Kapitel 4


Natürlich kamen sie zu früh. Mit Volker war man immer zu früh dran. Die Veranstaltung fand in dem Festsaal einer Dorfgaststätte in einem der unzähligen Vororte statt. Ländlicher, rustikaler Jagdstil. Furnierte Eiche. Ein ausgestopftes, halbes Wildschwein hing Hauer fletschend über der Eingangstür.

‚Symbolisch gesehen sehr passend‘, dachte Moni zufrieden.

Es waren noch kaum Gäste da. Volker stellte sie zwei seiner Kollegen vor und gab sie dann bei ihnen ab. Natürlich hatten die beiden mit keinerlei interessantem Gesprächsstoff aufzuwarten. Moni verzog sich bald an die Bar. Den ganzen Abend über sah sie Volker eigentlich nur noch von Ferne. Moni beobachtete ihn lange Zeit. Sie wartete nur darauf, dass er irgendeiner der Frauen, die bald in kleinen Grüppchen herumstanden, verdächtige Blicke zuwarf.

Langsam kam die Party in Schwung. Moni saß ziemlich allein an der Theke und sammelte leere Gin Tonic Gläser. Alle hier kannten sich irgendwoher und Moni wusste jetzt wieder, warum sie in den letzten Jahren nicht mehr mitgegangen war. Ein Mann Mitte 50 stellte ein weiteres leeres Glas zu den dreien, die bereits vor ihr den Tresen zierten.

„Noch zwei Gin Tonic bitte“, sagte er Mann zu dem Theker und wandte sich dann Moni zu: „Wie ich sehe, haben wir den gleichen Geschmack.“

Moni war versucht, knurrend zu grunzen. Sie hasste solch simple Anmachen. Andererseits war es ihr auch schon lange nicht passiert, dass ein Kerl versuchte, sie ganz offensichtlich anzubaggern. Aber so ein alter Bock? Na, sie war ja selber schon 42. Was war daran alt?

„Kann ich die Leeren abräumen?“ fragte der Theker.

„Jetzt, ja“ schnaubte Moni, die bis dahin die Gläser sorgfältig beisammen gehalten hatte.

„Na, dann Prost!“

Moni hob schweigend das Glas. Sie war nicht sicher, ob sie den Kerl loswerden wollte oder nicht. Bislang war er ja ganz nett.

„Vertreter oder Innendienst?“ fragte Moni, die beschlossenen hatte, dass ein kurzer Smalltalk ihr keinesfalls schaden konnte.

„Kunde.“

„Kunde?“

„Aber ja, ich bin nicht aus der Computerbranche. Ich mache in Mode. Und sie?“

„Ich mache in Spülen, Waschen und Einkaufen.“

Der Mann grinste breit und fröhlich.

„Krisensicheres Geschäft!“

Moni musste lachen. Er schien ein ganz netter Kerl zu sein.

„Bertrand, Frank, ist mein Name.“

„Monika Subowski.“

Sie gaben sich die Hand.

„Ist ein wirklich schönes Kleid, das sie da tragen. Wo haben sie es her?“

„Eine kleine Boutique in der Stadt.“ Moni wusste zwar den Namen, aber wollte ihn nicht nennen. Warum mussten diese Läden auch immer so dämliche Namen haben. ‚Dieses Kleid habe ich von ‚rund und schön‘.‘ Na besten Dank. Das machte solche Fragen zu potentiellen Zeitbomben

„Rund und schön?“

Moni spürte eine zarte Röte aufsteigen.

„Ja, ich glaube schon. Das war der Name.“

„Habe ich mir gedacht.“

Ach ja? Man konnte es also doch sehen, wo sie gewöhnlich einkaufte. Rund und schön, ja. Oder hatte sie den großen Werbeaufdruck auf dem Rücken übersehen? Moni überlegte noch, ob sie sich einen solchen Anflug von Unverschämtheit gefallen lassen sollte, und wenn nicht, was sie darauf antworten konnte. Bevor sie eine Entscheidung fällen konnte, tauchte wie aus dem Nichts eine 1,90, super gebaute Blondine neben ihr auf. Die griff verdächtig vertraut nach Franks Arm und lächelte ihn vielsagend an.

„Liebling, du musst mir helfen, ich kann diese ganzen Entscheidungen nicht allein fällen.“

„Oh, gleich“, sagte Frank und wandte sich gleich wieder Moni zu. „Das hier ist meine Frau Frauke.“ Er zog sie an seinem Arm ein wenig vor. „Und dies hier ist Monika Subowski.“

Prima! Der Kerl hatte vielleicht Nerven! Baggerte sie hier an, obwohl seine Frau nur 10 Meter weiter saß. Derartige Unverfrorenheiten waren typisch für diese Außendienstgelage. Ein weiterer Grund, hier nicht wieder herzukommen.
„Freut mich“, sagte Frauke und in ihrem Lächeln fehlte die ansonsten übliche, mitleidige Abschätzigkeit, die Frauen mit solchen Bombenfiguren sonst immer bei Monis Anblick absonderten.

