Monika Subwoski (3)

Auf die Plätz, fertig, los!

Kapitel 2


Donnerstags ohne Voranmeldung. Das war schlimmer als beim Arzt. Moni wusste wieder, warum sie so selten beim Friseur ihre Zeit vertat. Kein Termin frei, Wartezeit mindestens zwei Stunden, am besten aber erst Freitag gegen 14 Uhr. Der junge Angestellte tuschelte etwas mit seiner Kollegin, die Moni bediente.

„Ja, also wenn Sie sich etwas gedulden, könnte ich Sie vielleicht in der Mittagspause zwischenschieben.“

Zwischenschieben. Soweit war es also schon gekommen. Man schob sie zwischen. Moni hätte die Friseuse gern gefragt, ob sie aussähe, als ob man sie irgendwo zwischenschieben könnte.

„Aber gern“, antwortete Moni stattdessen höflich. Schließlich konnte ihr Plan, sich von Grund auf zu restaurieren, schon an diesem Punkt scheitern. Nur weil kein Friseurtermin frei war? Und wer weiß, vielleicht konnte sie sich später zu so einem Schritt nicht wieder aufraffen.

„Wenn Sie dann dort drüben Platz nehmen würden, Frau Subowski. Ich bringe Ihnen gleich einen Kaffee.“

Moni setzte sich und wühlte in dem Stapel Frauenzeitschriften, alle mit einem Sonderteil: Frisuren.

Es dauerte einige Zeit, bis es ihr merkwürdig vorkam, dass die Frau ihren Namen gewusst hatte. Sie hatte ihn doch gar nicht genannt. Gut, sie war schon einige Male hier gewesen, aber daran konnte sich wohl keiner der beiden erinnern. Sonst ging sie immer zu Monis Salon, nicht nur wegen der Namensgleichheit, sondern weil der auch am nächsten lag und deutlich preiswerter war.

Heute sollte es jedoch etwas Besonderes sein. Das war zwar eigentlich keine Frage des Preises, sondern ihrer Einstellung, aber es schien ihr sinnvoll mit der Einstellung auch den Friseur zu wechseln. Moni schob ihre Überlegungen kurzentschlossen beiseite. Sie hatte beim Herumblättern eine Frisur entdeckt, die sie auf den ersten Blick begeisterte. Ein eng anliegender Pagenschnitt, mit schnurgeradem Pony. Darauf hatte sie schlagartig Lust. Sie ließ das Foto nicht mehr aus den Augen, bis ihr Stuhl endlich frei wurde. Dann schob sie der Friseuse das Magazin hin.

„So soll es aussehen“, sagte sie.

„Hhhm.“

„Das geht doch, oder?“

Die Friseuse befühlte das Haar.

„Kann man schon so schneiden, aber mit solchem hellbraunen Haar wirkt das natürlich längst nicht so wie auf dem Bild.“

Moni schaute sich das Bild noch mal an. Sie war geradezu vernarrt in diese Frisur. Genau mit diesen Haaren konnte sie ihren Typ völlig ändern.

„Dann machen Sie sie schwarz.“

„Ich weiß nicht, ob …“

„Machen Sie es genau wie auf dem Bild und pechschwarz.“

„Sind Sie sicher? Ich habe hier noch …“

„Ich möchte es genauso wie auf dem Foto. Können Sie das machen, oder nicht?“

„Ja schon.“

„Dann tun Sie es!“

Die Frau sah sich hilfesuchend nach ihrem Kollegen um. Moni sah im Spiegel, wie der nur breit grinsend die Achseln hob. An so was war Moni gewöhnt. Außerdem hatte sie eine Ehe zu retten, da musste man schon mal was riskieren. Was wusste denn dieser fast haarlose Jüngling schon von solchen Dingen?

Aus dem Dazwischenschieben wurden, trotz einer zeternden alten Frau, die einen Termin hatte, zwei volle Stunden Arbeit. Die Friseuse machte ihre Sache gut und Moni war sehr zufrieden. Das war selten und jeden Preis wert.

