Eva

Der Zorn des Bischofs

Eva & der Zorn des Bischofs


Wenigstens der Abend in Maspalomas war so verlaufen, wie Eva es sich vorgestellt hatte. Gut, es war etwas mehr Rotwein geflossen, als es gut für Eva’s Synapsen war, aber sie hatte festgestellt, dass sie Katja richtig gerne mochte und sie schon am ersten Tag eine Freundin in der Fremde gefunden.

Sehr gut war auch, dass sie bei Katjas Tante übernachtet hatten. Das hatte Geld gespart, welches dann der Wein jedoch gleich wieder wegschwemmt hatte. Immerhin besser, als wenn sie beides hätte bezahlen müssen.

Neuer Tag, neues Glück. Der Besuch einer Bank hatte heute absolute Priorität. Um einen guten Eindruck zu machen, hatte Eva sich von Katja Tante einige Sachen geliehen. Auch, wenn die etwas zu groß waren.

Katja war geradezu übermütig gut gelaunt. Ein wahrhaft sonniges Gemüt, das sich automatisch dem Wetter anzupassen schien und hier genau am richtigen Flecken Erde war. Eigentlich hätte sie zum Dienst gemusst, meldete sich aber krank, weil sie viel zu neugierig war, was Eva heute treiben würde und wie die Sache mit diesem Heinz laufen würde. Sie witterte dort ihre ganz große Chance.

Banken waren Banken, überall auf der Welt. Und Schalterfuzzis blieben Schalterfuzzis selbst im Dschungel von Jakarta. Was Wunder, dass Eva natürlich kein Konto eröffnen konnte, nicht ohne Arbeitsvertrag oder zumindest einem festen Wohnsitz. Nun, den festen Wohnsitz wollte Eva ja gerade mit dem Geld erwerben. Ein Catch 22, wie immer, wenn man mit den Fuzzis zu tun hatte.

Gott sei Dank bot die Tante von Katja an, sie vorerst zur Untermiete aufzunehmen. Dann könnte sie einen festen Wohnsitz angeben und endlich ihr Geld bekommen.

Das Einwohnermeldeamt war natürlich nicht in Maspalomas sondern in Las Palmas. Wie auch anders. Eva zählte bereits ihr Geld, um herauszufinden, ob sie wirklich mit dem Bus fahren musste, als Carmen-Maria, die Tante von Katja, einen Autoschlüssel hochhielt und sagte: „Ich muss da sowieso mit. Sonst kommt ihr beiden nur mit einem Haufen Formulare zurück, die ich dann ausfüllen muss.“

Carmen-Maria hatte ein Auto! Selten hatte Eva sich so über den Anblick eines Autoschlüssels gefreut, wie heute. Gut, es war nur ein Fiat 500. Und bedauerlicherweise nicht das neue Modell. Genau genommen war es wohl der erste der jemals vom Band gelaufen war, aber irgendwie würde Eva ihre langen Beine schon da reinkriegen.

Carmen-Maria war eine robuste und gottesfürchtige Frau, weshalb Eva wohl nur die Wahl zwischen verschiedenen schwarzen Blusen gehabt hatte und genau so gottesfürchtig fuhr Carmen-Maria auch.

Fräulein Eva hätte sicherlich auch Schweißausbrüche gehabt, wenn dieser Wagen irgendeine Form von Klimaanlage gehabt hätte und die Temperaturen draussen sich dem Gefrierpunkt genähert hätten. Aber so … Eingequetscht wie eine Sardine in der rasenden Saunakugel Gottes konnte man von einem Schweißausbruch nur träumen. Eva schwamm förmlich in einem Cocktail aus Adrenalin und überflüssigen Wasserreserven.

„Auf Gott vertraut heißt weggeschaut“, murmelte Katja und hielt sich die Hand vor die Augen, als Carmen Maria vor der Kurve ansetzte einen Lastwagen zu überholen. Eva zog sich zwei Laufmaschen, weil sie ihre Nägel tief in die Waden, die sich beinahe auf Brusthöhe befangen, gekrallt hatten.

Das Hupen des Gegenverkehrs, das Bremsen, zurückfallen lassen und ausweichen war eins. Der Knall kam nicht vom Aufprall, das Schlingern war eine natürliche Reaktion des überladenen Fahrzeugs auf einen geplatzten Vorderreifen. Eva hatte noch nicht wieder angefangen zu atmen, als das gottesfürchtige Weib am Steuer anfing zu fluchen wie ein Bierkutscher.

