Sandalen-Susie


Es war viel zu warm für Nylons. Susie rieb das seidenglatte Material leicht über ihre Wange. Sie mochte diesen kunstzarten Stoff. Seufzend legte sie die beigen Strümpfe wieder zurück in die Schublade. Wenn man schon mal frei hat und shoppen gehen kann, dann muss es doch wirklich nicht ganz so heiß sein, oder?


Alles würde bei diesem Wetter am Körper kleben und die Kerle ihr beim Einkaufen wieder schamlos auf die Bluse glotzen, ganz so, als ob ihre eigenen Frauen keine Titten hätten. Na ja, dachte Susie und legte den Kopf vor dem Spiegel leicht schief, als ihre Hände von unten über ihre festen Brüste glitten, wahrscheinlich nicht so große und kugelpralle Möpse. Waren ja auch nicht ganz billig. Ihr Vater hatte damals ausgerechnet, dass sie das Geld nicht wieder reinholen würde, selbst wenn sie deshalb nie im Leben wieder einen BH kaufen müsste.


Doch Susie kaufte Büstenhalter, nicht des Haltes wegen, aber für die Optik. Sie hatte geradezu einen BH-Tick. Heute würde sie aber keinen tragen, bei dem feuchten und heißen Wetter sollten ihre Nippel an der Bluse kleben und den Kerlen als Leuchtfeuer in ihrer hormonvernebelten Welt dienen.


Ein Höschen würde sie sich auch sparen, Überhaupt zeigten sich da unten doch schon wieder Stoppeln. Sie griff mechanisch zum Rasierer und stellte sich breitbeinig vor den Schlafzimmerspiegel, um sich mit geübten Bewegungen ihre Kratzbürstigkeit zu entfernen. Sie hatte das schon tausendmal gemacht und kannte daher jede Falte ihrer Schamlippen, bei der die Gefahr eines Schnittes bestand. Wahrscheinlich könnte sie sich da unten blind rasieren.


Susie überlegte, ob sie mal die Augen dabei zu machen sollte, nur um zu sehen, wie das war. Aber der Anblick ihrer Vulva faszinierte sie viel zu sehr, als dass sie auch nur einen Moment die Augen davon abwenden konnte. Sie liebte ihre Vagina und sie hatte sich vor vier Jahren einmal hatte einen Gipsabdruck davon machen lassen. Der stand jetzt als künstlerische kleine Plastik auf einer Säule im Wohnzimmer. Ein Freund von ihr, der angehender Bildhauer war, hatte daran noch etwas herum gearbeitet und das Werk trug jetzt den Titel „Vulva mit Ohren“.


Susie fand dieses Kunstwerk so gelungen, dass sie bei einem Töpferkurs, eine ganze Serie von tiefen und flachen Tellern entworfen hatte, die die Form ihrer weit auseinander gezogenen Vagina hatten. Die meisten ihrer Gäste merkten gar nicht, woraus sie da aßen und Susie lachte innerlich, wenn ihre Gäste die Suppe aus ihrem Geschlechtsteil löffelten und mit dem Besteck immer wieder an ihrer Klitoris entlang schrappten. Kling! Und Susie bekam eine Gänsehaut.„Bist du fertig?“ fragte Katja, die sie zum gemeinsamen Shoppen abholte.


„Sofort!“


Susie zog noch einmal ihren knielangen Sommerrock zurecht, warf ihr Handy in die Handtasche und sah, ob sie auch genug Geld dabei hatte. Dann machten sich die beiden Mädels auf die Jagd.


Die Innenstadt war stickig und überfüllt. Ganz wie erwartet. Susie und Katja schwitzten schon, als sie den U-Bahn-Tunnel verließen.


„Lass uns was Kaltes trinken und dann ein paar Schuhe kaufen gehen, ja?“ fragte Susie, die außer auf BHs auch unheimlich auf Schuhe stand. Sie könnte den ganzen Tag nur im BH mit Schuhen durch die Wohnung gehen. Was sie auch regelmäßig tat, wenn sie ehrlich war.


