Tanz der Walküren

Kapitel 2

Victor hatte unter der Dusche plötzlich einige unangenehme Assoziationen. Man hatte ihn und seine Studenten durch einen langen Schlauch aus Plastikfolie in einen nüchtern gekachelten Duschraum geführt. Dort hatte man sie mit einer Desinfektionslösung behandelt, und einer der Männer im Schutzanzug hatte sie alle gründlich mit einem Wasserschlauch abgespritzt.

Es stand zu befürchten, dass man ihnen als nächstes die Haare abrasieren würde. Aber davon hatte man wohl doch Abstand genommen. Stattdessen legte man ihnen Krankenhauskleidung bereit. Victor suchte spontan nach einer Nummer. Eigentlich spaßeshalber. Aber er fand sie. 30724. Damit hatte er nicht gerechnet.

Victor schluckte und legte den Anzug an. Es war keine übliche Krankenhauskleidung. Sie bestand aus einer Art Kunststoff und schloss an den Armen und Beinen mit einem Gummizug ab. Außerdem war da noch so eine Art Kapuze. Offenbar glaubte man, dass die Internierten irgendwann gefährliche Flüssigkeiten absondern könnten, die besser nicht unkontrolliert in der Gegend herum flossen.

Falls es sich wirklich um ein hämorrhagisches Fieber handelte, würde dieser ganze Zirkus auch nichts nützen.

Wenn Victor wenigstens noch sein Handy hätte! Er fühlte sich wie kastriert. Kein Kontakt zur Außenwelt. Hier drinnen konnte er verrecken, ohne dass es überhaupt jemand zur Kenntnis nahm. Alles, was er brauchte, wäre sein Omega-Team, die würden ihn hier schon rauspauken. Wo blieben die denn bloß?

*

Jensen war mit Höchstgeschwindigkeit in das, was man unmöglich eine Parklücke nennen konnte, hineingeschlittert. Erst im allerletzten Moment trat sie die Bremse kraftvoll durch. Tatsächlich berührte sie dabei weder den 600er Mercedes noch den Lieferwagen auf anderen Seite. Jensen grinste breit. Beck schüttelte verständnislos den Kopf und versuchte seine Tür zu öffnen. Sie ging nicht mal eine Handbreit auf.

„Na toll, …“, grunzte er.

Jensen lachte nur, riss das Verdeck auf und klappte es mit einem geübten Griff nach hinten weg. Mit einem Sprung war sie über das Heck aus dem Wagen gesprungen. Beck folgte ihr nörgelnd. „Mit dir fahre ich nie wieder!“

„Ja, ja. Hör auf zu jammern!“

Beck und Jensen schritten energisch auf den Eingang des Hafenkrankenhauses zu. Ein MEK-Beamter mit einer Uzzi im Anschlag versperrte ihnen den Weg.

„Hier können Sie nicht rein.“

Beck zog seinen Ausweis heraus. Den hatte er damals, als er unfreiwillig den Grenzschutz verlassen musste, einfach als verloren gemeldet. Man konnte so einen Ausweis immer mal gebrauchen, fand Beck.

„Sehr schön! Den können Sie wieder einstecken. Der nützt Ihnen gar nichts!“

„Hören Sie“, erklärte Beck bestimmt. „Wir suchen Victor Jacobi. Er befindet sich hier im Krankenhaus. Soviel wissen wir. Und nun möchten wir zu ihm. Daran wollen Sie uns doch wohl nicht hindern, oder?“

Der Polizist lachte gehässig. „Das ist Sperrgebiet. Hier kommt niemand, absolut niemand, rein. Wenn Ihr Herr Jacobi da drin ist, dann kommt der mit Sicherheit nicht raus.“

„Können Sie uns nicht wenigstens sagen, was los ist?“ fragte Beck ungehalten.

„Das würde mich auch interessieren?“ Beck drehte sich um.

Renate Wolf, vom Abendblatt. Die hatte Beck gerade noch gefehlt. Seine Abneigung gegen Frauen mit Presseausweisen hatte sich während seiner Zeit beim Grenzschutz gebildet. Diese Art Frauen wurde man einfach nicht wieder los. Sie fragten und fragten einem Löcher in den Bauch.

„Ich fordere Sie auf, das Gelände unverzüglich zu verlassen!“ sagte der Polizist und schob den Lauf seine Uzzi drohend vor.

„Lass mich mal!“ sagte Jensen und schob sich an Beck vorbei. Mit einem Griff hatte sie ihre Handtasche geöffnet und der Beamte hatte die Calico unter seinem Kinn. „Guck mal, meiner ist viel größer. Und der kann auch öfter, woll’n wir wetten?“

Beck war genervt. Musste Jensen schon wieder so eine Show abziehen? Und dann auch noch ausgerechnet vor dieser rothaarigen Pressefee?

