit vielleicht schon. Aber ihre muskulösen Schultern und Oberarme sorgten für einen ausreichenden Kontrast zu der mädchenhaften Zerbrechlichkeit, die ihre schlanke Figur sonst vermuten ließ.

„Wir müssen warten, bis der Fuchs seinen Bau verlässt“, sagte Klinger. „Ich zähle 12 bewegliche Einheiten in dem Haus.“

„Oder wir müssen sie rauslocken!“ schlug Victor vor.

„Ich bin für rauslocken!“ rief Beck. „Für Jensen sollte das kein Problem sein. Die Männer werden ihr Scharenweise hinterher laufen, wie dem Rattenfänger von Hameln.“
„Die sollten mir besser nicht zu nahe kommen.“

„Wo versteckst du denn in dem Kleid deine Wumme?“ lästerte Klinger.

Jensen streckt ihm die Zunge raus.

„Keine Waffe“, sagte Victor. „Wenn die misstrauisch werden und sie filzen, dann wäre eine Waffe ihr Verderben.“

„Außerdem …“, fing Beck einen Satz an und griff zur Vervollständigung in den Spind neben dem Fahrersitz. Der Repetierverschluß der Benelli Super 90 schnappte lautstark zu. „… bin ich ja auch noch da.“

„Wie beruhigend.“

„Genug jetzt!“ fuhr Victor dazwischen. „Nun Klinger, sag uns mal, wie du unbemerkt ins Haus kommen willst?“

Klinger grinste wie ein Schuljunge, der eine unerwartet gute Note mit nach Hause gebracht hatte. Er öffnete eine der Kisten. „Hiermit!“ Was Klinger da in der Hand hielt sah auf den ersten Blick aus wie gewöhnlicher ein Tauchanzug.

„Toll! Ganz was neues: Schwarzer Kampfanzug“, spottete Jensen. „Der steht mir natürlich viel besser als dir. Dann gehe ich wohl besser rein, was?“

„Warts ab.“ Klinger quälte sich in den Anzug. „Seid ihr bereit?“

„Wofür?“ fragte Jensen.

Anstelle einer Antwort drückte Klinger einen Knopf, der auf der Brust aufgenäht war. Fast im selben Moment war er verschwunden. Er war nicht wirklich verschwunden, er stand ja nur zwei Meter von Ihnen entfernt. Jetzt ging er einen knappen Meter auf sie zu und es schien so, als ob er sich hinter der Monitorwand des Wagens bewegte. Nur sein Gesicht war noch immer da, wo es sein sollte. Es war so, als wenn jemand vor der Leinwand im Kino herumrannte und der Film auf seinem Körper weiterlief.

„Was zum Teufel ist das?“ fragte Beck verwundert.

„Ich nennen es den Chamäleon-Anzug. Der Stoff besteht aus Millionen winziger LEDs und hier, … Siehst du diese kleinen Objektive? Vorne, hinten rechts und links? Die nehmen ein Bild der Umgebung auf und projizieren es in Echtzeit auf den Stoff. Mir fehlen nur noch passende Handschuhe und eine Art Skimütze für den Kopf.“

„Phantastisch!“ staunte Victor. Er kontrollierte grundsätzlich nicht, was die Truppe mit dem Etat machte, den er ihnen zu Verfügung stellte, daher verblüffte es ihn immer wieder, auf was für Ideen Klinger kam.

„Komm her!“ Klinger griff nach Jensens Handgelenk und zog sie an sich heran. Er trällerte einen Walzertakt und machte einige elegante Tanzschritte. Beck war fassungslos. Klingers Anzug war in Sekundenschnelle blau geworden und es sah aus, als ob Jensen nur mit Klingers Kopf in den Armen tanzte.

Selbst Jensen musste lachen. „Kannst du mir den mal leihen? Privat meine ich, wenn ich irgendwann auf Piste gehe?“

„Okay, okay. Genug jetzt!“ forderte Victor lachend. „Was weiter? Wie bringst du die Wanzen an, damit die bösen Buben sie nicht finden?“

Klinger wurde schlagartig wieder ernst. „Normale Wanzen finden die sofort. Die scheiden aus. Aber nicht diese hier!“ triumphierte Klinger erneut und hielt eine scheinbar stinknormale Glühbirne hoch. Jensen und Beck schauten sich verständnislos an. „Diese Wanze hat keinen Sender. Kein Sender, keine Wanzenpeilung. Kapiert. Also wird sie nicht entdeckt!“

„Toll, Klinger. Und wie hören wir dann mit, wenn das Ding uns nichts sendet?“

„Das ist der Trick. Die Birne steckt in der Fassung, die Fassung an der Stromleitung, die Stromleitung …“