„Hallo“, gab Moni ungewollt mürrisch zurück.

„Rund und schön?“

„Ja“, sagte Frank.

Was war das hier? Ein Jahrmarkt für Kuriositäten? Die beiden hatten wohl so eine Art Spiel entwickelt. Erst baggerte er dicke Frauen, die allein am Tresen sitzen, an. Dann tauchte sie plötzlich auf, demonstrierte mal eben ihre knackigen Kurven und dann machten sich beiden gemeinsam über das kleine, einsame Dickerchen lustig. Bestimmt zogen sie gleich unter schwerstem Gelächter an ihren Tisch ab. Langsam traten kleine Zornesadern an Monis sonst eher konturlosem Hals hervor. Der Countdown bis sie vor Wut platzte, war gerade bei vier ankommen.

„Wissen Sie, wir produzieren diese Kleider und haben sie erst letzte Woche ausgeliefert. Dass die ersten Exemplare jetzt schon am Körper einer hübschen Kundin zu sehen sind, werte ich eindeutig als Erfolg“, erklärte Frank.

Moni war mit der Erklärung nicht wirklich zufrieden.

„Oh ja, tut mir leid. Ich war in Gedanken. Ich meinte natürlich die Boutique, nicht Sie. Wo habe ich nur meinen Kopf, das ist mir wirklich sehr unangenehm.“

Moni sucht nach einem Anzeichen von Überheblichkeit oder Spott, fand aber keines. Nein, Frauke schien einfach nur nett zu sein. Ihre Entschuldigung war absolut ehrlich gemeint. Und außerdem war sie auch nicht wirklich schlank. Sie war nur groß und sehr vorteilhaft gekleidet. Andererseits war sie natürlich weit davon entfernt, unter die Rubrik ‚rund und schön‘ zu fallen.

„Ist schon gut“, brummte Moni, noch immer voller Misstrauen.

„Kommen Sie doch mit an unseren Tisch“ forderte sie Moni auf. „Mit den Geschäften sind wir gleich durch.“

„Ja, kommen Sie doch mit rüber.“

Moni zögerte, aber Frauke griff ihren Arm, zerrte sie fast von ihrem Barhocker und hakte sich bei ihr unter. Für eine Frau war Moni selber recht groß und mit hochhackigen Schuhen war sie nur noch etwas kleiner als Frauke. Allerdings war Frauke weit geübter auf ihren Pumps unterwegs und Moni hatte das Gefühl, immer ein wenig von ihr gezogen zu werden. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Frauke das gleiche Kleid in Rot trug. Vielleicht ein oder zwei Nummern kleiner. Schlimmstenfalls sechs. Das versöhnte sie ein wenig. Und obwohl es an ihrem Körper viel eleganter herunter floss als an Monis, stellte sie zufrieden fest, dass Frauke an der entscheidenden Stelle der Staudamm fehlte. Offenbar Grund genug für Frauke beim Gehen ein wenig ins Hohlkreuz zu fallen.

An besagtem Tisch saßen in fröhlicher Bierlaune einige Vertreter von Volkers Computerfirma zusammen. Frank stieg sofort in eine angeregte Diskussion über Preise und Liefertermine ein. Auch Frauke beteiligte sich interessiert an diesem Gespräch. Im Prinzip saß Moni hier genauso allein wie an der Bar. Nur, dass mehr Leute dabei waren.

„Gin Tonic?“ fragte Frauke nach einiger Zeit. Moni nickte. „Bleiben Sie sitzen, ich hole uns etwas. Ich glaube mit den Geschäften sind wir jetzt wirklich durch.“

Frank rückte auf den frei gewordenen Stuhl.

„Computer. Das ist eigentlich überhaupt nicht meine Sache, aber wir brauchen eine neue Anlage für unsere Buchhaltung. So ein Theater. Ich verstehe ja eigentlich nur die Hälfte dem, was die mir hier aufschwätzen wollen.“

„Ich hoffe, du hast dir das letzte Angebot schriftlich geben lassen?“ flüsterte Frauke und stellte drei Gin Tonic auf dem Tisch ab. „Morgen, wenn die wieder nüchtern sind, streiten die garantiert alles ab.“

„Liegt auf dem Tisch. Du kannst es ja noch einmal kontrollieren“, flüsterte Frank zurück. „Und halt mir doch die Kerle ein paar Minuten vom Leib, ja.“ Frank küsste seine Frau und sie nahm seinen Platz ein.

Moni begann die zwei zu mögen. Der schlechte Start an der Bar war fast vergessen. Frank hatte sie nicht anmachen wollen und Frauke wollte sich auch nicht über sie lustig machen, das war ihr inzwischen klar geworden.

„Also, dann erst mal Prost!“

Frank zog seinen Gin Tonic in einem Zug dreiviertel leer.