Renate Wolf nutzte die Gelegenheit und schlüpfte schnell durch die Tür. Jensen nickte Beck zu. Der seufzte und verschwand ebenfalls durch die Tür. Wenigstens konnten sie so den Wachmann passieren.

Drinnen kamen sie zwar nicht weit, aber weit genug um zu sehen, dass hier sehr eigenartige Dinge vorgingen. Durch den Flur des zweiten Stockes verlief ein Schlauch aus durchsichtiger Folie. In diesem Schlauch gingen einige Menschen wie eine Gruppe Strafgefangener den Flur entlang. Alle trugen die gleichen weißen Overalls. Beck entdeckte nur durch Zufall Victor unter ihnen. Er rief lautstark nach ihm, war aber nicht sicher, ob Victor ihn überhaupt hören konnte.

In diesem Moment klickten mehrere Verschlussmechanismen, teilweise die einer Uzzi. Dieses Geräusch konnte Beck unter Hunderten identifizieren. Das Einrasten des Verschluss-Blocks klang bei der Uzzi einfach billig, so, als wenn zwei hohle Plastikstücke zusammenschlugen. Jensen und er waren umringt vom MEK. Einige der Beamten trugen Schutzanzüge und sahen aus wie von einem anderen Planeten. Aber alle hatten sie ihre Waffen auf sie gerichtet.

Auch Jensen hatte ihre geliebte Calico im Anschlag. „Nicht drängeln“, rief sie. „Ist genug für alle da!“

Der Pressemaus schien diese Geschichte nun doch zu heiß zu werden. Sie drängte sich dicht hinter Becks Rücken, wo sie mal lieber in Deckung ging.

„Ganz ruhig!“ rief Beck. „Nichts passiert! Jensen, …!“

Jensen ließ widerwillig die Waffe sinken. Hinter ihnen waren Jacobi und einige der anderen stehen geblieben und verfolgten die Szene gespannt. Beck hätte sie gerne beiseite gewunken, schließlich standen sie genau in der Schusslinie.

„Beck, Beck, Beck!“ rief plötzlich eine bekannte Stimme hinter den Wall aus schwer bewaffneten Polizisten. Krüger drängte sich durch die Beamten und gab ihnen ein Zeichen, dass sie die Knarren runter nehmen sollten.

„Als ich gehört habe, dass Victor hier ist, wusste ich, dass ihr früher oder später auftauchen würdet.“

Beck wusste nicht, ob er erleichtert war, Krüger zu sehen. Er kannte Krüger noch von der GSG 9. Krüger war damals sein Gruppenführer. Eigentlich waren er und Krüger Freunde, aber andererseits: Wo Krüger war, da gab es Ärger ohne Ende. Anders als Beck hatte sich Krüger hochgedient. Er hatte diese Art, mit nichts bei niemandem anzuecken. Inzwischen war er zum Mann für die ganz heiklen Dinger geworden.

„Die Pressetante möchte gehen“, sagte Krüger tonlos. Zwei Uniformierte hakten sie rasch unter und schleppten den zeternden Rotschopf wieder hinunter zur Tür. Pressefreiheit war für Krüger schon immer ein Reizwort gewesen.

„Ebola oder Hanta“, sagte Krüger dann unerwartet mitteilsam und deutete auf die Leute in dem Plastikschlauch.

„Was?“ fragte Beck ungläubig. „Wie?“

Einer der Isolierten schrie auf einmal auf. „Die lassen uns hier verrecken! Ich bin doch gar nicht infiziert.“ Der Mann rannte auf die Plastikwand zu. Wahrscheinlich hätte er sie zerrissen, wenn Victor und ein paar andere ihn nicht aufgehalten hätten.

Alle Leute ohne Schutzanzug waren mechanisch einen Schritt zurückgetreten.

„Ich wollte nur einen Schein für ein 1a Seminar“, kreischte der junge Mann und brach heulend in Victors Armen zusammen.

„Den kriegst du ja auch!“, tröstete er ihn. „Und dazu noch eine völlig kostenlose Vorstellung der Apokalypse in deinem eigenen ganz persönlichen Mikrokosmos. Betrachte das ganze einfach als eine Art Exkursion.“

Über so viel Einbildungskraft schien der Student nicht zu verfügen. Aber er ließ sich willenlos von den andern mit auf sein Zimmer nehmen.

Krüger erzählte Beck von dem Studenten, der während der Vorlesung zusammengebrochen war.

Jensen kümmerte sich derweil um Victor. Seine Stimme klang dumpf durch das Plastik. Er brauchte Kommunikationsmittel. Dringend. Jensen rief Klinger per Handy an. Der sollte ihm einen Laptop und ein Handy vorbei bringen. Mehr konnten sie für Victor im Moment nicht tun. Am liebsten hätte Jensen ihn natürlich einfach befreit, aber selbst sie sah ein, dass ihm damit in seiner Lage nicht geholfen wäre.