„… ist die Datenleitung!“ vollendete Victor, der ein bisschen was von moderner Multiplexer-Technik verstand. „Wir brauchen also nur irgendwo im Umkreis von drei Kilometern einen Empfänger in eine x-beliebige Steckdose zu stecken und hören alles, was wir wollen.“

„Und …“, Klinger hob den Finger, als ob er sich zu Wort meldete, „… sehen alles! Dieses kleine Zauberding hat auch noch eine Miniatur-Kamera integriert. Aber das allerbeste ist … das Ding gibt auch noch Licht!“

„Das ist überzeugend. Und auffallen tun die Dinger auch niemandem. Jede Decklampe mit 60-Watt-Birne wird für uns zum privaten Fernsehstudio!“

Victor hatte ein gutes Gefühl bei der Sache. Er ließ sich das Pult erklären, denn seine Aufgabe würde es sein, Klinger an den Wachen im Haus vorbei zu schleusen.

Dann machte sich das Omega-Team an die Arbeit.

*

Jensens Job war es, die Wachen für etwa 10 Minuten vor dem Haus abzulenken. Sie fuhr den geliehenen Mazda MX5 etwa 15 Meter vor der Zufahrt zu Liebesfelds Grundstück in den Straßengraben. Dann öffnete sie den Kofferraum und suchte scheinbar nach dem Wagenheber. In Wirklichkeit ließ sie aber Klinger aus dem Kofferraum hüpfen, der sofort im Gras der Weide vor Liebesfelds Haus verschwunden war.

Kaum war Klinger außer Sichtweite, demonstrierte Jensen die Hilflosigkeit eines armen kleinen Mädchens, das unversehens Opfer der Technik geworden war. Ungeschickt stöckelte sie auf spitzen Pumps um ihren tollen, roten Flitzer herum und fluchte wild gestikulierend. Sie kam nicht mal auf die Idee, in dem Haus nach Hilfe zu fragen. Das wäre zu auffällig gewesen. Sie hoffte einfach, dass man sie früher oder später entdeckte und ihr zu Hilfe eilte.

Unauffällig suchte sie die Gegend nach Beck ab. Der musste irgendwo im Umkreis von 100 Metern auf dem Feld liegen und ihr Deckung geben. Aber offensichtlich war er nicht da. Na, wenn sie ihn nicht sah, dann sahen ihn die anderen wohl auch nicht. Das war kein Grund zur Beunruhigung.

Klinger hatte die Rückseite des Grundstückes erreicht. Das ganze Gelände war von einer anderthalb Meter hohen Bruchsteinmauer umgeben.

Victor bestätigte ihm über Funk freie Fahrt. Rasch zog sich Klinger an der Mauer hoch und ließ sich auf der anderen Seite herunter gleiten. Er bewegte sich wie eine Katze. Rechts von ihm befand sich ein Komposthaufen und vor ihm war eine Handvoll Rhododendronbüsche. Außerdem waren da etliche Edeltannen entlang der Mauer. Genug Deckung, selbst ohne seinen Spezialanzug.

„Klinger!“ kreischte es aufgeregt warnend aus dem Stöpsel in seinem Ohr. „Da kommt was!“

Klinger presste sich zwischen den Büschen flach auf den Boden.

„Es kommt genau auf dich zu!“ Victor schien wirklich stark erregt zu sein.

„Wie viele?“ fragte Klinger leise.

„Einer! Er hält an. Er steht jetzt genau 15 Meter vor dir.“

Klinger schob die Zweige vor sich ein wenig auseinander.

„Ich kann nichts sehen.“

„Jetzt kommt es wieder auf dich zu! Gott, das ist verdammt schnell.“

Klinger wurde unruhig. Vor ihm war nichts. Wenn die genauso gut ausgerüstet waren, wie das Omega-Team hatten sie vielleicht eine Spezialwaffe. Womöglich motorisierte Luftkissen-Minen, die ihr Ziel selbständig ansteuerten und vernichteten, wenn sie es erst einmal identifiziert hatten.

„Klinger hau da ab oder es hat dich!“ Victor schrie hysterisch ins Mikrofon.

Klingers Ohren rauschten schon. Er kannte diese Situation zur Genüge. Man war völlig hilflos an den Monitoren. Man sah die Gefahr kommen und konnte nichts anderes machen als schreien.

„Es hat dich!“ Panik.

Klinger blieb ruhig liegen. Was es auch war, es war zu spät, um abzuhauen. Und jede überflüssige Bewegung würde ihn nur umso eher verraten.

Vor ihm rauschte etwas durch die Büsche. Es steuerte direkt auf sein Gesicht zu. Mit immenser Geschwindigkeit. Klinger hielt die Luft.