„Meine Frau und ich haben uns, wie gesagt, auf Mode auch in größeren Größen spezialisiert. Alles aktuelle, modische Kleider, die sonst nur in den gängigen Größen zu haben sind. Wir lassen die Sachen in Asien, wie soll ich sagen, ‚kopieren‘ und in Übergrößen produzieren. Daher unser Interesse an ihrem Kleid.“

„Verstehe“, sagte Moni und nippte an ihrem Glas.

„Der Markt wird ja immer breiter“, fuhr Frank fort und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Und wir expandieren sozusagen mit unserer Kundschaft.“

Das war bestimmt einer seiner Standardsprüche. Als Antwort auf diesen Kalauer warf Moni einen kurzen aber eindringlichen Blick auf seinen Bauch. Das mit dem Expandieren stimmte so gesehen wahrscheinlich. Für sein Alter hatte sich Frank einigermaßen in Form gehalten, aber mit einem Athleten in Topform war er wirklich nicht zu verwechseln.

„Geschäftlich gesehen“, grinste Frank. „Alles rein geschäftlich gesehen.“

„Sollte auch keine Anspielung sein.“

„Nein, ist schon klar. Aber worauf ich hinaus will, ist folgendes: Wir suchen Personal. Leute wie sie. Frauen mit hübschem Gesicht und kräftiger Figur, die unsere Produkte auch in der entsprechenden Größe tragen können. Ein bisschen was mit Ausstrahlung, damit wir unseren Kunden einen entsprechenden Eindruck von unseren Waren vermitteln können.“

„Außendienst?“

„Außendienst“, bestätigte Frank. „Natürlich nicht nur, aber ich kann es nicht leugnen. Es ist ein Außendienstjob.“

Moni hatte früher mal mit einem Avon-Koffer in der Hand Klinken geputzt. An diese Zeit hatte sie noch allerschlimmste Erinnerungen. Und diese Erinnerungen standen ausnahmsweise in keinerlei Zusammenhang mit ihrer Figur. Vertreter hatten offenbar den Stempel Freiwild auf Stirn. Jeder schubste einen rum und übte Druck aus. Die Kunden von der einen Seite, die Händler von der anderen. Und wenn man sich erst mal wegen so einer dämlichen Schminke mit der halben Verwandtschaft und Bekanntschaft in die Wolle gekriegt hatte, hatte man sehr schnell die Nase voll, von diesem Job.

„Sie wollen mir doch jetzt nicht etwa einen Job anbieten?“

„Warum nicht?“

Moni lachte und fingerte nach einem Zitronenkern in ihrem Glas. Der Kern hatte sie schon die ganze Zeit genervt, weil er immer auf und ab pendelte, wenn eines der Kohlensäure-Bläschen an ihm hängen blieb.
„Ich glaube kaum, dass das etwas für mich ist. Jeden Tag herumrennen bis die Füße bluten und das womöglich noch in solchen Schuhen.“

„Sie sind wie geschaffen für diese Tätigkeit, glauben Sie mir. Außerdem bekommen sie ein Auto, einen Firmenwagen. Das sind vielleicht 8­–10 Kunden, die sie täglich aufsuchen. Das wird ein Spaziergang, glauben Sie mir.“

„Ach ja?“

„Da trinken Sie nett Kaffee, quatschen ein bisschen und verkaufen das eine oder andere Stück. Manchen Interessenten geben Sie einfach nur die Bestellliste ab. Einzige Voraussetzung ist, dass sie nur Waren aus unserer Kollektion tragen. Die kriegen sie natürlich kostenlos zur Verfügung gestellt.“

„Klingt wirklich gut, aber ich habe so etwas ähnliches schon mal gemacht.“

„Sie haben es hier nicht mit irgendwelchen Hausfrauen zu tun, denen Sie im Sommer Heizdecken aufschwatzen müssen. Das sind alles smarte Geschäftsleute, die im Prinzip wissen, was sie wollen. Sie sollen nur demonstrieren, dass unser Produkt von einer Frau wie Ihnen auch getragen wird und einen Bestellschein ausfüllen“, fuhr Frank hartnäckig fort.

Er schien nicht locker lassen zu wollen. Dabei verstand Moni gar nicht, warum er sie unbedingt einstellen wollte. Irgendwo musste da doch ein Haken sein.

„Ich weiß nicht. Warum sollte ich das tun? Eigentlich bin ich doch gar nicht auf der Suche nach Arbeit.“

„Das habe ich vergessen. Sie haben ja einen krisensicheren Job. Aber erstens könnten Sie viel Geld sparen, für Kleider und Essen zum Beispiel. Und außerdem stellen wir Sie fest ein. Kein Provisionsrisiko.“

Das Wort krisensicher löste bei Moni ein undefinierbares Unbehagen aus. Sie schaute sich automatisch nach Volker um. Der saß mit drei Kollegen an einem Tisch und unterhielt sich angeregt. Ob ihr jetziger Job tatsächlich so krisensicher war, das würde sich erst noch herausstellen.

„Was wäre da so zu verdienen?“ fragte Moni beiläufig, denn da lag sicher der Hase im Pfeffer.

Frank drehte sich kurz zu seiner Frau und tuschelte mit ihr.