Als sie den Friseur verließ, war sie in absoluter Hochlaune, ein erster und wichtiger Schritt war getan. Und es war besser gelaufen, als sie erwartet hatte.

Auf der Straße hatte sie natürlich das Gefühl, dass jeder ihre neue Frisur zu begutachten schien. Doch das war natürlich Unsinn. Niemand konnte wissen, dass es sich um ein neues Erscheinungsbild handelte. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass jeder ihren Haarschnitt eingehend betrachtete.

*

Als nächstes war ein Kleid dran. In ihrer Größe wurde das meistens zum Problem. In dieses neumodische Stretchzeug hätte sie sich vielleicht zur Not noch rein zwängen können, aber es stand ihr nicht. Es schnürte gern ihre kleinen Speckröllchen ein und betonte sie zudem noch ausnehmend unvorteilhaft. Irgendwie schwebte ihr auch etwas anderes vor, als sich in so ein Ganzkörperkondom zu quetschen und wie eine pralle Wurst durch die Stadt zu laufen.

Sie verschob die Angelegenheit auf später, als sie an der Unterwäsche-Abteilung vorbeikam. Das war das richtige. Eine Sanierung sollte immer beim Fundament anfangen. Also brauchte sie als erstes Mal neue Unterwäsche. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass sie Volker damit beeindrucken konnte, zurzeit ja gleich null war. Schon bald hatte sie einen seidigen, schwarz glänzenden Body gefunden, der ihr ausnehmend zusagte.

„Haben sie den auch in 95d?“

Die Verkäuferin sah Moni skeptisch an, so, als wenn sie gerade nach einer Kindergröße gefragt hätte. Die hatte ja gut gucken. Madame war jawohl mindestens ihre Kragenweite. Außerdem hatte sie weit fettere Beine als Moni.

Gerade ihre Beine fand Moni noch einigermaßen in Ordnung. Zumindest hatte sie verhältnismäßig schlanke Waden und Fesseln. An den Oberschenkeln hätte es gern etwas weniger sein können. Aber das hätte sich dann wohl doch nur an ihrem Bauch angesammelt. Und dort gab es weiß Gott genug davon. Das einzige, was sie davon abhielt, wie ein kleines rundes Fass auf Stelzen auszusehen, war ihre bedrohlich ausgeprägte Oberweite, die ihren Bauchumfang ein wenig relativierte.

„Nur in Haut und Weiß.“

Haut oder weiß! Für ihre Zwecke gänzlich ungeeignet. Aber Moni wollte sich nicht gleich abschrecken lassen. Sie mochte diesen Body und es gab da ja noch eine gewisse Größentoleranz.

„100 oder 90?“

Die Verkäuferin schüttelte den Kopf. „Da drüben ist ein ähnliches Modell in 95d. Das ist zwar in Schwarz vorrätig, aber da sind Strumpfhalter dran. Die können Sie ja abschneiden, dann haben sie im Prinzip dasselbe Modell wie dieses hier.“

Ja sicher, sie kaufte einen Body für gut 100 Euro, um dann mit der Schere daran herum zu schneiden und ewig kleine Fäden zu ziehen. Manche Verkäuferinnen hatten eindeutig einen Knall.

Eine mögliche Kaufentscheidung wartete die Verkäuferin gar nicht ab, sondern begann gleich wieder damit, die BHs auf der Stange nach Größen und Farben zu sortieren. Moni wollte ihre bis eben gute Laune nicht unnötig auf die Probe stellen und suchte ein Regal weiter nach dem angegebenen Modell. Zumindest hatte die Verkäuferin Recht, der Body war im Prinzip identisch und die Strumpfhalter brachten Moni auf eine Idee. Natürlich nicht, sie abzuschneiden.

Moni konnte es sich nicht verkneifen, ihrer gerade wieder gestiegenen Laune Ausdruck zu verleihen und der Verkäuferin doch noch eins auszuwischen.

