Kapitel 13


Moni hatte keine Lust schon nach Hause zu fahren. Auf dem Rückweg machten sie einen Abstecher zu den Bertrands. Sie wusste, dass Frauke ihr die Idee Volker zu verlassen wieder ausreden würde. Vielleicht wollte sie das sogar. Wenn sie wirklich überzeugt wäre, dann hätte Frauke mit ihren Argumenten sicherlich keine Chance.

Frauke war nicht allein. Sie trug noch immer ihr Dirndl und im Wohnzimmer hingen drei zwergenwüchsige Asiaten auf dem Sofa herum und naschten Erdnüsse.

„Du siehst ja scheußlich aus“, sagte Frauke zur Begrüßung.

„Ich war ein wenig spazieren“, erklärte Moni ihren Aufzug.

„So kannst du aber nicht mitgehen.“

„Mitgehen? Wohin?“

„Die  Taiwaner haben sich entschieden noch einen Tag länger zu bleiben. Wir gehen aus. Hast du keine Lust mitzukommen.“

„Du hast schon wieder Kummer mit Volker, ja?“

„Nicht so richtig, eigentlich.“

„Komm, du ziehst dich schnell um und dann geht’s los. Die schlechte Laune werden wir dir schon austreiben.“

„Ah, Verstärkung! Gerade im richtigen Moment“, rief Frank, der mit einer Flasche Wein aus der Küche kam.

„Na gut“, sagte Moni. „Ich fahre schnell nach Hause und ziehe mich um.“

„Nicht nötig, du hast noch genug Sachen hier.“

„Aber die habe ich doch abgeholt.“

„Bis auf die Sachen aus der Wäsche! Sie liegen oben in deinem Zimmer und warten auf dich.“

Frauke begleitete sie in das Gästezimmer. Tatsächlich lag noch fast eine halbe Tasche Klamotten auf dem Bett. Moni hatte in letzter Zeit so viele Sachen angeschafft, dass sie etwas den Überblick verloren hatte.

„Die sind wirklich niedlich, diese Taiwaner. Die eine hat sich gestern so dermaßen viele Weißwürste reingehauen, dass er sich übergeben musste. Na, vielleicht konnte er auch das Bier nicht vertragen.“

Frauke kicherte und spielte nervös an den Perlen ihrer Kette herum. Irgendwie schien sie Moni heute anders als sonst.

„Warte ich helfe dir“, rief sie als Moni ihren BH ungeschickt hinter ihrem Rücken schließen wollte. „Warum machst du ihn nicht vorne zu und ziehst ihn dann herum?“

„Mmh, habe ich noch nie drüber nachgedacht“, erklärte Moni.

Frauke glitt der Häkchen-Verschluss aus der Hand und Monis BH baumelte lustlos, lose vor ihrer Brust herum. Bevor Moni nach den losen Enden greifen konnte hatte Frauke schon um sie herumgegriffen und mit geübtem Griff die Brüste wieder in die Halbschalen verfrachtet.

„Mann du hast vielleicht ein Holz vor der Hütten“, sagte sie und schloss den BH. „Da werden die Taiwaner aber orange Ohren kriegen.

Moni hörte gar nicht hin. In Gedanken war sie noch bei der Berührung ihrer Brüste durch Frauke. Nicht, dass es wirklich unangenehm gewesen wäre. Eigentlich war alles ganz normal, nur das Moni den Eindruck hatte, dass ihre Hand eine hundertstel Sekunde zu lange auf ihren Brüsten gelegen hatte. Doch wahrscheinlich bildete sie sich das ein. Es war das erste Mal, dass eine Frau sie dort berührt hatte, deswegen maß sie dem wohl zu viel Bedeutung bei. Frauke war eine wirklich gute Freundin, da war das schon in Ordnung, wenn sie ihr beim Anziehen half.

„Los geht’s“, rief Frank fröhlich, als Frauke und Moni untergehakt die Treppe herunterkamen. Die Taiwaner waren wie auf Befehl aufgestanden. Vielleicht hatten sie aber auch gar  nicht gesessen.

„Wohin?“ wollte Frauke wissen.

„Ins Bayerisch Zell. Das ist den Jungs nicht auszureden.“ Bei dem Wort ‚Bayerisch‘ grinsten die drei von einem Ohr zum anderen.