„Wir zahlen Ihnen 3200,– Euro brutto. Aber dazu kommen ja noch die Kleider und der Dienstwagen, also insgesamt gesehen …“

„Ist wirklich sehr verlockend“, vollendete Moni den Satz. Die Aussicht einmal für ihre Freude am Essen belohnt, statt bestraft zu werden, hatte zusätzlich einigen Reiz. Im Prinzip hätte sie froh sein können, wenn sie in ihrem Alter, mit ihrer Ausbildung überhaupt noch einmal Arbeit gekriegt hätte. Egal was sie dann bekäme, müsste sie sich sicherlich für die Hälfte krumm machen.

„Ich kann mich trotzdem nicht so richtig dafür erwärmen. Außerdem müsste ich darüber auch erst mit meinem Mann sprechen.“

Im Moment schien es Moni richtiger, ihre Ehe zu retten, bevor sie in Erwägung zog, sie durch einen Job noch weiter zu gefährden.

„Oh, klar! Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Aber warten Sie auch nicht zu lange. Hier ist meine Karte. Rufen Sie mich doch einfach an.“

Moni sah auf die Karte. Eindrucksvoll. Weiß, Grau, Gold, mit geprägten Buchstaben. „40 Plus. Mode in Sondergrößen.“ Hätte auch heißen können: „Mode für die hungrige Frau.“ Das Wort ‚tragbar‘ hätte ruhig irgendwo auftauchen können. Denn wenn die ganze Kollektion so war wie das Paillettenkleid, das Moni sich gekauft hatte, wäre das wirklich schick.

„Vielen Dank. Ich werde mich sicher mal melden“, sagte Moni. „Trinken wir noch einen?“ fragte sie dann mit einem Blick auf die leeren Gläser.

„Gern.“

„Und ihre Frau?“

„Frauke, noch einen GTO?“

Frauke nickte. Moni stand auf, um zur Theke zu gehen. Sie spürte bereits eine leichte Wirkung des Alkohols. Das Gehen auf den Pumps fiel ihr verblüffender Weise jetzt viel leichter als vorhin. Und ob das weiche Schaukeln der Hüfte von ihr gewollt war oder eine Wirkung des Alkohols, war nicht zu entscheiden.

Moni stellte fest, dass sie jede Menge Blicke auf sich zog. Sie konnte die Blicke nicht einordnen. Womöglich amüsierten sich die Kerle nur über die dicke Frau auf den spitzen Schuhen, die offensichtlich Schlagseite hatte. Volker war wohl der einzige Mann, der nicht einen Gedanken an sie zu verschwenden schien. Moni bestellte doppelte Gin Tonic. Sie wollte nicht ewig hin und her laufen, solange sie nicht sicher war, dass die Männer ihr aus Bewunderung nachschauten.

Während sie den nächsten Gin Toni in sich hineinschüttete, beobachtete Volker und sah sich nach den möglichen Konkurrentinnen um. Mit keiner von den durchaus attraktiven Frauen hier schien sich Volker mehr als üblich zu beschäftigen. Sie prüfte die Blicke der Frauen. Da war nichts. Keine von ihnen warf ein Auge auf ihn. Keiner schoss ihr blitzende, böse Blicke zu. Volker sprach die ganze Zeit über mit seinen Kollegen. Sonst geschah nichts.

Dennoch war Moni misstrauisch. Schließlich kümmerte sich ihr Mann auch nicht eine Minute um sie. Frank und Frauke waren wieder mit ihren Verhandlungen beschäftigt.

Moni beschloss, noch einen Gin Tonic an der Bar zu nehmen. Sie verabschiedete sich von Frank und Frauke und versprach, auf alle Fälle anzurufen. Auf dem Weg zur Theke ging sie an Volkers Tisch vorbei. Volker stellte ihr Christoph vor. Vertriebsleiter des Bereiches Süd. Keiner von beiden schien weiter an ihr interessiert und Volker machte keine Anzeichen, dass er nach Hause wollte. Also stand sie ein paar Minuten gelangweilt an Volkers Tisch herum und verzog sich dann an die Tränke.

*

Moni flößte sich viel zu schnell einen weiteren Gin ein. Sie wusste natürlich, dass es längst genug war. Doch was gab es sonst für sie zu tun? Sich mit den Außendienstlern unterhalten? Sie hatte keine Ahnung, wovon die redeten. Die Anekdoten und Histörchen, die sie schon ab 0,5 Promille von sich gaben, strotzen nur so von Anzüglichkeiten und Frivolitäten. Darauf hatte Moni nun gar keine Lust. Wenn sie noch ein wenig abgefüllter wäre vielleicht. Aber da müsste sie nun noch einiges nachtanken, bis sie tatsächlich soweit wäre, über solche Pointen zu lachen und über das gleichzeitige Antatschen und Po-Gekneife generös kichernd hinwegzusehen.

Sie konnte sich an einen Abend erinnern, das war jetzt wohl schon acht Jahre her, da hatte sie tatsächlich einen blauen Fleck nach einer solchen Spaßattacke gehabt. Warum glaubten diese Kerle bloß, dass ein blauer Fleck am Po ein Anzeichen dafür sein könnte, dass eine Frau sich amüsiert hatte?