„So, und jetzt suche ich noch etwas für mich, in 80b vielleicht“, sagte sie zu der Verkäuferin und erfreute sich an ihrem ungläubigen Blick. „Oder vielleicht doch lieber eine Bluse Größe 36?“ Sie wartete nicht, bis die Verkäuferin sich irgendeine Unverschämtheit dazu einfallen lassen konnte, sondern ging gleich zur Kasse. „Schon gut, ich nehme lieber die Bluse.“

Strümpfe hatte Moni noch nie getragen, sie fand aber, dass sie bei Frauen in Filmen ziemlich gut aussahen. Eine erotische Komponente, die in ihrer Situation durchaus Sinn machen konnte. Sie stellte sich vor, wie sie sich in dem Body und mit den Strümpfen lustvoll auf dem Sofa rekelte, wenn Volker nach Hause kam. Oder ihm womöglich in diesem Dress das Essen servierte. Na, das waren wohl eher schwere Geschütze, die sie immer noch auffahren konnte, wenn es wirklich brenzlig werden würde.

Strümpfe zu kaufen war ein deutlich geringeres Problem als sie erwartet hatte. Es gab nur drei Größen. Aber die Farbe machte ihr Schwierigkeiten. Ein Kleid war schließlich noch nicht gekauft. Also wusste sie auch nicht, welche Strümpfe dazu passen würden. Das Material fühlte sich gut an. In letzter Zeit hatte sie auch selten einmal Strumpfhosen getragen und wenn, dann dicke, blickdichte Baumwoll- oder Stretch-Strumpfhosen.

Früher war das anders gewesen. Warum hatte sie so lange auf solche Sachen verzichtet? Ein flüchtiger Blick in den Spiegel würde diese Frage wahrscheinlich brutal beantworten, aber das unterliess sie wohlweislich. Keine Zeit für Frustrationen. Sie kaufte Strümpfe in Schwarz, Haut und Anthrazit. Damit sollte sie für jede Eventualität gewappnet sein.

Ein Kleid war wohl überhaupt nicht das richtige, stellte Moni fest, als sie ein Schaufenster voller farbenfroher Kostüme begutachtete. Wahrscheinlich musste sie es mit einer deutlich jüngeren Konkurrentin aufnehmen. Das hieß ja nicht unbedingt, dass sie auf jünger machen musste. Wenn sie schon ihr Gewicht zu kaschieren versuchte, sollte sie wenigstens nicht auch noch versuchen, auf 20 zu machen. Das konnte schnell nach hinten losgehen. Moni kannte einen Laden, wo die Kostüme weit weniger farbintensiv, dafür aber umso größer waren.

*

Um das Probieren unter den kritischen Augen der Verkäuferin kam man leider nicht herum. Moni nahm sich reichlich Zeit und ignorierte stur alle Blicke, die sie womöglich in ihrer Entscheidung beeinflusst hätten. Zwei Kostüme kamen in die engere Wahl. Ein Tweed-Kostüm, bei dem das Jäckchen Falten warf.

„Ein bis zwei Abnäher hier und hier“, sagte die Verkäuferin und zupfte hinter Monis Rücken an der Jacke herum. Warum glaubten diese Verkäuferinnen bloß immer, dass, wenn sie ein teures Kleidungsstück kaufte, sie daran hinterher noch irgendwelche Feinarbeiten vornehmen wollte. Sah sie so aus, als ob sie daheim eine Nähstube unterhielt? Entweder das Kostüm passte oder nicht. Da würde nichts mehr dran herum geschneidert.

Das zweite Kostüm, das in Frage kam, war schwarz. Es war weit geschnitten war und fiel deshalb gut. Was natürlich bei dem Schnitt nicht weiter verwunderte. Moni wollte sich gerade dafür entscheiden, als sie auf einmal ein dunkelgraues Nadelstreifenkostüm entdeckte. Eng tailliertes Schößchen-Jackett und kurz geschlitzter knielanger Rock. Das war’s. Die Verkäuferin folgte ihrem Blick und schien wenig begeistert von der Vorstellung, Moni in diesem Kostüm zu sehen. ‚Pech gehabt, meine Liebe‘, schmetterte Moni diesen Blick in Gedanken ab.