Wenn er tatsächlich infiziert … Jensen weigerte sich, diesen Gedanken zu Ende zu führen. Seit sie ihre Eltern durch ein Attentat verloren hatte, war Victor wie ein zweiter Vater für sie gewesen. Sie hatte sich geschworen, nie wieder hilflos mit ansehen zu müssen, wie jemand, der ihr nahe stand, starb. Dafür hatte sie körperlich hart trainiert. Dafür hatte sie ihre Waffen. Und all das brachte sie in dieser Situation keinen Zentimeter weiter. Wütend ging sie zu Beck.

„Wir müssen was tun!“

„Schon klar“, sagte Beck. „Vielleicht besuchen wir mal diesen Studenten …“

„Im Tropeninstitut!“ Jensen zog ihn an der Schulter mit sich.

„Ist vielleicht besser, wenn ich fahre, du bist so …“

„Halt den Mund und steig ein!“

Als sie vom Parkplatz fuhren, bemerkte Beck, dass der Pressewolf ihnen folgte.

„Nicht mehr lange“, grunzte Jensen mürrisch und Beck zog blitzartig den Gurt etwas fester. Warum hatte er nicht den Mund gehalten? Nein, er musste ja Jensen noch einen Grund geben, das Gaspedal voll durchzutreten. Als ob sie den bräuchte! Wenn es ihn jemals bei einem Einsatz erwischen sollte, dann in einem Auto, das wusste er seit langem. Und es war ihm auch völlig klar, wer in diesem Moment am Steuer sitzen würde.

*

Markus Weber fühlte sich beschissen. Das heißt, ‚beschissen‘ war gar kein Ausdruck. Er fühlte den Tod in jeder einzelnen Vene, in jedem Organ, in jedem Knochen. Sein Mund war mit irgendwas verklebt. Wahrscheinlich Blut.

Er konnte nicht schlucken und er konnte die Augen nicht öffnen. Aber er konnte die linke Hand bewegen. Markus betastete vorsichtig sein Gesicht. Er war intubiert und seine Augenlider waren abgeklebt worden. Kurz vor der Ohnmacht hatte er blutigen Auswurf beim Husten gehabt, daran konnte sich Markus noch deutlich erinnern. Ihm war nicht klar, wo er war oder was man hier glaubte, was er für eine Krankheit hatte.

Markus wusste jedoch genau, was sein plötzliches Fieber ausgelöst hatte. Schließlich hatte er jahrelang in einem Labor der Sicherheitsstufe 4 gearbeitet. Mit Viren. Verdammt humorlosen Viren. Diese Art von Viren, die den kleinsten Fehler sofort persönlich nahmen. Ein winziger Riss in der Kleidung, eine undichte Stelle im Atemgerät, selbst eine ungeschickte Bewegung, bedeutete in den meisten Fällen einen langsamen, qualvollen Tod.

Wohin auch immer man ihn gebracht hatte, er wusste, dass ihm hier niemand helfen konnte. Wenn es überhaupt eine Chance für ihn gab, dann konnte ihm nur ein einziger Mensch auf dieser Welt helfen. Der würde aber mit Sicherheit nicht hierher kommen, um ihn zu behandeln. Wenn er überleben wollte, musste er sich schleunigst auf den Weg zu ihm machen.

Markus riss sich eine Menge Wimpern ab, als er das Leukosilk entfernte. Auch der Tubus war sorgfältig verklebt. Es war nicht ganz ungefährlich, ihn allein zu entfernen. Aber mehr als sterben konnte man schließlich nicht.

Er verletzte sich am Rachen und berührte beim Herausziehen fast zwangsläufig den Kehldeckel, was einen nicht unterdrückbaren Würgereiz auslöste. Markus erbrach sich unverzüglich. Die Hälfte des Erbrochenen war Blut. Verängstigt schaute Markus sich um und erholte sich schwer atmend ein wenig.

Markus saß unter einem Sauerstoffzelt. Hermetisch abgeriegelt. Sie wussten also Bescheid! Vielleicht wussten sie nicht genau, welchen Virus er in sich trug, aber sie wussten allemal, dass er brandgefährlich und ansteckend war. Wenn er jetzt die Elektroden abreißen würde, käme sofort jemand angelaufen, um nach ihm zu sehen.

Wahrscheinlich stand vor der Tür eine Wache, die ihn, wenn es nötig wäre, erschießen würde.

Seine einzige Chance war das Fenster. Er konnte nur hoffen, dass es nicht allzu hoch war.

Als Markus seine Kräfte ein wenig gesammelt hatte, quälte er sich aus dem Bett. Die Elektroden mussten so lange wie möglich an seinem Körper bleiben. Nicht aber die Infusionen. Er drehte die Schläuche nicht zu, sondern zupfte sie einfach nur ab.

Da stand ein Stuhl gleich neben dem Waschbecken. Lächerlich, als wenn ihn jemand besuchen würde!