Kaum fünf Minuten verbrachte sie alleine an der Bar, da stand auch schon ein blasser, blonder Jüngling vor ihr und grinste sie breit an.

„Hallo“, trompete er fröhlich los.

„Hallo“, erwiderte Moni.

„Jens Brockmann.“

„Außendienst?“

„Oh, nein. Ich arbeite im Lager.“

„Hmm“, Moni grunzte und konzentrierte sich wieder auf ihren Drink.

„Ist ein tolles Kleid“, sagte der Kleine.

Moni stellte fest, dass der junge Mann ihr mit gesenktem Kopf wie hypnotisiert auf die Augen starrte. Sie musste lachen und gönnte sich einen Spaß. Offenbar hatte sie doch schon genug getankt und das ‚wir sehen nicht unbedingt gut aus, aber wir sind alle unheimlich sexy‘-Niveau zu erreichen.

„Ja, aber hier und dort kneift es ein wenig.“ Sie rückte mit der freien Hand umständlich den Ausschnitt zurecht. Das war gut gerührt und nicht geschüttelt und keine Brust hatte ihre Stellung verlassen, aber für den Jungen sollte es wohl reichen. Tatsächlich sah der Kleine ihr zur Abwechslung ins Gesicht, und wie es bei blassen Menschen nun mal leicht passierte, überzog eine fleckige Röte seine Wangen. Das war vielleicht schon eine Spur zu direkt für ihn. Man durfte ja nicht außer Acht lassen, dass er nicht im Außendienst tätig war.

„Möchten Sie noch etwas trinken?“ fragte Jens aus dem Lager schnell und sah nach dem Theker.

„Gin Tonic“, sagte Moni und leerte das Glas. Er hatte schon wieder in ihren Ausschnitt geschielt. Die Blicke taten ihr gut. Nicht, dass der Knabe irgendein Interesse in ihr geweckt hätte, aber sie fühlte sich ausgesprochen wohl unter seinen Blicken. Außerdem war der Kleine harmlos.

„Arbeiten Sie in der Buchhaltung?“ wollte Sebastian wissen, nachdem sie angestoßen hatten.

Moni überlegte kurz. Wenn Sie jetzt ihren Mann ins Spiel brachte, würde der Kleine sicher vor Schreck einen Rückzieher machen. Sie schaute rüber zu Volker. Der würde sich auch weiterhin nicht um seine Frau kümmern. Nein, der Kleine sollte sie ruhig noch ein bisschen anhimmeln, das würde ihr wenigstens die Zeit vertreiben.

„Nein, ich arbeite im Außendienst“, log sie halb.

„Außendienst?“

Der Kleine schien überrascht.

„Ja, für einen Kunden hier.“

Der Junge verlor ihre Augen aber auch nicht einen Moment aus dem Blick. Wenn sie den Oberkörper nun langsam hin und her schwenkte, dann müsste der Kleine wohl unwillkürlich den Kopf schütteln. Moni dachte einen Moment lang ernsthaft daran, das auszuprobieren.

„Jetzt ist aber genug“, sagte Moni freundlich. „Wenn du eine Polaroid dabei hast, mach ein Bild von meinem Ausschnitt und nimm es mit nach Hause. Dann kann ich wenigstens meinen Gin in Ruhe genießen.“

„Entschuldigung“, stotterte der Kleine sofort wieder puterrot. „Ich wollte Sie nicht …“

„Ich habe ja nicht gesagt, dass du da nicht hingucken darfst. Ich denke nur, es sollte nicht alles sein, wofür du dich interessierst.“

Niemand hatte ihr das ‚Du‘ angeboten. Aber in diesem Fall hielt sie es durchaus für angemessen. Schließlich kannte der Kleine inzwischen jeden noch so winzigen Leberfleck auf ihren Brüsten. Was sollte sie ihn da noch groß ,Siezen‘?

„Schließlich bin ich kein Spielzeug für große Jungs.“

Vielleicht hatte sie den Kleinen jetzt zu hart angefasst. Er schwieg betreten und starrte an ihr vorbei ins Regal mit den Flaschen.

„Hey!“ rief sie und drehte sein Gesicht mit der Hand zu sich hinüber. „Ich bin nicht sauer, ich finde nur, du solltest auch wissen, welche Farben meine Augen haben, wenn du nachher nach Hause gehst.“

Der Kleine starrte ihr gezwungenermaßen ins Gesicht.

„Sie sind wunderschön!“ behauptete er durch den halb zerquetschten Mund. Moni ließ ihn los und grinste. Sie hatte nicht gemerkt, dass sie ihm dabei fast den Kiefer ausgerenkt hatte.

„Ich …“, setzte der Kleine zu weitergehenden und bestimmt nicht ganz ehrlichen Erklärungen an.

„Du stehst auf große Brüste“, verkürzte Moni das Elend.