Die Zweige zwei Meter vor ihm begannen sich zu bewegen. Aber er konnte immer noch nichts erkennen. Dann brach der Cairn Terrier durch das Dickicht. Er schaute Klinger genau in die Augen und versuchte sofort, sein Gesicht abzulecken.

Klinger atmete erleichtert auf und wehrte das Schoßhündchen ab. Aber der freute sich endlich einen Kameraden zum Spielen gefunden zu haben. Klinger hatte keine Zeit und keine Geduld für so einen selbstfahrenden Staubwedel. Er griff dem Haarknäuel auf Beinen ins Genick und schleuderte es ohne viel Federlesens über die Steinmauer. Bis der nun ganz um das Grundstück herum den Weg zurück gefunden hatte, war Klinger längst im Haus.

„Klinger!“

„Alles in Ordnung. War nur ein Tretminenleger!“

„Ein was?“

„Ein Hund.“

Victors Ende der Leitung blieb stumm.

„Ich dringe jetzt ins Haus ein, wenn nichts mehr im Weg ist.“

„Alles frei“, bestätigte Victor, dem sein Panikanfall offenbar peinlich war.

Beck stellte die Entfernungsabweichung des Gewehres nach. Tatsächlich hatte es nur ganze zwei Minuten gedauert, bis eine von Liebesfelds Wachen vor dem Tor erschienen war und nach dem Rechten sah.

Sie hatten ihr Schwergewicht geschickt. Der Brecher war mindesten 2,10 Meter groß und hatte ein Kreuz, hinter dem sich selbst Beck noch hätte zweimal verstecken können.
„Aber nur solche Eier“, murmelte Beck und steckte sich eine weitere Pistazie in den Mund. „Ich wette, der versucht, den Wagen da ganz alleine raus zu wuchten.“

Beck lachte, als Jensen wie eine original Dumpfbacke auf ihren hohen Absätzen um den Koloss herumschwirrte und versuchte ihm Flausen in den Kopf zu setzen.
„Vorne ist alles klar“, meldete Beck. „Jede Menge Zeit.“

Sie hatten es Klinger leicht gemacht. Die Alarmanlage an der Terrassentür war ausgeschaltet. Was Wunder! Es war helllichter Tag und alle waren zu Hause. Klinger stieg auf den Tisch und tauschte die Birne im Wohnzimmer aus.

„Verdammt“, fluchte er leise.

Er hatte auf dem spiegelblanken Glastisch Fußabdrücke hinterlassen. Klinger schaute sich nervös nach etwas um, womit er den Tisch nachpolieren konnte. Er hatte Glück. Eine halbfertige Handarbeit lag auf dem Sofa. Er wischte hektisch den Tisch sauber und schrubbte auch gleich seine Schuhsohlen damit ab. Das, was mal ein beigefarbener Wollpullover werden wollte war nun völlig verdreckt. Er musste ihn stehlen, auch wenn das riskant war. Sonst hätte man gewusst, dass jemand hier gewesen war.

Aber plötzlich sah er die Lösung für sein kleines Problem. Er warf den halbfertigen und schon ruinierten Pullover mit einem boshaften Grinsen um die Lippen in das Hundekörbchen neben dem Kamin.

„Mal sehen, wie dir das schmeckt, kleiner Scheißer.“

*

„Scheiße!“ fluchte Beck. Damit hatte er nicht gerechnet. „Victor, sag Klinger, dass er sich ranhalten soll.“

Aus dem einen Anabolika-Schrank waren plötzlich vier geworden. Das mussten entweder eineiige Vierlinge sein, oder die nahmen zumindest alle dieselben Drogen zu sich. Die vier zusammen brachten nicht viel weniger auf die Waage, als der kleine Mazda.

Das demonstrierten sie auch locker, indem jeder an einer Ecke des Wagens anfasste und sie das Gefährt geradewegs zurück auf die Fahrbahn trugen. Um ihre übermenschliche Kraft überzeugend unter Beweis zu stellen, ließen sie den Wagen auf Kommando, aus gut einem viertel Meter Höhe, auf den Asphalt krachen.

Beck spürte förmlich, wie einer von ihnen sagte: „So, das war’s kleine Lady. Har, har har.“

Im Prinzip war die Aktion nach Plan verlaufen, nur die Zeitkomponente hatte versagt. Eigentlich sollten die Wachen knappe zehn Minuten brauchen, um den Wagen aus dem Graben zu schieben. Von Tragen war nicht die Rede gewesen. Und von zweieinhalb Minuten schon gar nicht.

Der Plan den Klinger von dem Gebäude gezeichnet hatte stimmte zu großen Teilen. Eine wesentliche Tür jedoch, die zum Arbeitszimmer führen sollte, entpuppte sich als Speisenaufzug. Er musste also den ganzen Flur hinunter und das Zimmer von Stirnseite betreten. Das kostete Zeit und erhöhte das Risiko, entdeckt zu werden.