„Wirst sehen! Die laufen jedem Dirndl, wie hypnotisierte Meerschweinchen nach.“

Es war noch etwas früh fürs Bayerisch Zell, was jedoch die wenigen Gäste keineswegs vom Schunkeln zur Blasmusik abhalten konnte. Im Angebot waren Haxen, Kraut, Weißwürste und halbe Maß. Nichts wonach Moni jetzt der Sinn stand. Vorerst bestellte sie nur ein Weizen. Ganz nüchtern würde sie das hier bestimmt nicht ertragen können. Die Taiwaner saßen kaum, oder standen sie noch, da fingen sie auch schon mit dem Schunkeln an. Im Prinzip konnte diese naive Fröhlichkeit nur anstecken. Es dauerte vielleicht zwei Stunden und drei weitere Weizen und Moni schunkelte mit. Rechts und links je einen Taiwaner im Arm ging es hin und her, bis ihr übel wurde.

Sie hätte doch etwas essen sollen. Also bestellte sie sich vorsorglich eine Haxe mit Kraut. Die Taiwaner waren begeistert, als Moni herzhaft in die Haxe biss. Was daran so toll war blieb ihr schleierhaft, aber nach jedem Bissen rissen sich die beiden Taiwaner darum, ihr mit einer Papierserviette die Mundwinkel abzutupfen. Danach grölten sie jedes Mal vor Lachen. Der dritte Taiwaner fühlte sich dermaßen zurückgesetzt, dass er nach einiger Zeit aufstand und zu Moni herüber kam. Jetzt war er aber auch mal dran. Das war wie im Kindergarten. Darüber musste selbst Moni lachen.

Als der Abend später geworden war und Musik ein wenig zivilisierter ging das Tanzen los. Nicht, dass die Taiwaner irgendeine Ahnung vom Walzer oder irgendeinem anderen europäischen Standardtanz gehabt hätten. Sie hüpften um Moni herum, wie die Zwerge um Schneewittchen. Und bei einer schnellen Drehung musste sie achtgeben, die kleinen Kerle nicht loszulassen, sonst hätte sie wahrscheinlich einen unfreiwilligen Rekord im Hammerwurf aufgestellt. Es war selbstverständlich, das Moni führte, das asiatische Trio war willenlos fröhlich.

Auch Frauke musste tanzen. Da führte gar kein Weg drum herum. Wenn auch klein, so waren die Zwerge doch äußerst energisch, wenn darum ging ihren Willen zu bekunden. Frank blieb genüsslich grinsend auf der Bank sitzen und trank in Ruhe seinen Wein.

Frauke hatte wohl schon von gestern ausreichend Erfahrung mit den Taiwanern. Sie gingen ihr ja mit dem Kopf gerade über den Brustansatz. Daher hatte sie ihre Hand beim Tanzen auch nicht auf den Rücken ihres Partners gelegt sondern auf ihren Hinterkopf. Als Moni nach einer flotten Drehung zu ihr hinüber sah, tunkte sie ihren Taiwaner mit flachen Nasen in Spalte zwischen ihre hochgezurrten Brüste. Dabei kicherte sie anstößig. Der Taiwaner schien begeistert. Nach der nächsten Drehung zwinkert Frauke ihr zu und signalisierte, dass sie das doch auch mal zu probieren. Moni dachte gar nicht daran, jetzt irgendwelche gelben Stubsnasen in ihr Dekolleté zu pressen. Sie sah rüber zu Frank. Der war einfach nur fröhlich und schien nicht zu bemerken, was seine Frau da schon wieder trieb.
Monis momentaner Partner steckte seine Nase auf einmal ganz von selbst in Sachen, die ihn nichts angingen. Sie zog seinen Kopf wenig feinfühlig zurück und fand sein breites Grinsen völlig unangebracht. Energisch schüttelte sie den Kopf und überlegte, ob sie ihm das gleiche Signal noch mal mit dem erhobenen Zeigefinger deutlich machen sollte.

Kaum hatte sie seinen Kopf wieder losgelassen, war seine Nase wieder da, wo sie nicht hingehörte. Moni brach den Tanz ab. Für die anderen beiden Taiwaner war sie damit anscheinend auch gestorben. Sie setzte sich zu Frank und bestellte ein weiteres Weizen. Keiner forderte sie in der nächsten Stunde zum Tanzen auf.