„Ich finde Sie sehen einfach toll aus. Insgesamt meine ich.“

Moni bestellte zwei weitere Gin Tonics und wartete darauf, dass er noch mehr davon sagte. Gin Tonic entwickelte sich nachhaltig zu ihrem Lieblingsgetränk. Er ging genauso geölt die Kehle herunter, wie die Komplimente, die der Kleine ihr die nächsten zehn Minuten zu Hauf in ihren Ausschnitt schüttete. Es war ziemlich lange her, dass ein Mann, oder zumindest etwas, das mal einer werden wollte, ihr solche Sachen gesagt hatte. Das kribbelte mächtig in ihrem Bauch. – Nein, das war der Gin. – Genau genommen musste sie aufs Klo. – Das war wahrscheinlich alles.

„Du entschuldigst mich“, sagte sie und machte sich auf den Weg zu den Toiletten. Nach drei Schritten stellte sie fest, dass sie sich weniger auf das Wiegen in der Hüfte, als auf einen sicheren Tritt konzentrieren sollte. Sie musste sich eingestehen, dass sie breit war.

Nein, doch, sie war betrunken, aber nicht zu knapp. Unsicher sah sie vor dem Abstieg in die Kellergewölbe noch einmal zu dem Knaben zurück, ob er ihre mangelnde Standhaftigkeit wohl bemerkt hatte? Er saß vor seinem Gin und lächelte ihr nach. Sie lächelte ihm ebenfalls zu und war sich nicht mehr sicher, ob sich dieser kleine Scheißer gerade über sie lustig machte. Eine betrunkene, dicke, alte Frau, was glaubte sie eigentlich, was der Bengel von ihr wollte?

Sebastians Blick hatte sich auf einmal verändert. Er schien nachdenklich. Wahrscheinlich war er verschwunden, wenn sie wieder hochkam. Jetzt hatte er wohl doch gemerkt, dass Moni ziemlich betrunken war. Ihr Zeitgefühl hatte auch schon gelitten. Sie sah wieder auf die Stufen. Sie konnte hier unmöglich eine halbe Stunde oder länger auf dem Treppenabsatz zum Klo stehen bleiben und jungen Männer an der Bar zulächeln.

Die Toiletten waren unbeheizt und dementsprechend kalt. Sie brauchte reichlich lange, um ihr Kleid wieder zu Recht zu ziehen. Ewig blieben die Pailletten irgendwo hängen. Vor dem Spiegel kontrollierte sie ihre Haare und ihr Make-up. Die Tür zum Flur wurde vorsichtig geöffnet, und Jens stand in der Tür, die er schnell hinter sich wieder schloss.

„Was machst du denn hier? Das ist die Damentoilette!“

„Ich wollte nur nach Ihnen sehen.“

„Mit mir ist alles in Ordnung“, sagte Moni und wandte sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Jens schien nicht wieder gehen zu wollen.

„Ich dachte …“

„Ja?“

„Weil Sie so lange auf dem Treppenabsatz gewartet haben …“

Moni wollte gerade darauf hinweisen, dass sie keineswegs so betrunken wäre, wie sie vielleicht wirkte, als sie Jens im Spiegel betrachtete. Plötzlich brannte etwas heiß in ihrem Bauch und das war jetzt nicht der Gin. Sie drehte sich um. Wieso sollte sie auf dem Treppenabsatz gewartet haben? Glaubte dieser Minilüstling …

„Und was jetzt?“ fragte sie energisch.

Jens schwieg.

Das Brennen weitete sich aus. Der Kerl glaubte tatsächlich, dass sie hier mit ihm …

„Na gut“, sagte sie mit einem möglichst sachlichen Tonfall und zog die Träger des Kleides über Schultern. Jens lief noch röter an, als Moni es sich hätte bestenfalls vorstellen können. Sie lauschte. Auf dem Flur war alles ruhig. Sie knöpfte ihren BH auf.

„Das wolltest du doch sehen?!“

Jens sagte nichts, trat einen Schritt näher, legte seine Hände auf ihre Brüste und versenkte Sekunden später seinen Kopf zwischen ihnen. Er hatte Moni heftig gegen die Wand gedrängt und die kalten Kacheln auf ihrem nackten Rücken verursachten einen leichten Schauer. Er leckte ihre Brüste ab und schien etwas die Kontrolle zu verlieren. Moni sah auf ihn herab. Als seine Zunge zwischen ihren Brüsten bis hinauf an ihren Hals glitt, setzte das Brennen wieder stärker ein.
Sie hätte sich jetzt liebend gerne von irgendjemandem, so richtig … Für einen Moment hatte sie das kühle Flair, der gekachelten Umgebung verdrängt. Was zum Teufel war mit ihr los. Der Junge war höchstens 21. Und das hier war das Damen-Klo einer drittklassigen Kneipe.