Er hob den Stuhl über den Kopf, um ihn durch das Fenster zu werfen. In diesem Moment ging der Alarm los. Markus starrte auf den Monitor. Das Gerät zeigte einen Puls von 210 an. Nur, weil er den Stuhl angehoben hatte!

Mein Gott, dachte er. Ich bin so gut wie tot. Auf dem Flur hörte er Schritte, und das war bestimmt keine Krankenschwester. Oder arbeiteten die hier in schweren weißen Kampfstiefeln?

Die Doppelscheibe zerbarst mit einem dumpfen Knall, als der Stuhl hindurch flog. Wenigstens das hatte geklappt. Hinter ihm wurde die Tür aufgerissen. Aber es war zu spät. Er nahm Anlauf und sprang kopfüber durch das zerbrochene Fenster.

*

Gott sei Dank, da waren jede Menge freier Parkplätze vor dem Bernhard-Nocht-Institut. Also musste Jensen ihre speziellen Einparkkünste nicht erneut unter Beweis stellen. Sie parkte auch prompt quer auf zwei Plätzen und bremste abrupt.

Jensen war mit Sicherheit die Frau mit dem wenigsten Gefühl in ihren Beinen und Füßen. Obwohl sie sehr schöne, kräftige Beine hatte. Beck fluchte leise.

„Da stimmt was nicht“; sagte Jensen und trat schon wieder heftig aufs Gas. Sie fuhr direkt auf das kleine Stück Rasen, von wo aus man die Rückseite des Tropeninstitutes einsehen konnte. Dort wimmelte es von Polizisten.

Jensen brachte den Wagen unmittelbar neben einem der Beamten, der den Fußweg hinter dem Krankenhaus absperrte, zum Stehen. Der Polizist hatte offenbar weder Zeit noch Interesse, sich über diese Ordnungswidrigkeit auszulassen.

„Was ist los?“ fragte Beck. „Ist der Student …“

„Aus dem Fenster gesprungen“, erklärte der Beamte sofort, obwohl er sicher nicht die Anweisung hatte, jeden x-beliebigen davon zu unterrichten.

„Tot?“

„Verschwunden!“

Jensen und Beck sahen sich an. Das war das Schöne an Jensen. Wenn es darauf ankam, verstanden sie einander wortlos. Beck sprang aus dem Wagen und Jensen startete mit haltlos rotierenden Rädern durch.

Beck lief an dem Polizisten vorbei zur Rückseite des Hafenkrankenhauses. Da lag ein Stuhl auf dem Rasen, der da ganz sicher nicht hingehörte. Daneben war eine Menge Blut zu erkennen und ein tiefer, sehr tiefer Eindruck in dem weichen Boden. Aber eine Leiche fehlte. Beck sah hinauf. Ein Fenster im zweiten Stock war zerbrochen. Wie konnte jemand das überleben? Na, weit würde er nicht kommen.

„Wie weit kann der schon kommen?“ fragte Beck die Ärztin, die kopfschüttelnd neben ihm auf den Rasen starrte.

„So weit er will“, sagte sie dumpf.

„Aber er ist doch verletzt? Völlig fertig?“

„Den hält nur der Tod auf. Der ist bis unter die Haarspitzen vollgepumpt mit Adrenalin. Sonst hätten wird den gar nicht mehr zurückholen können.“

Beck sah sich um. Wohin zum Teufel wollte der zu Fuß fliehen?

Über dem Krankenhaus kreiste ein Polizeihubschrauber, der zur Verstärkung gerufen worden war. Die Polizisten gruppierten, sich um eine wohl geordnete Suchmaßnahme einzuleiten.

Idioten! Keine Intuition. Beck lief einfach los. Etwas weiter vorne führte ein kleiner Fußweg hinunter zu den Landungsbrücken im Hafen. Nur 500 Meter Luftlinie von hier war eine U-Bahn-Station.

„Wenn ich der wäre …“, dachte Beck und wusste Bescheid.

„Auch schon da?“ rief er der Wolf zu, als er an ihr vorbei spurtete. Offenbar hatte Jensen sie nicht wirklich abgehängt. Aber die sollte mal versuchen, ihm in ihren Pumps auf den Fersen zu bleiben. Beck lachte und drehte sich im Laufen noch mal um.

Sie versuchte es tatsächlich. Das war vielleicht ein Geeier auf dem unebenen Asphalt. Na dann! Beck beschleunigte noch mehr. Doch die Wolf blieb hinter ihm. Es hatte natürlich Zeit und ein Paar Strumpfhosen gekostet, als sie die Schuhe ausgezogen hatte. Aber sie blieb dran, keine Frage.

*

Klinger fand den Anblick seines Chefs hinter all dem Glas und Plastik entsetzlich deprimierend. Erst gab es ausgiebige Diskussionen, aber dann brachte einer der Männer in den Schutzanzügen den Laptop und das Telefon doch noch durch die improvisierte Luftschleuse.