Carmen-Maria war eine liebe und reizende Frau, aber niemand der bei Verstand war, hätte ihr jemals eine Fahrerlaubnis ausstellen dürfen. Eva ersparte es sich, sie nach einem Führerschein zu fragen. Sie fürchtete sich vor der Antwort, die wahrscheinlich so ausgefallen wäre: „Mein Mann hatte einen, aber der ist ja nun leider nicht mehr.“

Fräulein Evas Hände zitterten noch ein wenig, als sie endlich im Freien neben dem liegengebliebenen Auto stand. Katja schaute sie fragend an.

„Kann man kaum glauben, dass Carmen Fahrlehrerin ist, nicht wahr?“ flüsterte sie.

Eva schluckte trocken. Sie war zu keiner Antwort imstande, weil alle Flüssigkeit ihres Körpers sich in ihrer Kleidung befand und beim Verdampfen in der Sonne einen kühlen Schauer verursachte. Oder es war einfach nur der Schock.

„Vielleicht solltet ihr die Röcke heben. Wir haben einen Reifen zu wechseln“, knurrte Carmen-Maria genervt. Eva begann die Ärmel der Bluse hochzukrempeln und fragte nach dem Wagenheber.

Carmen-Maria sah sie entgeistert an.

„Es ist ein Sünde selbst Hand anzulegen“, stellte Carmen fest. So konnte man das natürlich auch sehen.

*

Katja stand bereits am Straßenrand und wedelte mit ihren Beinen um Hilfe.

Doch der spanische Autofahrer, sofern er männlich war, schien nicht viel von der Idee zu halten in dieser brütenden Hitze, einen Reifen für drei schweißgetränkte Frauen zu wechseln.
In der Ferne konnte Eva den Bus die Küstenstraßen entlang tuckern sehen. In Kürze würde der hier vorbeikommen und wenn es ihr Lieblingsbusfahrer wäre, könnte sie sich schon mal auf diverse spöttische Bemerkungen einstellen.

Eva glaubte schon von Weitem das frech grinsende Gesicht des Busfahrers beim Anblick der beiden Flittchen von Gestern erkennen zu können, als plötzlich Carmen-Maria auf die Fahrbahn sprang, sich breitbeinig mit auf die Hüfte gestemmten Armen vor dem Bus aufbaute.

Der Fahrer wirkte als hätte er den Leibhaftigen gesehen und trat voll in die Eisen. Er kam vielleicht vier Meter vor Carmen-Maria zum Stehen.

Dann folgte ein kurzer spanischer, lautstarker Wortwechsel, der damit endete, dass der Fahrer unter wüsten Beschimpfungen seiner Fahrgäste, den Reifen an dem Fiat 500 wechselte.
Eva staunte.

„Er besucht Carmen wohl hin und wieder nach dem Dienst“, bemerkte Katja beiläufig. „Ich muss dir ja wohl nicht sagen, wie man hier seine Rente als Witwe aufbessert.“

Eva nickte und war damit zufrieden, dass die Fahrt gleich weiter ginge. Hätte sie auch nur einen Schluck Wasser gehabt, hätte sie endgültig die Pille in ihrer Handtasche eingeworfen. Doch daran zu ersticken hätte vielleicht die Angst beseitig, aber ihr auch einen festen Wohnsitz auf Gran Canaria eingebracht, wie sie ihn wohl nicht haben wollte. Noch nicht.

*

Tatsächlich gab es mit Tante Carmen-Maria auf dem Einwohnermeldeamt keinerlei Probleme. Das Tantchen schien hier die richtigen Leute zu kennen. Jedenfalls war auch die Kontoeröffnung plötzlich ein Kinderspiel.

Alles wurde gut. Noch etwa 10 Tage und Evas Geld wäre da. Und bis dahin konnte sie bei Carmen-Maria unterkommen. Super.

Jetzt mit Tante Carmen zurückzufahren, das wollte Katja nicht. Und auch Eva war bereit eine Busfahrt in Erwägung zu ziehen. Katja hielt Eva die Karte hin.

„Komm wir schauen uns mal an, was mit diesem Popen Heinz ist, ja?“

Katja wollte unbedingt von der Krankenschwester zum Model mutierten. Im Prinzip um jeden Preis, das hatte Eva allmählich verstanden. „Nein“ sagen kam für Eva wohl nicht in Frage, in Anbetracht der Hilfe, die Katja und ihre Tante ihr hatten zukommen lassen. Also standen sie eine halbe Stunde später mit offenen Mündern vor der Kathedrale Santa Anna, dem Sitz des Bischofs der Kanarischen Inseln.