Dann fühlte sie seine Hand, die unter ihr Kleid geglitten war und sich an ihrer Hose zu schaffen machte. Der kleine Spinner wollte sie tatsächlich hier und jetzt vögeln. Sie fing an nachzudenken. Das Brennen wurde dabei unweigerlich von Kälte des Ortes verdrängt. Als Jens endlich den Bund ihrer Hose gefunden hatte und versuchte sie herunterzuziehen, schob sie ihn sanft aber energisch weg. Aber er ließ nicht sofort nach. Stattdessen biss er ihr in die Brustwarze, die von der Kälte ganz hart war. Mit einem Schlag war sie wieder nüchtern. Das tat weh.

„Hör schon auf damit“, sagte Moni und schob ihn heftig beiseite.

Der Kleine sah sie verständnislos an. Er schien zu überlegen, ob sie das jetzt ernst meinte, oder …

„Das reicht jetzt“, sagte Moni energisch, und es war ihr unübersehbar todernst. „Das hier ist wirklich nicht der Ort und die Zeit …“

Das Rot in Jens Gesicht, rührte jetzt nicht mehr von eventuellen Peinlichkeiten her, sondern von Zorn.

„Blöde, frigide Vettel“, schrie er sie an.

Moni war sprachlos. Fast hätte sie ihrem Instinkt nachgegeben und dem Kleinen eine unvergessliche Ohrfeige verpasst.

„Fette Außendienstschlampe“, fügte der kleine Scheißer noch hinzu, als er die Tür zum Damen-Klo von außen wieder schloss. Oder besser gesagt zuschmiss. Moni war sofort klar. Eine saftige Ohrfeige, wäre das mindeste gewesen, was die kleine Ratte verdient hatte.

Moni konnte vor Staunen kaum den Mund schließen. Sie sah in den Spiegel und hätte augenblicklich losheulen können. Sie sah sich selbst reichlich verblödet dreinschauen, mit dem heruntergelassen Kleid und dem lose baumelnden BH und hätte ihr Spiegelbild am liebsten angespuckt. Sie hätte die Ohrfeige allemal verdient. Was heißt hier: Hätte? Sie hatte sie im Prinzip auch gekriegt. Wie hatte sie sich bloß auf so einen Schwachsinn einlassen können? Nicht genug damit, dass sie sich vor dem Bengel erniedrigte und sich betrank. Nein, sie nahm auch noch aus trunkener Eitelkeit diese dusseligen Komplimente ernst und ließ das Miststück an ihre Brüste ran! Sie musste ja wohl einen Knall haben, keine Frage. Mechanisch schloss sie den BH wieder. Schon wieder wurde die Tür zum Toilettenraum geöffnet. Er sollte es bloß nicht wagen noch mal zurückzukommen!

Frauke warf einen schnellen Blick zurück auf den Gang. Sie konnte diesen kleinen Scheißer nicht übersehen haben.

„Haben wir Besuch gehabt?“ fragte sie mit leicht schnippischem Unterton und beeilte sich, ohne auf eine Antwort zu warten, in eine der Kabinen zu kommen. Moni hätte sofort sterben können. Es wäre der schnellste Ausgang aus dieser verdammten Toilette gewesen. Nicht, dass sie es ernsthaft erwogen hätte, für Frauke und Frank zu arbeiten. Jedenfalls nicht, dass sie wüsste. Aber das konnte sie sich jetzt wohl sowieso abschminken. Das war der grausamste Abend, den sie seit langem erlebt hatte. Sie beschloss, dass es für Frauen wie sie einfach besser wäre, zu Hause vor der Glotze zu bleiben und über die Sesselränder zu quellen. Da konnten einem zumindest nicht solche Sachen passieren.

Sie sah die Träne, die sich in ihrem Augenwinkel aufbaute. Wenn sie jetzt auch noch anfing zu heulen, wäre alles vorbei. Sie versuchte sich zusammen zu reißen. Zog ihr Kleid wieder richtig an und stand wie angewurzelt vor ihrem Spiegelbild.
Frauke postierte sich unmittelbar neben ihr und richtete ihr Haar.

„Ganz schön jung, der Kleine“, sagte sie, ohne eigentliche Boshaftigkeit. „Na ja, die haben wenigstens noch Ausdauer.“

Moni sah hilflos zu, wie die schwarz gefärbte Träne eine Furche durch das Make-up zog. Sekunden später schwamm ihre gesamte Wimperntusche als kleiner, dunkler See um ihre Augen. Frauke starrte sie im Spiegel an. Moni starrte zurück. So einer Frau würde so etwas natürlich nie passieren. Gleich würde sie anfangen zu lachen. Sie würde sie ganz bestimmt auslachen. Sich von so einen kleinen Scheißer ins Bockshorn jagen zu lassen!

„Was ist los?“

Nie im Leben würde Moni ausgerechnet dieser Frau erzählen, dass sie sich gerade in diesem Moment wie ein Haufen Dreck fühlte.

Frauke legte den Arm um sie. Moni tat nichts, um das abzuwehren.

„Der Kerl war ein Arschloch, richtig?“

Moni nickte.