„Findest du das eigentlich gut, was Frauke da macht?“

„Wenn es ihr nichts ausmacht?“ Frank zuckte die Achseln und Frauke schien es wirklich nichts auszumachen. Sie amüsierte sich  köstlich. „Dann kann es nur gut fürs Geschäft sein.“

„Tolle Einstellung.“

„Was willst du, Moni? Warum siehst du immer alles so eng?“

„Ich sehe das nicht eng. Aber ich muss doch meine Geschäfte nicht mit den Brüsten machen.“

„Da bin ich mir gar nicht so sicher“, sagte Frank mit einem unverschämten Blick auf Monis Oberkörper.

„Frank!“

„War ja nicht so gemeint!“ entschuldigte er sofort. „Aber manchmal siehst du das alles wirklich ein bisschen zu eng.“

Damit konnte er Recht haben. Doch war sie wohl nicht die einzige hier, die das alles etwas enger sah. Eine der Bedienungen hatte gerade dem übereifrigsten Taiwaner eine kräftige Ohrfeige verpasst, nachdem er versucht hatte einen kleinen Weißwurstrest in ihren Ausschnitt zu werfen. In daraufhin entstehenden Tumult machte sich ein vollbärtiger Riese in Krachledernen daran, für Ordnung zu sorgen. Frank war ebenfalls sofort aufgesprungen und ging dazwischen. Er diskutierte kurz mit dem Riesen, der sich durch das fortgesetzte Grinsen, des Davids vor ihm provoziert fühlte. Minuten später hatte Frank die Zeche bezahlt und sie standen allesamt vor dem Lokal und suchten ihr Auto.

Ein Taiwaner sprang wild gestikulierend auf und ab.

„Nein, da gehen wir jetzt nicht wieder rein“, erklärte Frank energisch. Doch der kleine Kerl gab nicht auf unverständliches Zeug zu rufen.

„Da ist Auto“, übersetzte der einzige von den dreien, der Deutsch konnte. Und er hatte Recht. Auf der anderen Straßenseite fuhr gerade ein Abschleppwagen mit Franks Auto auf dem Haken Richtung Berliner Tor.

„Das war’s dann ja wohl“, rief Frank genervt und winkte nach einem Taxi. Er setzte die drei in den Wagen und gab dem Fahrer die Adresse ihres Hotels.

„Wäre mir lieber, dass keiner von denen Deutsch könnte. Die müssen morgen unbedingt ihr Flugzeug erreichen“, sagte Frank und sah dem Taxi nach. „Lasst uns von hier verschwinden, bevor wir mitkriegen, wohin die abbiegen. Dann müssen wir nämlich hinterher und uns um sie kümmern."

Irgendetwas lag hier in der Luft. Frank und Frauke hatten die Fahrt über kaum gesprochen. Wahrscheinlich stand ein Ehekrach bevor. Moni wollte sich verabschieden. Doch Frank drängte darauf wenigstens noch einen Gin Tonic auf diesen rundum gelungenen Abgang zu trinken. Wenn Frauke nicht ebenfalls gedrängt hätte, wäre Moni gegangen. Aber vielleicht wollten die beiden nicht allein sein, um dem drohenden Krach zu entgehen.

Frauke verschwand in der Küche und mixte die Drinks. Frank setzte sich neben sie aufs Sofa.

„Du siehst heute wirklich wieder zum Anbeißen aus“, säuselte Frank ohne Vorwarnung.

„Hör auf mit mir zu flirten, wenn du Krach mit Frauke hast!“

„Ich hab gar keinen Krach mit Frauke“, behauptete Frank.

Frauke kam zurück und stellte die Gläser auf den Tisch.

„Sag deinem Mann, er soll aufhören mit mir zu flirten“, sagte Moni patzig.

„Warum? Wenn er da Lust zu hat? Soll er doch. Ich muss mich jetzt erst mal aus dieser Zwangsjacke befreien. Bestimmt habe ich schon überall Abdrücke in der Haut.“

Frauke ließ sie gleich wieder mit Frank allein. Das war Moni im Moment gar nicht recht.

