Kapitel 22

Wohin mit der Freiheit?

Martins neue Freiheit schloss auch die Möglichkeit mit ein, sich wieder nach Mädchen umsehen zu können. Nach den letzten Erfahrungen, die er gemacht hatte, verspürte er jedoch keine große Lust dazu. Lieber nahm er sein unterbrochenes Training wieder auf und stellte fest, dass er in kürzester Zeit erstaunliche Muskelzuwächse verzeichnen konnte. In der Schule blieb er ebenfalls erfolgreich. Seine Mutter betrachtete ihn bald nicht mehr als Kind, und wenn sie zur Schulung fuhr, musste Frau Bruckner nicht mehr nach ihm sehen. Obwohl er da gar nichts gegen gehabt hätte. Außer seiner Mutter war Frau Bruckner die einzige Frau, der er vertraute. Und zur Zeit hatte er nicht viel Kontakt zu anderen Menschen. Er dachte oft über Frau Bruckner nach, aber er hatte ihr nichts vorzuwerfen. Manchmal, wenn er sie von seinem Fenster aus sah, verspürte er große Lust sie zu besuchen oder sich mit ihr zu unterhalten. Trotzdem vermied er für lange Zeit jeden Kontakt. Im Moment konnten ihm alle Frauen gefährlich werden. Lebensgefährlich sogar, das hatte er am eigenen Leib erfahren.

Seit dem Februar hatte sich nicht nur Martin verändert, auch mit seiner Mutter schien etwas vorgegangen zu sein. Er bemerkte es erstmals, als ihr Geburtstag nahte, und sie sich nicht wie sonst üblich kurz vorher begann, warm zu trinken. Nicht einmal an ihrem Geburtstag trank sie übermäßig viel. In diesem Jahr gab es auch keine sentimentalen Gefühlsausbrüche. Vielleicht lag das daran, dass sie beruflich in letzter Zeit mehr Erfolg zu haben schien.

Martins Mutter musste zwar öfters Überstunden machen und kam immer öfter immer später nach Hause, aber das schien ihr nichts auszumachen. Im Gegenteil. Es hatte den Anschein, als machte es ihr richtig Spaß. Sie war ausgeglichen und fröhlich wie nie zuvor. Bedeutungslos flog das Jahr dahin. Alle waren mehr oder weniger zufrieden und kümmerten sich um ihren eigenen Kram. Für Martin hieß es mit Eintritt in die zwölfte Klasse endgültig Abschied zu nehmen von seiner Kindheit. Man behandelte ihn nun wie einen fast Erwachsenen. Von Frau Möller hatte Martin nie wieder etwas gehört. Erst an einem Märzabend des folgenden Jahres, tauchte das Schreckgespenst Möller noch einmal auf. Martin mähte draußen den Rasen. Drüben in ihrem Garten hängte Frau Bruckner wieder mal ihre Wäsche auf. Sie winkte herüber und rief: „Gott, du bist ein richtiger, kräftiger junger Mann geworden.“

Martin lachte und schob mit bloßem Oberkörper den Rasenmäher holpernd über das Gras. Frau Bruckner kam mit ihrer Wäsche auf dem Arm an den Zaun heran.

„Schlimme Sache mit dieser Lehrerin damals, nicht? Du hast doch auch bei ihr Unterricht gehabt?“ fragte sie beiläufig.

„Ja sicher“, antwortete Martin höchst alarmiert.

„Muss eine furchtbare Frau gewesen sein.“

„Allerdings“, brummte Martin fast gleichgültig.

„Du hast sie auch nicht besonders gemocht, oder?“

Martin hielt ihrem forschenden Blick stand. Sie schien etwas zu vermuten.

„Ich habe sie gehasst“, sagte er, ohne ihrem Blick auszuweichen.

„Das hat Werner auch gesagt.“ Sie warf einen kurzen Blick auf die verkohlte Stelle, wo Martin damals die Hefte und Zeitungen verbrannt hatte. Der Rasen hatte sich fast vollständig erholt, es war kaum noch etwas davon zu sehen. Eine braune Stelle, wo das Gras etwas weniger dicht wuchs, als auf dem Rest des Rasens.

„Friede ihrer Asche“, sagte sie mit einem ungewohnt zynischen Tonfall. Jetzt war Martin ganz sicher. Frau Bruckner wußte oder ahnte zumindest, dass er etwas mit Frau Möllers Tod zu tun hatte. Es war ihm egal, was sie wußte, die entscheidende Frage war: Was wollte sie von ihm? Er den Blick fest auf ihre Augen gerichtet. So starrten sie sich viel länger wortlos an, als es unter Nachbarn normal gewesen wäre.