„Okay!“


Das war das Gute an Katja. Sie sagte zu fast allem „Okay“. Auch damals, als Susie sie gefragt hatte, ob sie ihre Pussy nicht auch zum Küssen findet. Da hatte Susie ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ erwartet, aber nicht ein „Okay“. Was aus diesem „Okay“ folgte, hatte Katja dann aber zu ihrer besten Freundin gemacht. Es hatte ihr sehr gut getan, dass auch andere Frauen Susies Pussy als etwas ganz besonderes fanden.


„Was für Schuhe willst du kaufen?“ fragte Katja, während sie lautstark die Reste ihrer Cola wegschlürfte.


„Sandalen“, sagte Susie nach kurzem Überlegen. „Ich glaube Sandalen. Für Overknees, die ich eigentlich bräuchte, ist wohl das Wetter nicht das Richtige.“


„Okay“, sagte Katja und warf den Pappbecher in einer Bogenlampe in den Abfallcontainer. Sie hatte jahrelang Frauenbasketball gespielt und dabei geschickte Hände und ein scharfes Auge erworben. Solche Freundinnen konnte man immer gebrauchen.


„Lass uns dort gucken!“ sagte Susie und zeigte auf einen der teuersten Schuhläden in der Passage.


Das „Okay“ kam gedehnt mit leicht fragendem Tonfall, denn dieser Laden lag definitiv nicht in ihrer Preisklasse.


Sie hatten den Laden auch kaum betreten, als schon ein junger Azubi auf sie zugestürmt kam und ehrfürchtig seine Dienste anbot. Das war genau die Art Milchbübchen, die Susie im Auge hatte, als sie diesen Laden ausgewählt hatte.


„Sandalen“, trug sie dem Bürschchen auf. „Zum Schnüren. Bis über die Waden, wenn Sie haben.“


Der Auszubildende nickte devot und verschwand nach hinten ins Lager, während die beiden Frauen sich setzten.


„Der hat ja nicht mal nach der Größe gefragt“, stellte Katja einigermaßen erstaunt fest.


„Ein guter Verkäufer hat so was im Blick“, behauptete Susie und legte ihre bei diesem Wetter zum Anschwellen neigenden Füße auf dem Schemel vor ihrem Stuhl ab.


Da war er auch schon wieder. Gleich mit drei Paar Sandalen unterm Arm, die er den Damen stolz präsentierte.


„Ja, die sind gut!“ Susie zeigte auf das Paar mit den längsten Riemchen. „Könnten Sie die mal … Ich komme nie so richtig klar mit diesen langen Riemen.“


Der Auszubildende zögerte zwar einen Moment, machte sich dann aber beflissen an die Arbeit. Vorsichtig zog er Susie die Pumps aus und begann die Sandalen zu schnüren. Susie erleichterte ihm die Arbeit indem sie ihren Rock ein wenig von den klebrigen Schenkeln löste.


„Was wird das denn?“ flüstere Katja.


„Das rote Ohren-Spiel“, flüsterte Susie zurück.


„Was?“


„Na, ich bin frisch rasiert und trage kein Höschen. Pass auf!“


Susie drückte langsam ihre Beine auseinander und Katja musste kichern, als mit jedem Zentimeter, den Susie ihre Beine auseinander schob, die Gesichtsfarbe des Auszubildenden sich stückweise in Richtung Rot verfärbte.


„Bis zu den Ohren geht es aber noch nicht“, kicherte Katja, als Susie ihre Schenkel bereits soweit gespreizt hatte, dass die Stuhllehnen ihrem Treiben zwangsläufig ein Ende bereiteten.


„Wart’s ab!“ zischte Susie zurück. Sie beugte sich weit vor zu dem schwitzenden und verschämt zu Boden blickenden Jüngling, so dass er nun auch noch ihren Bauchnabel durch den Ausschnitt der Bluse bewundern konnte. Dann hauchte sie leise: „Sie starren mir doch nicht die ganze Zeit unter den Rock, oder?“


Das löste beim Azubi einen wahren Durchblutungs-Flash aus. Seine Gesichtsfarbe verfärbte sich bis zu Ohren innerhalb von Sekunden zu einem zarten Lila. Der Mann hätte sich am liebsten vor Scham unter dem Sitz verkrochen.