„Hoch die Tassen“, prostete Frank ihr zu.

„Hoch die Tassen“, wiederholte Moni. Wenn er trank konnte er ihr wenigstens keine Komplimente machen.

Das war keine gute Idee, merkte Moni nach dem ersten Schluck. Gin Tonic auf Weizenbier! Da konnte man gleich Öl ins Feuer gießen und genau das fühlte sie bei dem ersten Schluck. Der Gin schoss ihr wie eine Fontäne in den Kopf. Langsam setzte sie das Glas ab. Sie war von einer Sekunde auf die andere unzurechnungsfähig.

„Alles in Ordnung?“, fragte Frank besorgt.

„Ja, ja“, antwortete Moni und atmete tief durch.

„Findest du mich eigentlich unattraktiv?“

„Nein, nein“, sagte Moni beiläufig und dachte nur daran, dass ihr Kopf wieder klar werden musste.

„Könnte man fast meinen, so wie du immer auf mein Werben reagierst?“

Allmählich ließ der Hammerschlag nach und Moni konnte dem Gespräch wieder einigermaßen folgen.

„Hör auf Frank, du bist verheiratet.“

„Wenn ich nicht verheiratet wäre, dann käme ich also in die nähere Wahl, ja?“

„Kann schon sein. Du bist aber nun mal verheiratet.“

Der kurzzeitige Nebel hatte sich gelichtet, jetzt fühlt Moni sich pudelwohl.

„Also bin ich nun dein Typ, oder nicht?“

Moni sah keinen Sinn darin zu lügen, zumal mit Frank eh niemals etwas passieren würde, schon wegen Frauke nicht.

„Ja, du bist mein Typ“, sagte sie kurz entschlossen. „Und wenn du nicht verheiratet wärst, würde ich jetzt über dich herfallen!“

Warum sie diesen Satz noch nachgeschoben hatte, wusste sie nicht. Das war kompletter Unsinn. Sie war betrunken, soviel war sicher. Sie musste sofort gehen, oder sie würde anfangen Blödsinn zu reden.

„Dann sollten wir wenigstens Brüderschaft trinken. Das ist ja wohl das mindeste.“

Frank reichte ihr das Glas. Ihr war grad’ überhaupt nicht nach trinken zumute.

Frank stieß an und hielt den Arm vor. Moni sah auf das Glas, das sich überraschend in ihrer Hand fand und kreuzte dann mechanisch seinen Arm. Sie tranken einen kräftigen Schluck und dann küsste Frank sie auf den Mund.

„Na, das ging aber flott! Ich bin doch gerade erst aus dem Zimmer gegangen“, rief Frauke von hinten.

Moni stieg die Schamesröte ins Gesicht.

„Wir haben nur Brüderschaft getrunken, sonst nichts“, erklärte Frank.

„Ach so. Na dann, …“, sagte Frauke spitz und setzte sich auf die andere Seite neben Moni aufs Sofa. „… dann wirst du ja wohl mit mir ebenfalls Brüderschaft trinken.“

Moni stieß ohne nachzudenken mit ihr an. Auch, dass Frauke ihr beim folgenden Kuss die Zunge in den Mund schob registrierte sie zwar, aber nahm es einfach so hin. Im Moment war sie völlig durch den Wind. Sie merkte nicht mal, dass Frauke und Frank beide aufgestanden waren und sie im nächsten Moment allein auf dem Sofa saß.

Das erste, was sie wieder deutlich wahrnahm, war das Geräusch, das die Ginflasche  auf dem Glastisch verursachte. Dann kam eine Flut von Informationen hinzu. Die beiden saßen wieder neben ihr. Das Licht war dunkler als sonst und flackerte. Ihr Gin-Glas war ganz voll. Frauke trug offensichtlich nur einen Morgenmantel. Und es musste etwas zu bedeuten haben, dass sie sich zu dritt auf das Sofa quetschten, während die beiden Sessel und das kleine Zweiersofa frei waren. Wieso quetschten sie sich überhaupt? Das Sofa war groß genug für vier Erwachsene Menschen. Dann entdeckte Moni die Hand. Sie gehörte Frauke und lag auf der Innenseite ihres Schenkels. Sie sah Frauke an. Sie hatte einen sehr eigenwilligen Blick. Oder konnte Moni nicht mehr richtig gucken?