Als Klinger die Tür fast erreicht hatte, hörte er Schritte. Ein Zimmermädchen bog um die Ecke und kam direkt auf ihn zu. Keine Zeit mehr in eines der Zimmer zu flüchten. Klinger drückte dicht an die Wand, die mit einer peinlichen Blümchenmuster-Tapete verziert war. Nur keine unnötige Bewegung! Klinger stoppte die Atmung.

Das Zimmermädchen ging gerade mal einen halben Meter an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken. Zugegeben die Lichtverhältnisse waren nicht die besten, aber der Anzug funktionierte prima.

Das Arbeitszimmer von Liebesfeld war leer. Er stieg ein und tauschte rasch die Birne in der Deckenlampe aus. Auf dem Flur waren Schritte zu hören. Victor warnte ihn. Offensichtlich war jemand auf dem Weg ins Arbeitszimmer. Jetzt wäre er besonders dankbar für diese zweite Tür gewesen. Aber die war ja da! Klinger riss die Klappe von dem Speiseaufzug auf und stieg ein. Er konnte die Klappe gerade noch schließen, als die Türen zum Arbeitszimmer geöffnet wurden.

„Notiert euch das Kennzeichen von dieser Frau und überprüft sie“, sagte eine Männerstimme herrisch. „Außerdem sichert ihr das Gelände. Aktiviert die Alarmanlage. Hier geht keiner mehr raus oder rein, ohne dass ich davon weiß!“

Klinger musste das Haus schnellstens verlassen, bevor sie die Alarmanlage scharf gemacht hatte. Er ließ den Aufzug hinunter in die Küche gleiten. Vorsichtig öffnete er die Klappe.

„Maria, hier das nimmst du jetzt und trägst es hoch in das Schlafzimmer der Herrschaften.“

Maria war das Dienstmädchen von vorhin. An der Art, wie die Köchin sie instruierte, wurde Klinger sofort klar, dass Maria blind war. Klinger nutzte den Moment, als die Köchin in der Speisekammer verschwunden war. Er huschte zur Tür, die hinaus in den Garten führte und hoffte, dass die Alarmanlage noch nicht scharf war. Beherzt drückte er die Klinke herunter. Kein Schrillen von Alarmglocken. Aber er konnte natürlich einen stummen Alarm ausgelöst haben. Vorsichtig schlich er über den Rasen zu den rettenden Tannen.

„Muffelchen, was hast du schon wieder angestellt? Komm sofort her zu Frauchen!“ Auf der Terrasse stand eine Frau in Fünfzigern im langen schwarzen Abendkleid und rief nach ihrem Terrier.

Klinger war beruhigt. Solange Muffelchen noch hier draußen rumlief, war die Alarmanlage auch nicht scharf. Klinger verschmolz mit den Tannen zu einem satten Grün und war Sekunden später über der Mauer verschwunden.

„Sie überprüfen den Leihwagen“, informierte Klinger die anderen, während er sich völlig verschwitzt aus dem Anzug schälte. Die vielen kleinen LEDs entwickelten auf Dauer doch eine ganz beachtliche Hitze.

„Kein Problem“, sagte Jensen, die leider schon wieder in ihrer Alltagskleidung steckte. „Ich habe mit einer der Kreditkarten, von unserer Scheinfirma auf den Philippinen bezahlt.“
„Gut.“ Victor war mit seinem Team zufrieden. Eine rundum gelungene Aktion.

„Dann schalten wir mal die Lauscher ein.“ Klinger drehte am Frequenzrad seines Empfängers herum. „Wo ist der Sender?“

„In meinem Hotelzimmer“, erklärte Jensen.

Erst gab das Gerät nur ein paar schräge Quietscher von sich, dann hörte man eine kristallklare Stimme: „Muffelchen, schau dir das an. Schau dir das an, was du mit Frauchens schönem Pullover gemacht hast!“

„Und jetzt das Bild!“

Auf dem Monitor erschien eine gestochen scharfe Aufnahme von Frau Liebesfeld, die ihren putzigen kleinen Terrier mit erhobenem Zeigefinder auf den rechten Weg zu bringen bemüht war.

„Alles hab ich nicht installieren können. Dafür war die Zeit zu knapp. Aber wir haben fünf Kanäle“, erklärte Klinger.

Er schaltete sie alle der Reihe nach durch. Einer besser als der andere. Vor Klinger war niemand wirklich sicher. Er schaltete die Schlüsselwortdecoder ein und lehnte sich zurück. „Jetzt heißt es warten.“

Victor kommandierte Beck als Bewachung für Klinger ab. Jensen und er gingen essen. Danach könnten sie fünf Stunden schlafen und Jensen sollte später Beck ablösen.