„Es sieht verdammt schlecht aus“, sagte Victor, nachdem er das Handy in Betrieb genommen hatte. Das war schon blödsinnig. Da standen Klinger und er nur wenige Meter voneinander durch ein Stück Plastik getrennt und telefonierten miteinander.

„Ein weiterer Fall von Fieber ist aufgetreten“, erklärte Victor. „Eine meiner Studentinnen ist gleich hier vorn auf dem Flur zusammengebrochen. Sie hat sich übergeben und liegt jetzt weiter hinten isoliert. Ich fürchte …“

„Wir holen dich da raus!“ behauptete Klinger, um Victor zu trösten.

„Hör schon auf! Das ist Unsinn und das weißt du.“

„Hast du Kontakt zu Beck?“ mischte sich plötzlich Krüger in das Gespräch ein.

„Natürlich.“

„Das ist eine ganz ausgewachsene Scheiße, was hier läuft“, fluchte Krüger. „Dieser gottverdammte Dummkopf von Student ist abgehauen! Der infiziert mir die halbe Stadt. Wo zum Teufel sollen wir die ganzen Leute hin sperren, die der unterwegs trifft und ansteckt?!“

„Wo habt ihr ihn denn zuletzt gesehen?“ fragte Klinger.

„Der Hubschrauber hat ihn auf dem Weg zur U-Bahn ausgemacht. Und Beck war ihm dicht auf den Fersen.“

„Der wird ihn schon kriegen“, behauptete Klinger.

„Er soll ihn aber nicht kriegen. Ruf ihn an. Und sag ihm: Egal wo und wie, er soll den Mistkerl sofort umnieten. Jeder Meter, den der Kerl durch meine Stadt läuft, bringt uns Hunderte von Infizierten!“

„Was?“ fragte Klinger, als ob er nicht richtig gehört hätte.

„Wenn er ihn erwischen kann, soll er ihn sofort erschießen. Und er soll schön weit weg bleiben. Den Rest machen dann meine Männer, die sind unmittelbar hinter ihm.“

Klinger sah zu Victor herüber. Der hatte dieser Unterhaltung nur deshalb folgen können, weil Krüger so wütend schrie. Victor nickte nach kurzem Überlegen.

„Gib mir die Nummer. Dann sag ich es ihm eben selbst“, brummte Krüger schlecht gelaunt.

*

Beck hörte eine Menge Sirenen. Inzwischen hatte wohl auch die Polizei kapiert, wohin der Hase lief. Die nahenden 40 Jahre und seine frühere Sauferei machten sich in seinen Lungenflügeln bemerkbar. Wenn es nicht andauernd bergab gegangen wäre, hätte er längst aufgeben müssen. 500 Meter, das waren mindestens tausend und die dusselige Wolf lief vielleicht ihre Fußsohlen durch, aber rauchen tat die ganz bestimmt nicht. Sie hatte mächtig aufgeholt.

Der Platz an den Landungsbrücken war voller Menschen. Beck registrierte, dass die Menschenmenge vor etwas auszuweichen schien. Das musste die Zielperson sein.

Mein Gott, dachte Beck, wenn der Kerl die nun alle infiziert hatte. Und was sollte er tun, wenn er ihn eingeholt hatte? Er konnte ihn schlecht festhalten, schließlich trug er keinen Schutzanzug. Mitten in seine Überlegungen hinein klingelte das Telefon.

„Ja“, ächzte Beck zwischen zwei Atemzügen.

„Zielperson liquidieren, sofort!“

Beck erkannte die Stimme von Krüger. Es war auch der gewohnte Tonfall aus früheren Zeiten. Zielperson liquidieren, das war eine klare Anweisung.

„Hast du verstanden, Beck?“ fragte Krüger, als er nicht antwortete, weil ihm dafür einfach die Luft fehlte.

„Verstanden!“ Beck legte auf.

Hechelnd erreichte Beck den unteren Aufgang zur Fußgängerbrücke. Mit reichlich Gummiabrieb hielt gleichzeitig Jensens Wagen zwischen zwei Betonpollern.

Sie hatte die andere U-Bahn-Station nördlich von dieser hier überprüft und nachdem sie dort nicht fündig geworden war, hatte sie sich beeilt, Beck zu Hilfe zu kommen.

Beck nahm einen flachen Atemzug und gab Jensen ein Zeichen, indem er mit seinem Finger seinen Hals durchschnitt. Jensen hatte verstanden und sofort ihre geliebte Calico gezogen. Dann hechtete Beck die Stufen hoch.

Waffe ziehen und Laser-Pointer einschalten waren eine Bewegung. Das hatte er tausendfach geübt. Sein Ziel befand sich bereits auf der anderen Seite der Brücke. Wenn er nicht sofort schoss, wäre der Mann in der U-Bahn verschwunden.

