Die G-Size WG

Der BH bei Ebay

Melinda räkelte sich auf dem roten Zweisitzer. Das Surfen im Netz machte sie müde. Sie wollte gerade den Laptop ausschalten, als sie auf die Idee kam bei Ebay noch ein wenig nach Klamotten für ihr nächstes Foto-Shooting zu suchen.

Sie hatte noch gar nicht überlegt, wonach sie eigentlich wirklich suchte, da sah sie in der Rubrik „Schnäppchen des Tages“ etwas, das sie unbedingt haben musste. Einen BH in der Größe 115 J! Das war genau ihre Größe! Aber es war ja nicht irgendein BH, sondern ein Doreen! Aber eigentlich gab es gar keinen Doreen in dieser Größe. Sonst hätte sie ihn ja längst gekauft. Schließlich hatte ihre Mutter immer Doreen getragen und seit sie ein Kind war wollte sie auch so einen BH. Aber ihre Brüste waren irgendwie schon immer zu groß, dafür. Jedenfalls seitdem sie überhaupt wieder BHs trug. Also was war das nun für ein BH?

Melinda las sich genervt den Text durch. Warum mussten die alle so klein schreiben. Sollte sie jetzt aufstehen und ihre Kontaktlinsen einlegen oder einfach nur ihre Notfallbrille aufsetzen?

Die Notfallbrille kam nicht in Frage. Wenn Betty das sieht, fängt die sofort wieder an zu lästern. Melinda lauschte. Nein Betty war in der Küche und telefonierte. Wie immer. Also schnell die Brille aufgesetzt.

Aha. Ein Notverkauf. Kochsalzkissen geplatzt und die arme Frau war wieder auf Körbchengröße D geschrumpft. Und der Doreen war nach originalen Schnittmustern handgefertigt. Was für ein Zufall und was für ein Glück. Melinda gab schnell ihr Gebot ein. Nur noch 2 Stunden und ihr Lieblings-BH gehörte ihr. Für immer. Und endlich mal nicht zwei Nummern zu klein.

„Na Brillenschlange, versuchst du wieder auf intellektuell zu machen?“ zickte Betty.

Melinda zuckte. Dieses Miststück. Sie riss sich die Brille runter und klappte den Laptop zu, ohne ihn auszuschalten.

„Nu hör mal auf Betty“, wies Matze seine Wildkatze zurecht. „Ich kann das echt nich mehr hörn.“

Matze gab ihr einen harten Klaps auf den Hintern und Betty kicherte neckisch. „So Mädels und nu seht zu, dass ihr eure Brüste eincremt. Aber ordentlich, wenn ich bitten darf. Morgen gibt’s Arbeit und da will ich keine trockene Haut oder Pickelchen sehen, klar!?“

„Hab ich sowieso nicht“, stellte Betty kokett klar. Melinda wuchtete sich vom Sofa hoch. Das war bei ihrer Vorlastigkeit manchmal gar nicht so einfach. Sie sagte nichts. Es hatte keinen Zweck mit Betty zu streiten.

„Ja, Mädel du auch!“ kommandierte Matze, als Betty nicht nach oben ging. „Ab zum eincremen.“

„Gleich Matze“, gab Betty zurück. „Undine ist ja noch gar nicht aus dem Bad. Ich komme gleich nach, okay?“

„Aber hurtig“, grunzte Matze, der es nicht leiden konnte, wenn seine Miezen ihm nicht gehorchten.

Betty kam auch bald darauf nach oben. Melinda war schon dabei Undines Brüste mit kreisenden Bewegungen und beiden Händen gründlich einzucremen. Matze bestand darauf, dass die Mädels sich gegenseitig eincremten. „Wenn du dich selbst eincremst, dann siehst du unter der Brust ja nichts. Wenn das jemand anderes macht, dann macht der das viel gründlicher“, erklärte er immer. Früher hatte Matze seine Mädels immer noch selbst eingecremt, aber inzwischen sah er nur noch dabei zu. Er hatte wohl einen Tennisarm oder so was zugezogen.

„Brauchst du keine Brille? Nachher übersiehst du was“, nervte Betty schon wieder los.

„Was kann man bei meinen Dingern schon übersehen?“ Undine war die einzige, die sich immer mit Betty anlegte. Selbst Matze ließ sich von Betty lieber mal was gefallen. Sonst konnte sich der Ärger ganz schnell ausweiten. Betty selbst konnte nämlich nicht gut einstecken.

„Zicke!“ sagte ausgerechnet Betty.

„Kümmer dich um deine eigenen Brüste“, gab Undine patzig zurück.

„Aber erst, nachdem du sie mir eingecremt hast.“ Betty steckte Undine die Zunge raus.

„Heute nicht“, sagte Undine, als sie die Zunge sah.

