Die G-Size WG

Die Zenka kommt

Melinda ging es wirklich nicht besonders. Sie sollte sich ihr Zimmer mit Zenka teilen. Zumindest bis Zenka und Mutter Schreiber eine anständige Bleibe gefunden hätten. Wenigstens musste sie ihr Bett nicht mit ihrer Mutter. Die hatte darauf bestanden Bettys Zimmer zu bekommen. Es war das einzige mit Balkon. Nach einigem Fluchen hatte sich Betty bereit erklärt für ein paar Tage zu Undine zu ziehen.
Daran war nur Mutter Schreiber Schuld. Seit Matze einen ersten Blick auf die Zenka geworfen hatte, war er wie angefixt. Melinda hatte Zenka nur als kleines 12 jähriges Mädchen mit langen geflochtenen Zöpfen in Erinnerung. Damals trug sie dicke Wollstrümpfe und derbe Leinenkleider. Zenka kam halt aus der Provinz und wo sie ihre echt blonden Haare her hatte, war allen im Dorf ein Rätsel. Jedenfalls hatte Matze sie begutachtet und war sofort mit Mutter Schreiber handelseinig. Die Zenka sollte gleich morgen ein Shooting für eine Oktoberfest-Serie schießen. Mit Melinda und Betty als zweite Geigen. Was Betty dazu sagte, konnte man sich ja denken. Sie drohte Melinda, diese Dorfschlunze einfach umzubringen, wenn die ihr ins Geschäft pfuschte. Denn ursprünglich sollte ja sie die Alpenheidi im Dirndl sein.

„Eine Schreiber ist schon ein echter Alptraum, aber das hier verstößt eindeutig gegen die Menschenrechte“, behauptete Betty stinksauer.

Melinda gab eigentlich nur ihrer Mutter, die Schuld. Zenka war ihre Cousine, ein bisschen einfältig und eher harmlos. Jedenfalls dachte sie das bis zu dem Moment als ihre Cousine aus dem Badezimmer kam und ihren Bademantel auf den Boden gleiten ließ. Melinda lag schon im Bett und wollte noch ein wenig lesen. Aber sie schielte über den Buchrücken und betrachtete Zenka argwöhnisch. Die hatte wirklich die größten Brüste, die sie je gesehen hatte. Und dabei waren die auch noch prall wie gut geblasene Luftballons. Eben echte Schreibers. Am schlimmsten aber war, dass sie ansonsten auch noch eine erstklassige Figur hatte. Kaum ein erkennbares Fettpölsterchen, aber dafür eine weit ausladende Hüfte, die sie bei jedem Schritt wie eine gewaltige Kirchenglocke schwingen ließ. Im Geiste hörte Melinda förmlich, was die Stunde geschlagen hatte.

„Ein Schlafanzug liegt oben links im Schrank“, sagte Melinda mit kollegial freundlichem Ton.

„Brauch ich nicht“, behauptete Zenka.

„Na ja“, grunzte Melinda.

„Und?“ wollte Zenka wissen. „Wie findest du meine Brüste?“

„Riesig!“ lachte Melinda und fand es reichlich albern, wenn ein Brustmodell das andere nach ihren Brüsten befragte.

„Hol mal deine raus“, forderte Zenka sie auf. „Dann können wir sehen, welche besser sind.“

„Phha!“ machte Melinda und zeigte ihr einen Vogel. „Leg dich hin und schlaf. Wir müssen morgen den ganzen Tag stehen.“

„Ich glaube, ich habe die schönsten Brüste der Welt“, sinnierte Zenka und knetete dabei ihre mächtigen Drüsenverpackungen. Dann zog sie ihre Brustwarzen leicht hoch, so weit, dass auch sie sie sehen konnte und sagte: „Ich finde diese Brustwarzen so geil. Das haben die bei uns im Dorf auch alle gefunden. Sogar die Frauen.“

In diesem Moment wurde Melinda klar, dass Zenka einen ganz gefährlichen Schaden hatte. „Hör auf mit dem Scheiß. Wir haben hier alle große Brüste, deswegen sind wir doch hier.“

„Ja, aber meine sind gigantisch! Ich muss jetzt nur noch jemanden finden, der mich schwängert. Ich möchte zu gerne sehen, wie da Milch rauskommt. Und wie viel? Mehr als ein Liter?“

„Bitte?“ Melinda konnte ihr Entsetzen kaum noch verbergen.