Der Laserstrahl tanzte auf der Menschenmenge vor ihm auf und ab. Dann wurde er ruhig. Die Menschenmenge um die Zielperson herum teilte sich und hinterließ eine leere Blase. Für eine Sekunde lang stand das Ziel allein in seinem Visier. Er drückte ab. Die 9mm Parabellum löste sich lautstark aus dem Lauf und machte sich auf den Weg. Beck konnte förmlich sehen, wie die Kugel dem Laserstrahl folgte. Er sah auch, wie die Zielperson kurz vor dem Einschlag nach rechts in den Tunnel abbog.

„Daneben“, grunzte Jensen.

„Nicht ganz!“ Auf dem Jahrmarkt hätte er die Rose behalten dürfen, die er dem Blumenverkäufer aus der Hand geschossen hatte. Unten am Fuße der Brücke fuhren eine Menge Rettungsfahrzeuge und Polizeiwagen vor.

„Los jetzt“, feuerte ihn Jensen an.

Auch Beck sah die U-Bahn, die gerade von St. Pauli her den Hang herunter in den Bahnhof einfuhr.

Beck zwang seine Beine weiter zu traben. Ihm wurde fast übel von der Lauferei. Oder hatte er sich womöglich bereits infiziert?

Als er um die Ecke zu den Bahnsteigen laufen wollte, stieß er mit einem dort beheimateten Zeugen Jehovas zusammen, der seinen Wachturm schützend vor sich hielt. Was Beck nicht daran hinderte, den Mann an die Wand zu schubsen, um sich Platz zu verschaffen.

„Das Ende der Welt ist nahe!“, klärte ihn der Mann besorgt auf.

„Wenn du wüsstest wie nahe! Es ist nämlich gerade an dir vorbeigelaufen“, schimpfte Beck lautstark und vergeudete dabei unnötig Zeit und Energie.

Jensen und Beck erreichten zusammen mit der einfahrenden U-Bahn den Bahnsteig. Sie hielten Ausschau nach der Zielperson. In dem Menschengewirr des Ein- und Aussteigens beinahe sinnlos. Schon piepte es an den Türen. Das Signal, das die Bahn jeden Moment abfahren würde. Beck und Jensen warteten bis zum allerletzten Moment. Der Kerl musste wohl schon im Zug sein.

„Nicht ohne mich!“ Die Wolf hatte einen Fuß in die sich schließende Tür gehalten und versuchte sich durch den Schlitz zu drängen. Das gelang ihr jedoch nicht vollständig. Beck schüttelte den Kopf. Das war entschieden der falsche Zeitpunkt für solche Spielchen. Aber er drückte die Türen soweit er konnte wieder auf. Als er sie losließ und die Türen wie ein Fallbeil zusammenknallten, war die Wolf bis auf ihren Rock hindurch geschlüpft.

Beck musste grinsen. Die war wirklich hartnäckig. Sie trennte sich kurz entschlossen von ihrem Rock, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Ihre Bluse klebte auf der Haut. Sie trug keinen BH, aber dafür helle Seidenstrümpfe. Das waren im Moment eigentlich Nebensächlichkeiten, die nur der Mann in Beck automatisch registrierte. Und natürlich Jensen.
„Schau mir in die Augen und sag ich liebe dich“, kommentierte sie seinen Blick zynisch.

Beck sah sie verärgert an. Es war nun wirklich nicht seine Schuld, dass die Jensen sich immer so, … so … zweckmäßig kleidete. Außerdem war er nebenbei halt auch nur ein …

*

„Ich hätte jetzt wirklich gern eine Havanna“, sagte Victor.

Seine Frau stand nun schon gut 5 Minuten vor dem Plastikvorhang. Ihre Hände lagen aufeinander. Aber sie berührten sich nicht. Die Plastikfolie trennte sie. Das war eine Art „Safer Hallo“ und das passte keinem von beiden wirklich.

„Ich komme rein zu dir“, sagte Elisabeth mit ruhiger Stimme.

„Das geht nicht“, wehrte Victor ab. „Und es hilft mir nicht.“

„Aber mir.“

„Hör auf mit diesem Unsinn, Elisabeth.“

„Wenn du sterben musst, in Ordnung. Aber ich drücke dir nicht das letzte Mal die Hand durch einen Plastikvorhang. Das ertrage ich nicht.“

Victor wurde nervös. Er kannte die Dickköpfigkeit seiner Frau.

„Du begibst dich völlig unnötig in Gefahr!“

Elisabeth lächelte und wendete sich ab. Sie ging zu dem Dienst habenden Arzt und verlangte eingelassen zu werden.

„Wir haben keinen Anzug übrig, tut mir leid“, lehnte der Arzt ab.

„Ich brauche keinen Anzug“, stellte Elisabeth klar.

Der Arzt lachte. „Oh doch, den brauchen Sie. Ohne darf ich Sie da ganz bestimmt nicht rein lassen.“

„Klinger!“

Klinger saß auf der Bank und schaute von seinen Computer auf.