„Och Mädels, nu‘ aber“, versuchte Matze die Sache zu beenden. Nach einer Stunde eincremen war Matze zufrieden. „Wer macht Essen?“

Undine war dran mit Kochen. Das schmeckte zwar gewöhnlich nicht, aber Matze sah das nicht so eng. Jeder musste mal kochen. Außer Matze natürlich.

Nach dem Abendessen, es gab Spaghetti Bolo, wie immer wenn Undine kochte, schaute Melinda nach, was ihr BH von Ebay machte. Die Auktion war fast zu Ende. Noch drei, zwei, eins, aber nicht meins. „Verdammt“, fluchte Melinda. Sie war etwas zu spät gekommen und hatte keine Chance mehr ihr Gebot zu erhöhen.

„Welcher Idiot braucht schon so einen BH, außer mir?“ ärgerte sich Melinda.

„Na, wer könnte denn Betty-B sein?“ fragte Undine altklug, die ihr über die Schulter geschaut hatte. „Die hat das Ding jedenfalls erstanden.“

Melinda schnaufte wütend wie nach einem Marathon. Sie sprang auf und lief in die Küche von Betty spülte.

„Betty!“ kündigte sie schon im Türrahmen ihre Wut an. „Hast du Flittchen meinen BH ersteigert?“

Betty lachte und hielt ihr Geschirrhandtuch wie ein Torero vor sich. Man soll den Stier nicht reizen, dachte Melinda und ging auf sie los.

„Hey, hey. Ihr Beiden. Auseinander!“

Doch Matze konnte sich nicht durchsetzen. Und um erfolgreich dazwischen zu gehen fehlte es ihm an Größe und auch an Gewicht. Melinda schob Betty, die immer lachte, wie ein Schaufellader mit ihren Brüsten gegen die Küchenwand.
„Lass mich!“ rief Betty, die das immer noch lustig fand.
„Ich wird‘ dich mit meinen Titten erschlagen“, grunzte Melinda.
„Ich schlag zurück!“ drohte Betty.
„Das wäre wie ‘ne 38er gegen eine Magnum! Nur weiter, ich schau zu!“ flachste Undine, die sich das Spektakel keinesfalls entgehen lassen wollte. Melinda war schwer auf 180 zu bringen. Aber wenn, dann konnte man sie auch nicht einfach wieder beruhigen.

„Ich hab den für dich gekauft“, behauptet Betty, der an die Wand gepresst so langsam die Luft ausging. „Sollte ein Geschenk sein!“

Sofort machte Melinda einen Schritt zurück. „Echt?!“

„Was soll ich denn sonst mit dem riesigen Ding?“

„Also, worum geht’s denn hier überhaupt?“ wollte Matze verwirrt wissen.

„Um einen BH!“ riefen Melinda und Betty im Chor.

„Ach nee!“ Matze winkte gestresst ab. „Kommt dann macht das mal schön unter euch aus!“ Er nahm sich das Tuning-Magazin vom Tisch und verschwand Richtung Klo.

„Das ist aber nett von dir.“ Melinda war völlig gerührt und nahm Betty in die Arme. „Richtig nett.“ Sie gab ihr noch einen dicken Kuss.

„Tja, so bin ich halt!“ trompetete Betty fröhlich.

„Glaubst du das?“ fragte Undine, als Melinda sich wieder ins Wohnzimmer verzog.

Eine Woche später war es dann soweit. Betty überreichte Melinda ein Päckchen mit Schleife und in buntem Geschenkpapier verpackt.

„Der einzige Doreen in deiner Größe. Und nun gehört er dir!“

Dafür hätte sie Betty küssen können. Fast wären ihr Freudentränen gekommen. Melinda öffnete die Schachtel. Da war er: Ein Doreen Größe 115 J. Sie faltete, das weiße Brustkleid auseinander. Fantastisch. Aber wozu waren da zwei Löcher in der Mitte der Körbchen. Die sahen aus, wie herausgeschnitten.

„Das ist damit deine ewig harten Brustwarzen nicht so eingezwängt sind! Das habe ich gemacht“, freute sich Betty und machte auf dem Absatz kehrt.

Sie lief. Mit beiden Händen hielt sie ihre Brüste fest und lief so schnell sie konnte durch den Flur, die Treppe hoch und hoffte, dass sie noch ihr Zimmer erreicht. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Melinda ebenfalls ihre Brüste in Hand genommen hatte und unmittelbar hinter ihr war. Sie hörte ihr wütendes Grunzen. Und wenn sie sie erwischte, würde sie sie mit ihren Brüsten erschlagen, soviel war sicher.

Die G-Size WG (34) - © Copyright bei Ingolf Behrens, Hamburg, 2004. Alle Rechte vorbehalten.