„Ja, Tante Sophie hat gesagt, dass das auch gut für die Fotos ist.“

„Was hat meine Mutter gesagt?“

„Das man mit Milch mehr Geld machen kann.“

Melinda konnte es nicht fassen. Was war denn in ihre erzkatholische Mutter gefahren? „Zenka! Hör auf so einen Unsinn zu reden und komm endlich ins Bett.“

Diese Aufforderung bereute Melinda eine Sekunde später, als Zenka tatsächlich zu ihr ins Bett stieg. Sie kniete noch immer nackt auf dem Bett und hielt Melinda ihre Brüste hin. „Willst du ein bisschen damit rumspielen?“

Melinda war sprachlos. „Oder hiermit?“ Die Zenka hatte anstößig ihr Becken vorschoben. Jetzt reichte es Melinda aber: „Raus hier!“ schrie sie Zenka an. „Von mir aus kannst du bei deiner Tante schlafen.“
Zenka kicherte belustigt und ließ sich nach vorn fallen. Melinda kam nicht schnell genug hoch, um zu verhindern, dass Zenka sie auf den Mund küsste. Sie drückte Zenkas Kopf zurück, die versuchte doch tatsächlich ihr die Zunge in den Hals zu schieben.

„Bist du verrückt?“

Zenka kapierte es einfach nicht. Sie kicherte immer noch. „Wollen wir ein bisschen toben?“

Mit aller Kraft stieß Melinda sie aus dem Bett. Zenka gurgelte vor Lachen als sie über den Teppich kugelte. Melinda sprang aus den Laken und stand gleich darauf über Zenka.

„Huuuuhuuu“, juchzte Zenka. „Warte! Gleich bin ich wieder oben!“

Aber Melinda ließ ihr für so etwas keine Zeit. Sie war richtig fuchtig und griff blitzartig mit beiden Händen fest nach Zenkas Zöpfen.

„Autsch! Auu! Meine Zöpfe!“

Doch das interessierte Melinda nicht. Zum Öffnen der Tür ließ sie einen Zopf los und zog ihre jammernde Cousine an dem anderen Zopf bis auf den Flur. Wozu waren solche Zöpfe sonst schon gut
„Was soll denn das?“ empörte sich Zenka. Doch statt einer Antwort knallte Melinda einfach die Tür hinter sich zu.

„Mach auf du Miststück. Ich habe nichts an.“

Aber Melinda hatte den Schlüssel schon umgedreht.

„Such dir einen anderen Schlafplatz“, rief sie und kehrte immer noch reichlich erregt in ihr Bett zurück.

Einige Minuten lang bollerte Zenka noch gegen die Tür und hatte allerlei Schimpfworte parat, einige sogar, die Melinda noch nie gehört hatte, die sich aber offensichtlich auf die primären Geschlechtsorgane irgendwelcher Tiere bezogen, dann schaltete sich Mutter Schreiber ein und regelte die Angelegenheit.

Am nächsten Morgen kamen Matze und Zenka fast zu spät aber irgendwie verdächtig gemeinsam zum Frühstück. Zenka grinste übers ganze Gesicht und Matze ging recht breitbeinig auf seinen angestammten Platz zu. Doch dort saß Mutter Schreiber und Matze musste Undines Stuhl nehmen.

Betty, die in dem Zimmer neben Matze geschlafen hatte, funkelte Melinda wütend an. „Wenn du dieses Dorfmonster schon mit Matze verkuppelst, dann kannst du wenigstens deine Mutter bei dir schlafen lassen. Ich will mein Zimmer wieder haben“, zischte sie während sie den Tisch abräumte. „Und darüber müssen wir uns sowieso noch unterhalten. Diese ganze Schreiber-Brut macht sich hier nicht weiter breit.“

„Da ist was dran“, mischte sich auch Undine ein. „Bei aller Liebe zur Verwandtschaft, aber die müssen wir ganz schnell wieder loswerden.“

„Und du kennst diese Dorftussen. Am Ende lässt die sich noch von dem Matze anpoppen. Wer weiß schon, wie blöd die ist? Er jedenfalls hat im Moment eindeutig was auf den Augen“, hakte Betty nochmal nach. Melinda sagte ihr nicht wie recht sie mit dieser Befürchtung hatte. Die Mädels sprachen ihr aus der Seele, auch wenn sie sonst nie einer Meinung waren. Die Zenka musste weg. Und am Besten ihre Mutter gleich mit.

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