*

Eva beschlich ein ungutes Gefühl als Katja die Karte von Dicky Dick Johannson bei der Nonne im Nebengebäude abgab. Aber es hatte wohl alles seine Richtigkeit. Die Nonne nickte und liess die beiden Damen im Seitenflur warten.

Pope Heinz war kein besonders phantasievoller Deckname, wie Eva eigentlich vermutet hatte, sondern es war ein ganz normaler Priester mit dem Namen Heinz, der Eva und Katja bat ihm zu folgen. In einem kleinen Arbeitszimmer, das vollgestopft mit Akten und religiösen Gebrauchsgegenständen war, erklärte Pope Heinz, dass sie wirklich Glück hätten und der Bischof Zeit für eine Audienz hätte.
Irgendwas lief wohl falsch. Eva hatte nicht die mindeste Lust auf eine Audienz beim Bischof. Wozu auch?

Wenn Sie mit dem Honorar einverstanden wären, könnten sie sich jetzt gleich einkleiden. Eva verstand nur Bahnhof und Katja nickte begeistert, nachdem sie gehört hatte, dass sie 500 Euro für ihre Dienste bekommen sollten.

Eva wäre lieber am Strand in den weiten Sanddünen von Maspalomas gewesen, hätte einen kühlen Drink geschlürft und sich überlegt, wo man wohl am besten eine kleine Strandbar aufmachen könnte, anstatt in diesem muffigen engen Raum zu stehen und in einem Schrank voller Nonnentrachten nach der passenden Grösse zu suchen.

Pope Heinz wich den beiden Damen nicht von der Seite, während sie versuchten sich die Nonnentracht überzuziehen.

„Lass das an“, kommentierte Heinz knapp, als Eva ihre Nylons lösen und den Hüfthalter ausziehen wollte.

„Unter der Tracht?“

Heinz nickte stumm und beobachtete weiter, wie die Frauen sich umzogen.

„Der Bischof wird nicht angesprochen“, erklärte Heinz, als sie fast fertig waren.

„Der Bischof ist im körperlichen Sinne gar nicht anwesend, haben wir uns verstanden?“

Der Ton des Priesters glich sich so langsam dem zu erwartenden Honorar an.

„Wenn der Bischof, auch wenn er gar nicht da ist, etwas sagt, so werden seine Wünsche umgehend ausgeführt.“

Dann brachte Heinz, die beiden frisch gebackenen Nonnen in den Thronsaal, vielleicht war es auch der Speisesaal, jedenfalls groß und pompös. Am Kopfende des Raumes stand ein riesiger Tisch mit einer Menge Stühlen. Überall waren Scheinwerfer aufgebaut und zwei Kameras standen einsatzbereit auf Stativen davor.

Eva und Katja waren beeindruckt. Auch von dem kleinen fetten Bischof, der sich am anderen Ende des Raumes schwerfällig in einem vergoldeten Sessel fläzte.

„Haben wir jetzt endlich alle zwölf“, fragte der Bischof gelangweilt.

„Ja Exzellenz, alle Zwölf.“

„Gut. Dann bereite alles vor und hol die anderen. Ich ziehe mich um.“

Der Bischof hob sich ächzend aus dem Sessel und verschwand durch eine Tür in der Wandtäfelung, die auf den ersten Blick kaum zu erkennen war. Pope Heinz führte einen kurzen Anruf und legte Eva und Katja einen Vertrag vor.

„Das hier müsst ihr noch unterschreiben“, erklärte er knapp. „Damit erklärt ihr euch einverstanden, dass die Bilder veröffentlicht werden und dass ihr die Sache geheim haltet.“
Eva war allmählich ernsthaft beunruhigt. Die Sache hier wurde ihr ein wenig unheimlich.

Katja unterschrieb ohne nachzudenken und hinter ihnen ging eine weitere Tür in der Wandvertäfelung auf. Herein kamen zehn weitere Nonnen, die aussahen, als wären sie ins Gebet vertieft und stellen sich hinter dem großen Tisch auf.

„Geht da rüber und lasst euch eure Plätze zeigen.“

Viel gesprochen wurde nicht und Pope Heinz stand vor dem Tisch und korrigierte anhand eines Bildes die Position seiner zwölf Nonnen.