„Ich möchte zu Victor.“

„Das geht doch nicht, Frau Jacobi“, sagte Klinger voller Mitgefühl.

„Muss ich erst den Vorhang zerreißen und andere gefährden?“

„Warten Sie mal“, rief der Arzt nervös. „Schwester …“

„Klinger!“ rief Elisabeth fordernd.

Klinger wusste, wie sehr Elisabeth ihren Mann liebte und, dass sie wenig Berührungsängste mit dem Tod hatte. Schließlich arbeitete sie ehrenamtlich unter anderem in einem Aids-Projekt. Sie kümmerte sich dort um einige Patienten im Endstadium.

„Doc“, sagte er eindringlich. „Lassen Sie sie rein!“

„Unmöglich! Ich habe einen Eid …“

Klinger war kein Freund von Waffen, er hatte lediglich eine alte 45er Armeepistole. Aber die hatte er nun in der Hand.

„Ich meine es ernst!“ Klinger zielte nicht einmal auf den Arzt. Er hielt die Waffe einfach am herunter hängenden Arm in der Hand.

Nötigenfalls würde er natürlich tun, was die Situation erforderte. Daran ließ er keinen Zweifel. Der Arzt rieb sich nervös die Hände. Für solche Fälle war er nicht ausgebildet worden. Das war grob unvernünftiges Verhalten und er wusste nicht, wie er entscheiden sollte.

„Aber ich lasse Sie keinesfalls wieder raus! Das ist Ihnen doch klar?“

Elisabeth nickte ernst. Der Arzt seufzte und öffnete die Luftschleuse. Sie verabschiedete sich von Klinger und trat ohne zu Zögern ein. Victor beobachtete das Ganze mit arg gespaltenen Gefühlen. Aber als sie ihn dann aber umarmte war er dankbar für jeden Zentimeter ihrer Haut, den er spüren konnte.

„Ich hoffe, Sie wissen, was Sie da getan haben!“

„Mit zürnenden Tränen im Auge, stürmt’ ich hin, wo der Tod mir gewiss war“, zitierte Klinger trocken Hölderlin. Er steckte die Pistole weg und widmete sich wieder seinem Computer.

*

Markus rieb sich nervös die Handgelenke. Sie waren blutverschmiert. Er sah ein Stück Knochen durch die Hose ragen. Wieso fühlte er keine Schmerzen, das Beine musste mehrfach gebrochen sein?

Die Leute in der U-Bahn wichen erschreckt vor ihm zurück. In den Scheiben konnte er sehen, was sie sahen.

Ein von Kopf bis Fuß blutüberströmtes, humpelndes Monstrum. Sein Gesicht war kaum noch zu erkennen. Seine Haare klebten blutig an dem Kopf. Unruhig sah er von einem Fahrgast zum anderen. Was wollte er hier? Wie sollte er es denn jemals schaffen, in diesem Zustand durch die Passkontrolle am Flughafen zu kommen? Er hatte ja weder Papiere noch Geld bei sich. Und hier saß er in der Falle. Er musste raus aus dieser U-Bahn. Die Zeit wurde knapp. Er musste hier raus. Sofort!

*

Beck sah sich um. Sie befanden sich in einem der mittleren Waggons. Die Zielperson war nirgends zu sehen. Jensen stieß ihn an und zeigte in den Waggon vor ihnen. Durch die Trennscheiben konnte er ihn sehen. Die Zielperson wanderte unruhig an der Waggontür hin und her. Wenn sie in den nächsten Bahnhof einfuhren gäbe es 50 weitere Infizierte. Beck dachte nach.

Jensen hielt Nachdenken in dieser Situation für eine nicht angemessene Reaktion. Solche Entscheidungen mussten in Bruchteilen einer Sekunde gefällt werden. Sie hob den Lauf ihrer Calico und ließ eine Kugelsalve das erste Fenster zerbersten.

Im Nachbarwaggon entstand schlagartig Panik. Die Passagiere warfen sich zu Boden. Eine zweite Kugelsalve zertrümmerte die übrig gebliebene Trennscheibe des Nachbarwaggons.

„Beeck!“

Beck hatte verstanden. Mit der Calico konnte sie schlecht auf die Menge halten. Becks Laser-Pointer erfasste das Ziel. Einschuss unmittelbar unter der Herzkammer. Markus wurde zurückgeworfen. Ein Blutstrahl pulsierte aus seiner Brust.

„Den Kopf!“ schrie Jensen. Tatsächlich bewegte Markos sich Hand zur Notbremse gleich über ihm. Dieses verdammte Adrenalin. Der Kerl war zum Tier geworden.