Da war aber noch eine Hand. Die gehörte Frank und lag auf ihrer Brust. Sie wollte eigentlich etwas sagen, aber als sie sich zu Frank drehte berührte ihre Nasenspitze seine.

Er würde sie jeden Moment küssen, das war ihr gleich klar. Sie musste aufs Klo, sofort. Aber sie konnte unmöglich aufstehen. Sie presste die Beine zusammen und die Hand die sie dabei einklemmte verursachte einen leichten Schauer. Sie hatte eine Gänsehaut auf dem ganzen Körper.

Moni versuchte sich zu beruhigen und klar zu denken. Noch war nichts passiert, sie durfte auf keinen Fall Frank küssen, dann wäre alles in Ordnung. In zwei Minuten wäre der Spuk vorbei. Dann könnte sie wieder aufstehen und alles wäre vergessen. Sie spürte, dass Frank seine Zunge wieder aus ihrem Mund ziehen wollte und saugte sich daran magnetisch fest. Sonst tat sie nichts. Es war nicht ihre Schuld. Sie tat wirklich nichts. Sie hielt nur Franks Kopf fest, weil er sonst vielleicht doch noch die Zunge aus ihrem Mund gekriegt hätte.

Eine leise Stimme flüsterte ihren Namen in ihr Ohr. Was wollte Frauke, sie hatte das doch mit angezettelt. Frauke Hand glitt an ihrem Oberschenkel hinauf. Moni klemmte die Beine fest zusammen. Frank küsste gut. Und wenn man sie schon in so eine Lage brachte wollte sie auch etwas davon haben. Plötzlich begann Frauke an Moni herum zu zerren. Wenn sie jetzt plötzlich wollte, dass Moni aufhörte, hatte sie sich geschnitten. Sie würde solange mit Frank knutschen, bis sie satt war. Aber Frauke wollte gar nicht das Moni aufhörte, sie hatte nur begonnen, sie auszuziehen. Das wiederum wollte Moni eigentlich nicht. Aber ihr blieb keine Wahl, denn andererseits wollte sie auch Frank nicht loslassen.

Es dauerte nicht lange bis Moni wusste, dass sie ganz nackt war. Auch Frauke hatte ihren Morgenmantel ausgezogen. Moni spürte ihre Haut auf ihrem Rücken. Frauke hatte sich hinter sie gesetzt und mit beiden Händen nach ihren Brüsten gegriffen. Also habe ich mich vorhin doch nicht geirrt, schoss es Moni durch den Kopf. Ein falscher Gedanke und Frank hatte sich von ihr gelöst. Er stand vor ihr und begann sich zu entkleiden. Frauke knabberte derweil an ihrem Ohr herum und schlang plötzlich ihre Biene um Monis Oberschenkel. Sie klebte an ihr wie ein Käfer auf dem Rücken.

Die paar Sekunden hatten gereicht und Moni wusste, dass alles was sie hier tat Blödsinn war. Das hatte alles nichts mit ihr zu tun. Sie wollte das gar nicht. Als Frank seine Unterhose zu Boden gleiten ließ, dachte Moni aus heiterem Himmel daran, das Volker jetzt begeistert wäre. Frank war besser bestückt, als Moni jemals jemanden gesehen hatte. Warum schoss ihr bloß Volker in den Kopf? Am liebsten wäre sie aufgestanden und gegangen. Sie hätte Frank niemals küssen dürfen. Das war ein Fehler gewesen. Aber das hatte sie nun mal gebraucht. Was jetzt kam war mehr oder weniger die Konsequenz.

Moni war schon viel zu weit gegangen. Von hier an regelte der Hormonspiegel alle weiteren Entscheidungen. Und Franks Schwanz war nicht geeignet ihren Hormonspiegel maßgeblich zu senken. Daher wunderte sich Moni nicht, als sie ihn auf einmal in der Hand und Sekunden später im Mund hatte.

Doch blieb er aber nicht lange, denn sie hatte Frauke vergessen. Die zog sie mit ziemlicher Kraft wieder zurück und ihre Beine schoben blitzschnell Monis Schenkel auseinander. Frank lag flugs auf ihr und küsste sie wenigstens noch einmal, bevor das kam, was Monis Hormone verrauchen ließ.