„Ich denke, sie hat diesen grässlichen Tod verdient“, sagte Frau Bruckner in das leise Tuckern des Rasenmähers. „Bestimmt hat sie eine Menge Leute gequält. Und irgendwann hat sie wohl mal einen zu viel gequält.“

„Oder zu lange“, fügte Martin hinzu und wartete gespannt auf ihre Reaktion.

„Ja, wenn man jemanden zu lange quält, kann selbst die Liebe schon mal in Hass umschlagen.“

Martin war sich nicht sicher, was sie meinte. Aber das schien jetzt eigentlich nichts mit ihm zu tun zu haben. Er spürte deutlich, dass keinerlei Gefahr von ihr ausging. Da fand sich kein Anzeichen einer versteckten Drohung, obwohl sie mit Sicherheit genug wußte, um ihn Schwierigkeiten zu bringen. Er hatte keine Ahnung woher, aber sie wußte es einfach.

„Es war ein Unfall“, behauptete Martin, als ob er sich rechtfertigen müsste.

Frau Bruckner lächelte ihn an, als wenn sie sagen wollte: „Das kannst du dem Weihnachtsmann erzählen.“ Martin musste bei diesem Gedanken ebenfalls lächeln und kurz an ihr Weihnachtskostüm vom letzten Jahr.

„Sicher, es war ein Unfall, aber er war wohl auch irgendwie zwangsläufig“, behauptete Frau Bruckner.

„Wenn es jemand mit Absicht getan hätte, wenn jemand sie ermordet hätte, würden Sie jetzt aber bestimmt nicht so reden.“ Martin konnte sich hier um Kopf und Kragen reden. Das wußte er. Eigentlich sollte er diese Thema besser meiden. Er sollte einfach gar nichts dazu sagen. Das wäre wohl am besten.

„Wenn es jemand mit Absicht getan hätte, dann hätte er das bestimmt zu Recht getan. Wahrscheinlich würde ich ihn sogar noch dazu beglückwünschen, dass er den Mut dazu aufgebracht hat.“

„Würden Sie ihn auch beschützen, wenn es ihm an den Kragen ginge?“

Frau Bruckner lächelte wieder tiefsinnig. Was auch immer sie bislang gewusst hatte, jetzt musste sie allmählich alles wissen. Martin fragte sich, welcher Teufel ihn geritten hatte, solch einen Unsinn zu reden.

„Ich würde dich beschützen, wie mein eigenes Kind“, war ihre Antwort und Martin glaubte ihr das aufs Wort. Es war das einzige Mal, dass sie ihn direkt mit Frau Möllers Tod in Zusammenhang brachte. Er schwieg abwartend.

„Nur gut, dass wir mit solchen schrecklichen Dingen nichts zu schaffen haben“, sagte Frau Bruckner dann. „Viel Spaß noch!“ Sie lächelte freundlich und zog mit ihrer Wäsche wieder ab. Martin sah ihr nach, bevor er den Rasen zu ende mähte. So ganz schlau wurde aus dieser Frau wohl nie.

In diesem März war es schon recht warm. Die Chancen standen gut, dass es ein langer, schöner Sommer würde. Martin saß am Fenster seines Zimmers und lauschte dem Gezwitscher der Rauchschwalben, die ein Nest unter den Dachbalken nicht weit von Martins Fenster gebaut hatten. Er schaute von dem Physikbuch auf indem er unkonzentriert gelesen hatte und beobachtete, wie Frau Bruckner drüben wieder einmal Wäsche aufhängte. Die hatte einen Waschfimmel, überlegte Martin. Jeden zweiten Tag wusch irgend etwas. Sein Verhältnis zu Frau Bruckner war irgendwie seltsam. Martin fand sie zu alt und zu dick. Außerdem zog sie sich geschmacklos an. Wie eine alte Frau eben. Sie war nett okay, aber wie hatte er bloß mit ihr … Sie trug schon wieder einen dieser geblümten Plastikkittel, die sie immer bei Hausarbeit trug. Wie gesagt, sie war nett, Martin vertraute ihr und sie tat fast alles für ihn. Nein, hässlich war sie wirklich nicht. Normal eben. Einfach normal. Nichts was einen Jungen in Martins Alter irgendwie reizen sollte. Aber irgend etwas war da. Er konnte es sich nur nicht wirklich erklären. Sie watschelte mit dem Korb um die Wäschespinne herum und hängte sorgfältig ein Teil neben das andere und strich es glatt. Martin sah zu und schwoll gleich wieder an. Er musste grinsen. Onanieren war auch nicht die letzte Weisheit. Er sah, wie sie das letzte Stück aufhängte, einen ihrer gigantischen BHs, dann reichte es ihm. Er stieg von der Fensterbank hinunter und ging hinaus in den Garten.