„Ich fühle mich wie ein Haufen Scheiße“, heulte sie wütend los. Sie wollte nicht jammern. Wenigstens ihre Tränen musste sie unterdrücken. Aber die hatten sich ihren Weg längst gebahnt und waren jetzt durch nichts mehr aufzuhalten.
Auf dem Flur war das Klackern von Absätzen zu hören. Jeden Moment musste die Tür aufgehen und eine gut zurechtgemachte Frau würde, schockiert von Monis peinlicher Darstellung, sie von oben bis unten mustern, abschätzig schauen und sich betont desinteressiert in eine der Kabinen verziehen.

„Komm mit“, sagte Frauke und zog Moni in die freie Kabine. Für sie beide war es reichlich eng. Aber das schien Frauke nichts auszumachen.

„Erzähl mir was los ist“, forderte sie und Moni legte ohne zu zögern los. Sie fing ganz vorne an. Da war erst mal Volker und sein mangelndes Interesse, dann der Gin Tonic und zu guter Letzt noch dieser kleine Bastard. Bis dahin war sie noch nicht vorgedrungen, als in der Nachbarkabine plötzlich geflucht wurde.

„Wenn ihr beiden euern Beziehungssalat mal für einen Moment unterbrechen könntet, hier ist kein Klopapier mehr“, kam es aus der Nachbarkabine.

Moni unterbrach ihren Redefluss, weil ihr plötzlich klar wurde, dass sie sich an einem öffentlichen Ort befand. Ihre Probleme mit Volker gingen schon Frauke eigentlich nichts an, aber unbekannte Frauen, die auf der Nachbartoilette hockten erst recht nicht.

„Hey!“

Aus der anderen Kabine wurde ungeduldig an die Zwischenwand geklopft.

Frauke griff nach der Klopapierrolle und deutete Moni an, dass sie aufstehen sollte. Frauke quetschte sich an ihr vorbei zur Kloschüssel. Dann betätigte sie die Spülung und tauchte die Rolle in das fließende Wasser ein. Gleich darauf flog sie im hohen Bogen über die Trennwand und klatschte klitschnass irgendwo auf der anderen Seite mit eine dumpfen ‚Platsch‘ auf.

„Verdammt, seid ihr verrückt geworden?“

Moni musste kichern. Erst dezent. Dann hysterisch. Die Kabinentür nebenan wurde aufgerissen. Man hörte kurze Trippelschritte, so als wenn sie nicht mal den Rock für die paar Meter hochgezogen hatte. Es trippelte bis zu dem Regal mit den Papierrollen und dann wieder zurück.

„Dämliches Lesbenpack!“ schimpfte die Nachbarin, als sie die Kabinentür wieder geschlossen hatte.

„Sei bloß ruhig, sonst kommen wir beide mal rüber und statten dir einen kleinen Freundschaftsbesuch ab“, sagte Frauke so sachlich, dass es schon bedrohlich wirkte.

Es war nicht unbedingt eine Flucht, aber die Tür der Nachbarkabine wurde nach dem Spülen ziemlich hektisch geöffnet und es waren ziemlich schnelle Schritte zu hören, die sich hinaus auf den Flur entfernten. Dann waren sie wieder allein. Moni erzählte Frauke alles, was sie bewegte. Mit jedem weiteren Wort schien sich ihre Laune ein wenig zu bessern. Und als sie endlich fertig war, fühlte sie sich zwar nicht wirklich gut, aber erleichtert.

Frauke hatte sich bislang kaum dazu geäußert. Und auch nachdem Moni ihr alles erzählt hatte, sagte sie lediglich, dass sie jetzt Monis Make-up wieder in Ordnung bringen würde. Moni saß geduldig auf dem Klodeckel und ließ sich von Frauke schminken. Als Frauke ihre Schminke wieder in ihrem Handtäschchen verstaute, stellte Moni fest, dass sie beinahe zu 100% wieder hergestellt war. Natürlich war Fraukes Make-up dunkler als ihres. Sie hätte aber auch wirklich daran denken können, dass man nicht geschminkt aus dem Haus ging und die wichtigsten Utensilien zum Ausbessern auf dem heimischen Nachttisch liegen ließ.

Frauke hakte sich bei ihr unter und gemeinsam verließen sie die Toilette. Moni ging folgsam wieder mit zu den Bertrands an den Tisch. Frank wollte ihr zu Begrüßung irgendetwas sagen, doch bevor er den Mund auch nur halb geöffnet hatte, sagte Frauke: „Lass sie in Ruhe.“ Frank schloss den Mund gehorsam und kommentarlos wieder.

„Möchtest du noch etwas trinken?“ fragte Frauke.

Moni schüttelte den Kopf.

„Soll ich dich nach Hause fahren?“

Moni schüttelte wieder den Kopf. Sie sah sich um. Der kleine Scheißer war nirgends zu sehen. Sie beschloss, dass das auch besser für ihn sein würde.

Eine lange halbe Stunde saß sie ziemlich schweigsam da, dann tauchte Volker endlich auf und nahm sie mit nach Hause. Moni versprach Frauke anzurufen und war jetzt sicher, dass sie das auch tun würde.


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