Dann kam der Bischof zurück. Allerdings nicht als Bischof. Er hatte jetzt große Ähnlichkeit mit Gott. Er trug eine Art weiße Tunika, eine Maske mit Perücke, so dass es aussah als hätte er langes, wallendes weißes Haar. Ja, so stellt man sich Gott vor, vielleicht ohne die protzigen Goldringe an der Hand.

Zwei Mönche, die von irgendwo her gekommen waren, begannen die Fotos zu machen. Der Bischof gab immer wieder Anweisungen und letztlich legten die Nonnen immer mehr Kleidungsstücke ab. Zum Vorschein kamen, Korsetts und allerlei Korsagen zum Teil aus Leder oder Latex. Richtige Nonnen waren das wohl nicht.

Diese Version des letzten Abendmahls artete langsam aber sicher in die letzte Orgie aus. Eva hielt sich dicht bei Katja, doch verlangte der Bischof dann, dass Katja sie auf dem Tisch oral befriedigen sollte. Sie waren nicht die einzigen. Auf und um den Tisch herum befummelten und beleckten sich diverse Nonnen. Eva war nicht sicher, ob sie Katja Zunge an sich spüren wollte. Allerdings stellte sich diese Frage nur kurz, dann war sie nicht sicher, ob sie wollte, dass Katja damit wieder aufhörte. Katja grinste zu ihr hoch. Es schien ihr nichts auszumachen, im Gegenteil.

Gott ging unterdessen um den Tisch herum und drang mal hier, mal dort ein. Er verteilte kleine Oblaten, die er sich auf sein Glied legte und als seinen Leib anpries. Wenn eine Frauen, die Oblate im Mund hatte überschüttete der Bischof die Sünderin zumeist mit Wein aus einer Flasche. Es war eine ordentliche Sauerei, wie gesagt eine Orgie.

Eva hielt den Kopf von Katja fest an seinem Platz, denn solange der dort war, konnte der Bischof mit seinem Oblatenspender bei ihr nicht landen.

„Du da“, grunzte der Bischof und zeigte auf Eva. „Lutsch dem Teufel das Horn.“

Eva wusste im ersten Moment nicht, was gemeint war, bemerkte dann aber dass gleich hinter ihr der Leibhaftige seinen Platz eingenommen hatte. Eva hatte kein grundsätzliches Bedürfnis Hörner zu lutschen und das des Leibhaftigen schon gar nicht. Sie zögerte. Für sie war hier Schluss. Katja schien zu merken, das Eva in Bedrängnis war. Und noch bevor der Bischof etwas sagen konnte, hatte Katja das Horn des Teufels im Mund und zwar derart, dass es nicht mehr zu sehen war.

Der Bischof tobte. „Nicht den Schwanz, du Nonnenhure, verdammt! Das Horn! Bist du zu blöd Schwanz und Horn auseinander zu halten!?“

Katja gab frei, was des Teufels war und Eva entdeckte auf dem Stück Fleisch eine Tätowierung, ähnlich der Banderole einer Ketchup-Flasche mit einem Firmenlogo. Wenigsten wußte sie jetzt, dass es Heinz war, der unter unheimlichen Satansmaske sein Unwesen trieb.

„Du auch!“ rief der Bischof wütend.

Katja und Eva machten sich daran dem Teufel die beiden gewaltigen Hörner auf dem Kopf zu lutschen, was den Bischof einigermaßen zu besänftigen schien.

„Sehr gut, sehr gut!“ grunzte er. „Und jetzt du.“

Eva spürte sie sich jemand an ihren Hinterbacken zu schaffen machte. Es war eine der anderen Nonnen in einer Korsage aus Latex. Sie schaute hoch zu Eva und entblößte dabei eine Art Vampirgebiss.

Was für ein bescheuerter Maskenball, dachte Eva noch, als sie schmerzhaft feststellen musste, dass die Zähne der Vampir-Nonne wohl echt waren.
„Autsch. Jetzt reicht‘s mir aber!“ schrie Eva wütend.

Sie sah an ihrem Hintern die Abdrücke von Zahnreihen, die sich rasch rötlich färbten.

„Spinnst du?“

Die Vampir-Nonne fauchte, als wenn sie eine bedrohte Katzenart wäre.

„Na super, das blutet“, stellt Eva stinksauer fest. „Für mich ist jetzt aber Schluss!“

Eva sprang von dem Tisch, griff sich ihre Kutte und war bereit sich zu verabschieden.

