Martins Hefte

Sie waren unter der Matratze versteckt. Martin wußte, dass das eher einfallslos war, aber er wollte die Hefte immer griffbereit haben. Nur für den Fall.

Manchmal, wenn er nachts nicht schlafen konnte, verspürte er den Drang darin zu blättern. Diese Bilder brachten einfach seine Gedanken in Bewegung und meist nicht nur seine Gedanken.

Er griff unter die Matratze. „British nature.“ Eines seiner Lieblingshefte. Natürlich stand die wunderschöne englische Landschaft hier nicht im Vordergrund. Gemeint war wohl eher der natürliche Zustand der in diesem Magazin abgelichteten Damen. Was zum Beispiel Cherry aus Manchester betraf, so waren das keine Kirschen, wie der Name vermuten ließ, sondern wohl eher zwei pralle, überreife Äpfel in einem geflochtenen Obstkörbchen waus roter Spitze.

Martin mußte mit der linken Hand umblättern, weil seine rechte bereits anderweitig beschäftigt war. Cherry war nicht allein auf dieser blühenden Sommerwiese, die ein bisschen wie eine Tapete aussah. Da gesellte sich auch schon Linda zu ihr und drängte sie ihre schweren Glocken doch ein wenig anzuheben. Martins Griff wurde fester. Es war ganz sicher völlig unmöglich, dass Linda jemals ertrank, weil ihre beiden natürlichen Schwimmkörper gar nicht zuliessen, das sie jemals das Kinn unterhalb der Wasserlinie senkte.

Das Ächzen kam nicht von Martin, der bei Lindas Anblick den Drang sich auch akustisch zu entladen verspürte, sondern von den Dielen der Stiege. Wahrscheinlich seine Mutter, die hatte ein Talent dafür, ihn in solchen naturbeseelten Momenten zu stören. Ganz so als ob sie seine Gedanken könnte. Dieses Geräusch sollte er nicht ignorieren, obwohl er sich ungern vom Anblick dieser ausladenden englischen Naturschönheiten trennen wollte. Schnell versuchte er die Hefte zu verstecken.


So eben gerade war es ihm gelungen das Heftchen unter die Matratze stopfen, da klopfte es auch schon.

„Kann ich reinkommen“, fragte seine Mutter durch die Tür.

Wenigsten respektierte sie seine Privatsphäre und kam nicht ungefragt in sein Zimmer.

„Ja klar“, rief er hastig, setzte sich aufs Bett und zog seinen Pullover so gut es ging über die Beule in seiner Hose.

Seine Mutter war eine große und übergewichtige Frau vor der man besser Respekt hatte. Martin wollte sich gar nicht ausmalen, was sie sagte, wenn sie von diesen Heften wüßte. Natürlich tat er es trotzdem.

„Wenn du gerade nichts zu tun hast, dann könntest du die Kittel bei Frau Seeger abholen“, sagte sie und ließ den Blick aufmerksam durch sein Zimmer schweifen.

Es war wie ein Röntgenblick. Martin dachte manchmal, daß seine Mutter nicht nur durch die Matratze hindurch, sondern auch in sein Hirn schauen konnte und seine Gedanken las. Irgendwie schien sie immer zu wissen was er gerade dachte. Vorsorglich hielt Michael seine Hände schützend vor die Erektion, die seine wahren Gedankengänge verraten könnte. Er war nicht sicher, dass der Pullover sie völlig verdeckte. Eigentlich war er sich darüber klar, dass auch die Hände nicht viel Schutz brachten, sondern eher verräterische wirkten. Und so, wie seine Mutter ihn anschaute sah sie das auch so. Martin errötete.

„Kannst du die Kittel gerade abholen?“ fragte sie noch einmal.

„Ich komme gleich“, antwortete er mit leicht versagender Stimme, da er in diesem Moment bemerkte, daß eine halbe Seite mit eindeutiger Bebilderung unter seiner Matratze hervorschaute. Offenbar hatte er die Seite des Heftes beim hastigen Verstecken umgeknickt und nun schaute sie unter der Matratze hervor.

Seine Mutter sah genau dort hin. Sie konnte die Hefte bei besten Willen nicht übersehen. Er erwartete, dass sie ihn anschrie, aber stattdessen schloss sie wortlos die Tür und ging wieder hinunter in die Bäckerei.

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