„Ist das in meiner Größe da?“

„48? Ja, schon … aber, …“

Kein ‚aber‘, Moni probierte es an. Zugegeben, sie war in der Taille nicht eben zierlich, aber sie hatte ziemlich ausladende Hüften und das wiederum ließ sie zumindest von hinten mit dem Schößchen ziemlich gut aussehen. Vorne wölbte sich zwar ihr Bauch ein wenig zu sehr vor und störte den ansonsten guten Gesamteindruck, den ihr Spiegelbild machte. Aber wer sollte schon auf ihren Bauch schauen, wenn sie einen entsprechenden tiefen Ausschnitt trug. Sie würde schon eine Möglichkeit finden, die Blicke woanders hin zu dirigieren. Notfalls drehte sie sich eben öfter mal um.

„Das nehme ich.“

Es war entschieden das beste Kostüm, das sie hier ausprobiert hatte und selbst die Verkäuferin stimmte ihr nach der anfänglichen Skepsis zu.

Der Kaufrausch trieb Moni nun erst richtig voran. Schuhe. Nach quälenden Proben, wobei ein Stiefelknecht eher nachgab als sie, entschied sie sich für ein paar graue Wildlederpumps mit breitem Absatz. Aber hoch. Das war wichtig, weil sie der Anblick ihrer Beine in einem knielangen Rock sie sonst sicher zur Verzweiflung getrieben hätte. Mit hohen Schuhen aber, schienen die Beine länger, sie selbst größer, das Gewicht relativer und ihre Waden einfach nur schlanker.

So weit, so gut.

Bei den Kosmetika gab es wenigstens kein Größenproblem, folglich ging das relativ flott. Sie brauchte dringend einen matten, roten Lippenstift und helles, ganz helles Make-up. Zu den schwarzen Haaren. Wimperntusche? Die war mit Sicherheit eingetrocknet und Lidschatten. Stopp! Zurück zum Lippenstift. Den passenden Nagellack hatte sie vergessen.

Dann hatte sie alles. Ihre Füße taten weh und sie machte sich schwer beladen auf den Heimweg.

Volker war sicher schon zu Hause. Heute würde sie ihn wohl nicht mehr in ihrem neuen Outfit überraschen können.

Volker war nicht zu Hause.

Ein Zettel auf dem Küchentisch verriet ihr, dass er bereits zum Squash spielen gegangen war. Das war auch so eine neue Marotte. Squash! Erst war es einmal die Woche, dann immer öfter, jetzt ging er bald jeden zweiten Tag und einmal am Wochenende.

Moni regte sich nicht auf, sie verstaute ihre neuen Waffen im Schrank und fühlte den Hunger. Sie hatte den ganzen Tag über nichts, absolut nichts gegessen.

Zum Kochen war wirklich nicht mehr genug Zeit. Eine Pizza vom Bringdienst musste her. Die hatte sie sich heute auch verdient. 35 Minuten Lieferzeit, waren jedoch in ihrem derzeitigen Zustand eine echte Zumutung. Die Wartezeit vertrieb sie sich mit einem trockenen Brötchen und einigen Mixed Pickles.

Als Volker endlich nach Hause kam, fand er Moni vor dem Fernseher. Eine leere Pizzaverpackung lag vor ihr auf dem Tisch. Sie hatte sich die Haare gefärbt.

„Wie findest du es?“

Volker winkte müde ab. „Toll.“

Mit so einer Begeisterung hätte sie nicht gerechnet. Moni zog ihre rechte Augenbraue hoch. Das war früher immer ein unausgesprochenes Zeichen dafür gewesen, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Gewöhnlich fragte Volker dann nach.
Diesmal wartete Moni vergeblich.

„Wir müssen uns mal unterhalten“, erklärte sie mit angeschlagener Laune.

„Nicht jetzt bitte, ich bin müde.“

„Nicht jetzt? Von mir aus. Aber eins solltest du schon mal wissen. Ich habe mich entschlossen, morgen mitzukommen.“

„Mitzukommen, wohin?“ fragte Volker irritiert.