Beck reagierte blitzschnell. Zwei Kugeln waren auf dem Weg. Beide trafen den Kopf, aber im gleichen Moment griffen die Bremsbacken der Notbremse mit aller Gewalt zu.
Beck verlor den Halt und flog hart gegen die Vorderwand des Waggons. Um ihn herum schrieen Leute auf. Ein Körper traf Beck schwer in den Rücken. Er hörte förmlich wie seine Wirbelsäule zerbarst.

Aber das Geräusch kam nur von einer Packung zerbrechenden Spaghetti, die samt mehrerer Gemüsesorten aus einer Plastiktüte neben seinem Kopf kullerten. Dann kamen die Eier und die Milchtüten. Beck wollte sich aufrichten, aber über 100 Kilo Lebendmasse mit ihrer Tagesration an Einkaufstüten lagen auf ihm und wimmerten verstört.

„Alles klar Beck?“ fragte Jensen.

Beck stieß die dicke Frau mit den riesigen Brüsten unsanft von sich herunter. Sie schrie erneut auf. Diesmal eher wütend. Irgendetwas war wohl bei ihr gebrochen.

„Alles klar“, stöhnte er und versuchte, sich von den Essenresten zu befreien.

„Hast ihn erwischt!“ bemerkte Jensen anerkennend, als wenn das nicht selbstverständlich gewesen wäre.

Beck griff nach seiner Waffe unter der Sitzbank. In den Waggons sah es aus wie auf einem Kriegsschauplatz. Die Wolf lag bewusstlos zwischen zwei Bänken. Die Zielperson war nur noch ein blutiger Klumpen an der Waggonwand. Und wer noch stehen konnte, bewegte sich taumelnd und ziellos durch den Zug.

„Was jetzt?“ fragte Beck.

Auch Jensen war ratlos. „Die Leute dürfen die U-Bahn nicht verlassen“, sagte sie und sah sich nach eventuell Flüchtenden um.

„Bleiben Sie ruhig! Verlassen Sie nicht die Wagen“, dröhnte es in diesem Moment aus den Lautsprechern der U-Bahn. Ein Hubschrauber kreiste über ihnen. Beck sah hinunter. Die U-Bahn war ziemlich ungünstig auf einer Hochbrücke zum Stehen gekommen. „Prost Mahlzeit!“

*

Krüger fuhr zusammen mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr vor. Das Bild, das sich ihnen hier bot, war eine kaum lösbare Aufgabe für die Rettungskräfte.

Die Polizei hatte bereits den gesamten Platz vor den Landungsbrücken in einen gigantischen Kessel verwandelt. Zwischen Landungsbrücken und Baumwall steckte der Zug auf einer Stahlträgerkonstruktion, die die ganze Straße überspannte, fest. Die Feuerwehr hatte damit begonnen, den Zug mit riesigen Plastikfolien abzudecken. Eine weitere Gruppe von Polizisten verfrachtete die Passanten aus dem Kessel nach und nach in Busse.

„Da oben in den Zügen sind jede Menge Schwerverletzte“, informierte ihn der Einsatzleiter der Polizei.

„Die Passanten bringen wir in die Kaserne in Fischbek“, entschied Krüger. „Hoffen wir mal, dass sich von denen keiner angesteckt hat.“

Die eigentliche Gefahr ging von dem U-Bahn-Zug aus. Dort mussten Verletzte geborgen und ein Tunnel errichtet werden, durch den die Insassen in die Spezialbusse der Feuerwehr gebracht werden konnten.

„Wenn auch nur ein einziger Infizierter …“, Krüger brauchte den Satz nicht vollenden, die Kollegen wussten allesamt, wie ernst die Lage war.

Wenigstens hatten sie endlich den Studenten identifiziert, so dass sich jetzt sein soziales Umfeld ermitteln ließ. Auch dort konnten noch jede Menge Infektionsherde zu finden sein. Jeder von ihnen wäre eine tödliche Zeitbombe, wenn er nicht augenblicklich isoliert werden würde. Krüger ließ eine Liste erstellen und schickte einige Männer los.

Die Passagiere der U-Bahn wurden zu den anderen stark gefährdeten Personen ins Hafenkrankenhaus verlegt. Hilfskräfte aus allen umliegenden Kliniken wurden angefordert und die Isolierstation auf drei Etagen erweitert.

*

Victor freute sich natürlich Beck und Jensen wohlbehalten wieder zu sehen. Weniger erfreut war er natürlich darüber, dass sich die beiden jetzt auf seiner Seite des Todesvorhanges befanden.

„Im Prinzip sind wir handlungsunfähig“, stellte er nüchtern fest.

„Schachmatt!“ sagte Jensen wütend.

„Na, noch haben wir Klinger da draußen“, warf Beck ein.

Jensen lachte spöttisch. „Was soll der denn allein mit seinem Computer schon groß machen?“

Klinger war ins Hauptquartier zurückgekehrt und jagte den Namen Markus Weber durch alles, was ihm technisch zur Verfügung stand. Das war bei weitem mehr als die Polizei tun konnte.