Der Bischof war außer sich.

„Du hast einen Vertrag unterschrieben, wenn du jetzt gehst, dann exkommuniziere ich dich und du wirst auf dieser Insel nie wieder eine Arbeit finden.“

Katja schaute irritiert von ihrem Horn hoch. Es war totenstill, alle Nonnen hatten ihre Tätigkeiten unterbrochen und verfolgten gespannt der Szene.

„Ihr habt doch hier nicht mehr alle Hostien im Kelch“, behauptete Eva wütend. „Ich gehe. Das Geld könnt ihr euch sonstwo hinschieben. Und ausserdem bin ich protestantisch. Also interessiert mich diese Kommunionsquatsch nicht.“

Eva drehte sich empört um und suchte den Ausgang. Sie hätte von Katja nicht verlangt sich ihr anzuschliessen, war aber froh, dass Katja ihr wie selbstverständlich folgte. Eine echte Freundin eben.
„Ich spreche den Kirchenbann über euch aus!“ kreischte der fette Bischof im Kostüm Gottes den beiden Frauen hinterher. „Ihr macht mir mein Abendmahl kaputt.“

Der Bischof trommelte hysterisch auf dem Tisch herum.

„Heinz! Schaff mir diese beiden Hintern zurück! Ich will zwölf nicht, zehn, hörst du! Zwölf, zwölf Mösen nicht zehn! Heiiinz!“

Wenigstens hatte Heinz diese alberne Teufelsmaske abgenommen, als er den beiden Frauen in das Umkleidezimmer gefolgt war.

„Das könnt ihr nicht machen“, sagte Heinz. „Der Bischof ist sauer.“

„Na und“, sagte Eva.

„Ihr kriegt auf dieser Insel nie wieder ein Bein auf den Boden“, behauptete Heinz.

Fräulein Eva musste lachen. Bei diesem Bischof kriegten die Frauen doch sowieso kein Bein auf den Boden. Die hielten sie doch im Prinzip die ganze Zeit über in die Luft.
„Ich lasse mich nicht von kleinen fetten Bischöfen besteigen“, stellte Eva klar. „Jedenfalls nicht, solange ich noch bei halbwegs Bewusstsein bin.“

„Nun, das liesse sich vielleicht einrichten…“, setzte Heinz einen Gedanken an, den er aber gleich wieder verwarf, als er in die Gesichter der beiden Frauen sah.

Eva und Katja hatten sich umgezogen und ließen Heinz einfach stehen. Draußen strahlte die Sonne und Eva schickte sich an, diese dumme Geschichte einfach zu vergessen.
„Was nun?“ fragte Katja.

In diesem Moment hielt mit leicht quietschenden Reifen ein Bus vor der Kathedrale Santa Anna. Ein bereits bekannter Busfahrer winkte die beiden heran.

Der Fahrer war wie ausgewechselt. „Wenn ihr mitwollt … Ihr könnt auch umsonst … Carmen hat gesagt, ihr seid gute Freunde und da will man ja nicht …“

Katja und Eva grinsten sich an, dann den Busfahrer und stiegen ein.

*

„In das Krankenhaus kann ich jedenfalls nicht mehr“, stellte Katja traurig klar, nachdem sie einen Platz gefunden hatten. „Das war konfessionell und Dicky Dick gibt uns mit Sicherheit auch keinen Job mehr.“

„Du kannst doch bei mir in der Strandbar arbeiten“, versuchte Eva sie aufzumuntern. „Die kaufe ich mir, sobald das Geld da ist.“

„Ja, das wäre toll“, sagte Katja mit wenig begeistert. „Aber Model werde ich wohl nicht mehr.“

Eva dachte einen Moment nach und sagte: „Wir können doch unsere eigene Webseite aufmachen und für uns selber modeln, oder?“

Katja Gesicht leuchtete schlagartig auf.

„Ja, das wäre klasse. Dann können wir auch selber bestimmen, was wir tun.“

„Genau. Nix mehr mit Teufelshörnern und so einem Mist, nur noch schöne erotische Fotos.“

„Nur wir beide?“ fragte Katja und schaute Eva tief in die Augen.

„Nur wir beide“, bestätigte Eva.

Und damit war die Sache beschlossen. So wurde also aus Fräulein Eva das Model Eva. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann posen sie noch heute unter Spaniens heißer Sonne für das grosse Bildernetz.

Ende