„Morgen ist doch das jährliche Treffen der Aussenvertreter, oder irre ich mich?“

„Ja sicher, aber du bist seit drei Jahren nicht mehr mit hin gegangen. Ich dachte: Die saufen nur und reißen dumme Zoten? Das wolltest du dir doch nie wieder antun!“

Moni knibbelte noch einen kleinen, angetrockneten Käserest aus der Pizzaschachtel. Das war schon richtig. Diese Treffen der Aussenvertreter waren der reinste Alptraum, aber was tat man nicht alles für seinen geliebten Mann.
„Ich glaube es wird Zeit, dass wir mal wieder zusammen ausgehen.“

Volker schüttelte verständnislos den Kopf.

„Und dafür hast du deine Haare schwarz gefärbt?“

„Nicht nur dafür“, antwortete sie prompt mit einem kokett, schelmischen Blick.

Diese Anspielung nahm Volker einfach gar nicht zu Kenntnis.

„Kommt jetzt ein bisschen überraschend!“, sagte Volker nach einer Pause und Moni fühlte, dass es ihm nicht recht war, wenn sie mitkam.

„Das ist doch kein Problem, oder?“

„Natürlich nicht. Nur, … Ich war nicht darauf eingestellt.“

„Du hast doch nicht schon jemanden anderes, mit dem du dahin gehen wolltest, oder?“

Volker sah alarmiert auf.

„Red doch keinen Unsinn, Moni!“

„Hört sich aber fast so an.“

Moni schürzte beleidigt die Lippen und legte ihr Schmollgesicht auf. Jetzt sollte er sich aber wirklich zu ihr aufs Sofa setzten und sie ein wenig in den Arm nehmen.

„Wenn du mitgehen willst, habe ich nichts dagegen. Ich bin nur überrascht.“

„In nächster Zeit wirst du noch so einige Überraschungen erleben.“

„Was ist denn jetzt wieder los.“

So hatte Moni das doch gar nicht gemeint, er sollte ja angenehm überrascht werden. Er sollte sich darauf freuen und es nicht als Drohung auffassen.

„Ich habe doch vorhin schon gesagt, wir müssen uns mal unterhalten. Einige Dinge in unserer Ehe laufen nicht so, wie sie sollten“, lenkte Moni auf seinen Tonfall ein und beobachte genau seine Reaktionen.

„Bitte Moni, es war ein anstrengender Tag, und …“

Er wollte sich drücken! Es war ihm wohl nicht so wichtig, dass er ihr wenigstens eine halbe Stunde Zeit opfern konnte. Na gut, aber ewig würde er damit nicht durchkommen: „Wir reden am Wochenende darüber, einverstanden?“

„Einverstanden.“

Volker ließ sie sitzen und ging ins Bett, ohne ihr wenigstens einen Gutenachtkuss zu geben. Auch diese kleinen Gesten des alltäglichen Wohlwollens gehörten längst der Vergangenheit an.

*

Moni blieb vor dem Fernseher hocken und dachte nach. Sie konnte Harald Schmidts Überlegungen, dass wohl außerirdische Diätenfresser die Regierungs­bank besetzt hielten und den Kanzler in die Fettsucht trieben nicht wirklich folgen. Trotzdem schaltete sie den Fernseher nicht ab. Das Geschehen auf der Mattscheibe plätscherte beruhigend an ihr vorbei.

Volker wollte sie nicht auf dem Fest haben. Womöglich hatte er ihre Nachfolgerin längst unter seinen Kollegen eingeführt. Vielleicht kannte sie bereits jeder in der Firma, und wenn sie morgen dort auftauchte, würde es hinter vorgehaltener Hand ein wüstes Getuschel geben. ‚Gott, die ist aber auch fett. Kein Wunder, dass er sich eine andere sucht.‘ Es konnte ja auch jemand aus der Firma sein. Vielleicht war ihre Konkurrentin auf dem Fest und Moni würde direkt ins offene Messer laufen.

Alle würden über sie lachen, wenn sie, natürlich ohne es zu wissen, munter mit ihrer Nachfolgerin plauderte und anstieß.

Jetzt war Moni sich überhaupt nicht mehr sicher, ob das wirklich so eine gute Idee war, auf diese Veranstaltung zu gehen.

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