Von einer Sekunde zur nächsten war anstelle jeglicher Erregung nichts weiter als ein leichtes, aber nicht unangenehmes vaginales Völlegefühl zurückgeblieben. Frank küsste ihre Brüste, das war an sich nichts schlimmes, aber was Frauke sagte war es.

„Nimm meine Brüste!“ zischte sie fortwährend und hielt ihm statt ihrer die von Moni hin. Moni wurde schlagartig nüchtern. Sie fühlte sich wie ein Abziehbild, wie eine Papierfigur, die zwei Leute beim Vögeln zwischen sich geschoben hatten.

Eigentlich schlief Frank gerade mit Frauke und nicht mit ihr. Er benutzte dabei nur ihren Körper. Wahrscheinlich weil sie größere Brüste hatte, oder womöglich, weil sie dicker war. Wer wollte das wissen? Frauke schien das ähnlich so zu sehen.

‚Das war’s ja wohl‘, dachte Moni und wartet geduldig, das Ende dieser perversen Nummer ab.

Als Frank sich erschöpft zu Boden sacken ließ, war Moni emotional längst nach Australien ausgewandert. Das alles war ihr völlig schnurz. Als Frauke ihr auch noch ein ‚Danke‘ ins Ohr hauchte, hätte sich eigentlich ein Brechreiz einstellen müssen. Aber Moni registrierte zufrieden, dass diese Zeiten vorbei waren. Sie stellte sich längst nicht mehr so an wie früher. Inzwischen war sie abgehärtet.

Kommentarlos sammelte sie ihre Sachen vom Boden auf und ging aufs Klo. Jetzt war aber Schluss. Sie wollte nichts weiter, als einen normalen Mann, der sie liebte und es ihr hin und wieder besorgte. Das war alles. Und wo wachte sie morgens auf? In einem Irrenhaus. Voller schwuler S/M Tucken, voller Voyeuristen und perverser Freunde denen sie als Bumskörper dienen soll. Aus!

„Schluss. Aus. Und vorbei!“ rief sie noch einmal zur Bekräftigung, als sie durch das Wohnzimmer zur Haustür stürmte.

„Moni!“

Frank blieb mit glasigen Augen und einem Gin Tonic in der Hand auf dem Teppich sitzen. Aber Frauke lief Moni nach.

„Moni!“

Moni dachte gar nicht daran sich umzudrehen.

„Moni!“ rief Frauke noch mal. Eine Hand hatte Monis Schulter festgehalten. Frauke stand mit offenen Bademantel halb entblößt vor ihr auf der dunklen Straße.

„Es tut mir leid“, sagte sie und meinte es ganz bestimmt ehrlich.

„Ist schon gut“, sagte Moni seelenruhig. „Ich suche mir einen anderen Job.“

„Das brauchst du nicht! Wirklich nicht.“

Gleich fing sie an zu heulen. Sie fing an zu heulen! Moni hätte heulen sollen.

„Das kommt nicht wieder vor, ehrlich!“

„Einmal ist mehr als genug“, sagte Moni. Ihr Verstand hatte jetzt, betrunken hin oder her, die totale Herrschaft übernommen.

„Moni, du bist meine beste Freundin!“ Jetzt heulte sie wirklich. „Verdammt meinst du, das wäre sonst passiert. Meinst ich würde andere Frauen an meinen Mann lassen.“

„Was weiß ich?!“ sagte Moni trocken und drehte sich um.

„Moni, verdammt!“ kreischte Frauke.

Jeden Moment musste die gesamte Nachbarschaft an den Fenstern stehen, und nur die wirklich Dummen würden Licht anmachen.

Moni drehte den Schlüssel und ließ die Autotür aufschnappen.

„Moni, ich liebe dich!“

„Vorsicht!“ schrie es in Monis Kopf. So was hörst du gar nicht. Über so was denkst du gar nicht erst nach.

Sie stieg ein und schlug die Tür. Sie hatte es gehört und sie würde darüber nachdenken und vielleicht würde sie eines Tages über diese Nacht mal anders denken. Aber jetzt herrschte hier der Verstand und der brachte sie erst mal sicher nach Hause.

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