„Das ist ja wohl ein starkes Stück“, schimpfte Susie und band sich mit rasender Wut die Sandale wieder ab. Sie schlüpfte in ihren Hackenschuh, ohne auch nur eine Hand zu Hilfe zu nehmen und sprang verärgert auf. „So was ist mir ja noch nie passiert. Sie perverses Schwein!“


Das stampfte sie kochend vor Wut mit der heftig lachenden Katja im Schlepptau zurück zum Ausgang. Doch zehn Meter vor der Tür hatte der Auszubildende sie eingeholt

.

„Entschuldigung. Sie haben ihre Handtasche vergessen!“


Und wie er sich fast dabei verbeugte! Susie atmete tief durch. Sie spürte ein leichtes Zittern in ihrer Beckengegend. Wenn sie dem Kerl jetzt befahl auf die Knie zu gehen, würde er das sicher anstandslos tun.


„Danke“, sagte sie schnippisch und drehte auf dem Absatz um, weiter in Richtung Ausgang.


Als Katja und Susie die Tür passieren wollten, schrillte der Alarm los. Die beiden schauten sich noch verdutzt an, als ein dicker Detektiv sich neben ihnen postierte. Der stand wohl am Ausgang in Bereitschaft, weil ein Hinterherlaufen für ihn sowieso nicht in Frage gekommen wäre. Ein Wunder, dass die aus dem Hosenbund herausquellende Bierwampe, das Hemd nicht mit sich riss.


„Darf ich mal einen Blick in Ihre Tasche werfen?“ fragte der Mann verschwitzt grinsend. Eine Verkäuferin positionierte sich vorsorglich, wie eine zweite Defense-Line zwischen den beiden Glastüren.


„Na klar“, sagte Susie ruhigen Gewissens.


„Haben Sie dafür einen Bon?“ fragte der Detektiv und zeigte auf das Paar Sandalen in ihrer Tasche.


„Nein“, stammelte Susie, die sich beim besten Willen nicht erklären konnte, wie diese Sandalen dahinein gekommen sein konnten.


„Tja“, grunzte der Detektiv und zog seinen Hosenbund zurecht. „Das können wir mit der Polizei oder ohne die Polizei klären, ganz wie sie wollen.“


Susie starrte den fetten, schweißgetränkten Kerl an. „Wie bitte?“


„Mit oder ohne Polizei?“ wiederholte der Detektiv und zog nochmals seinen Hosenbund zurecht, wobei Susie diesmal auch die zweite nicht gerade kleine Wölbung unter dem tonnenschweren, aufgeblähten Bauch wahrnahm. Eine Anzeige wegen Ladendiebstahls kam für Susie als Angestellte im öffentlichen Dienst keinesfalls in Frage. Vielleicht sollte sie es drauf ankommen lassen. Aber wie sollte sie ihre Unschuld beweisen?


„Ohne Polizei“, presste sie wütend durch ihre Zähne.


„Soll mir recht sein“, grunzte das Dickerchen. „Wenn Sie mir dann bitte folgen wollen.“


Nein, das wollte Susie nicht, aber sie musste.


„Warte draußen“, sagte sie zu Katja, die sie voller Mitleid anschaute. „Ich komme gleich wieder.“


Dann folgte sie dem unförmigen Klotz von Ladendetektiv nach hinten in die Katakomben der Verkäufer. Hoffentlich hatte der Kerl für solche Fälle wenigsten eine Flasche Tequila bereitstehen, denn den brauchte Susie jetzt, bei dem was auf sie zukam.


Als sie auf ihrem Kreuzweg an dem Azubi vorbei kam, sah sie ihn breit und frech grinsend. Seine Zunge schob er in seiner Wange obszön hin und her. Und da wusste Susie mit einem Mal, wie die Sandalen in ihre Handtasche gekommen waren.