Frau Bruckner war schon wieder im Haus. Martin sprang über die kleine Hecke und schlich unter den Fenstern entlang zum Kellereingang. Frau Bruckner lud gerade die nächste Maschine Wäsche voll. Sie hatte ihn nicht kommen gehört. Als sie sich umdrehte und ihn in der Tür stehen sah, zuckte sie erschreckt zurück. Aber als sie erkannte wer es war entspannte sie sich sofort wieder. Er sah sie nur schweigend an. Sie sagte auch nichts, nicht einmal „Hallo“. Vielleicht lag es an seinem starren Blick oder vielleicht an der sichtbaren Schwellung in seiner Hose. Frau Bruckner schien ziemlich genau zu wissen, warum er hier plötzlich in ihrer Kellertür aufgetaucht war.

„Ich hab jetzt keine Zeit lange zu mit dir diskutieren. Geh nach Hause oder mach die Tür zu! Wie du willst“, sagte sie gereizt.

Martin schloss die Tür und Frau Bruckner seufzte, als ob ihr jemand ziemlich auf die Nerven gegangen war. Dann hatte sie mit einem raschen Handgriff den Kittel hochgerafft und drehte sich um. Mit den Ellenbogen stützte sie sich vorgebeugt auf der Waschmaschine ab und hielt Martin ihr gewaltiges Hinterteil hin. Anscheinend trug sie nie Unterhosen, immer nur diese harten Miedergürtel und Strümpfe unter dem Kittel.

„Aber mach in Gottes Namen schnell, ich muss das Essen gleich fertig haben“, sagte sie emotionslos.

Martin stellte sich hinter sie, zog seine Hose bis zu Knien hinunter und betastete ihren weichen, weißen Hintern. Frau Bruckner grunzte und griff ungeduldig nach seinem Glied. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und quetschte es scheinbar ohne jedes Interesse mit der flachen Hand rasch in sich hinein. „Los jetzt!“ brummte sie. Am liebsten wäre er da jetzt einfach für immer drin geblieben, hätte sich in ihren Hinterbacken festgekrallt . Sollte sie doch sehen, wie sie ihn abwarf. Doch diesbezüglich startete sie keinen Versuch, sie stand einfach nur still da. Er brauchte keine drei Minuten bis er kam. Trotzdem hatte er das Gefühl aus jeder Pore zu schwitzen. Das ging ihm bei Frau Bruckner immer so. Es war etwas völlig anderes als mit Frau Möller, und er schämte sich, die beiden überhaupt zu vergleichen. Wenn er jemals eine Frau finden würde, die er liebte, hoffte er, dass es beim Sex, so wie mit Frau Bruckner sein würde.

Er hätte gern noch weiter gemacht, aber Frau Bruckner hatte von sich weggedrückt, als sie merkte das er fertig war. Sie hatte ihren Kittel genau so schnell wieder unten, wie sie ihn kurz zuvor hochgezogen hatte.

„Jetzt mach bloß, dass du hier raus kommst.“ Frau Bruckner stand da, an ihrer Waschmaschine, als wenn nichts gewesen wäre. Sie musste nicht einmal ihre Haar ordnen, oder so etwas. Sie hatte einfach den Plastikkittel heruntergezogen und alles war wieder ganz normal. Frau Bruckner machte ihre Wäsche.

Natürlich hatte sie recht. Martin zog seine Hose wieder hoch. Das war eine unsinnige Idee gewesen. Um diese Zeit. Martin wollte gerade zur Kellertreppe raus, da hielt ihn Frau Bruckner am Arm zurück und zischte hastig gepresst: „Von mir aus komm, wann du willst. Ich mach’s ja. Lässt sich ja alles eh nicht mehr rückgängig machen. Himmel. Aber nicht so, dass mein Mann was merkt. Ich will keinen Ärger, hast du verstanden?“

Martin nickte.

„Aber hey, junger Mann übertreib es nicht. Spann den Bogen nicht zu weit“ rief sie ihm nach. Und als er die Treppe hoch schlich hörte er sie noch sagen: „Weiß Gott, du bist wirklich ein fürchterlich anstrengendes Kind.“