Urlaubsbekanntschaften

Kurzkrimi

Petra genoss die Sonne und den Blick über den Pool. Weniger Kinder wären schön. Etwas weniger Leben, dafür mehr von diesen lebenden Statuen. Die gutgebräunten, faltenlosen Körper junger Italiener, die sich minutenlang auf dem Sprungbrett bewundern ließen, bevor sie mit theatralischem Sprung ihre Haut silbrig benetzten. Wenn sie sich mit muskulösen Armen gleich neben der Pooltreppe aus dem Wasser hoben, dann war das Urlaub total. Petra schob ihre Sonnenbrille ein wenig hoch und starrte auf den exzellent gebauten Kerl in der reichlich engen Badehose. Weitergehende Hoffnungen machte sie sich nicht. Sie war dankbar für den Pareo, der die Cellulitis an ihren Oberschenkeln vor fremden Blicken bewahrte. Italienscher Hengst. Sie ließ die Sonnenbrille wieder zurückgleiten und legte den Kopf entspannt zurück. Schließlich hatte sie keinen Aktivurlaub gebucht. Als sie kurz den Kopf drehte, um zu sehen ob der Adonis zu einem weiteren Sprung ansetze, stellte sie fest, dass Adonis ihr einen langen und aufmerksamen Blick zuwarf. Sie starrte ihn irritiert an. Jetzt lächelte er auch noch. Hallo. Er hatte Petra ganz offensichtlich wahrgenommen. Mechanisch lächelte sie zurück. Ein Reflex. Adonis nickte und verschwand Richtung Poolbar.

Petra seufzte still und überlegte, was Adonis wohl an ihr gesehen hatte. Spontan tastete sie die Halbschalen ihres Badeanzuges ab. Alles saß, wo es hingehörte. Der Pareo bedeckte noch die Schenkel. Die Haare? Vielleicht war etwas mit ihren Haaren. Bevor sie herausbekam, was mit ihr wohl nicht in Ordnung sein könnte, stand Adonis schon wieder vor ihrer Liege. Zwei große, farbige Cocktailgläser mit Schirmchen in seinen zartgliedrigen Händen.

„Deutsch?!“ Er grinste bezaubernd breit.

„Wie?“ fragte Petra verstört.

„Sind Sie aus Deutschland?“ fragte er wieder. Er hatte kaum Akzent. Ein bisschen ins italienisch-westfälische vielleicht. Niedlich.

„Ja“, sagte Petra. „Ja, ja. Aus Deutschland.“ Mechanisch richtete sich Petra auf.
„Ich habe meine ganze Kindheit in Deutschland verbracht“, erklärte Adonis und setze sich auf die freie Liege neben ihr. Petra stellte fest, dass sie einen Cocktail in der Hand hielt. Hätte er sie nicht fragen müssen, ob sie vielleicht etwas mit ihm trinken wollte. Und überhaupt, gewöhnlich machten doch Italiener erst übertriebene Komplimente bevor sie einen ziemlich direkt anbaggerten.

„Mein Vater hatte eine Pizzeria in Löhne“, erzählte er einfach weiter und nahm einen Schluck.

„Ich kenne, Löhne“, behauptete Petra und kam sich ziemlich albern vor. „Ich wohne ganz in der Nähe. In Bielefeld.“

„Oh ´schuldigung, ich bin Francesco, Francesco Nero. Prost.“ Er stieß mit ihr an. „Petra Schreiber.“ Petra nahm höflich einen Schluck, es war fruchtig, schmeckte nach Orange und Ananas, aber es hatte mit Sicherheit auch einen ordentlichen Alkoholgehalt.

„Ein Jambalaya.“

„Ja, lecker. Vielen Dank.“ Petra dachte krampfhaft darüber nach, was dieser junge Adonis eigentlich von ihr wollte. Wahrscheinlich hatte er vor mit ihr zusammen ihre Urlaubskasse durchbringen.

„In Bielefeld habe ich Freunde. Ist aber keine besonders schöne Stadt.“

„Wie man’s nimmt. Bei uns in Schildesche, kann man schon ganz ordentlich wohnen“, behauptet Petra. Adonis nickte und nahm noch einen Schluck. „Und ihr Mann hütet das Haus?“

Der Sinn dieser Frage war zu offensichtlich. „Ich lebe allein“, stellte Petra fest. „Geschieden und kein Interesse mehr an Männern.“ Das war zwar gelogen. Aber mit so einem jungen Burschen wollte sie sich nun wirklich nicht einlassen. Der war ja doch nur daran interessiert sich auf ihre Kosten ein paar schöne Tage zu machen.

„Okay, okay“, wehrte Adonis lachend ab. Er nahm die Abfuhr ziemlich gelassen auf.

„Trotzdem vielen Dank für den Drink“, sagte Petra bestimmt. Jetzt hatte sie den Minicasanova durchschaut. Einen Drink zum anködern und danach wäre sie dann dran gewesen mit dem Bezahlen. Da sollte er sich mal schön eine andere suchen.

Etwas betreten stand der Adonis auf. „Ich wollte Sie wirklich nicht anmachen“, behauptete er scheinheilig.

„Schon gut“, behauptete Petra und lehnte sich demonstrativ wieder auf ihrer Liege zurück. Es dauerte nicht lange bis Adonis sich mit seinem Drink wieder an die Bar verzog. Irgendwie war Petra enttäuscht. Aber anderseits auch nicht. Sie beobachtet noch den ganzen Nachmittag über, wie Adonis es bei anderen Frauen ihres Alters versuchte. Und ... was Wunder immer wieder abblitzte.

„Das ist heute wohl nicht sein Tag“, dachte sich Petra gehässig, als sie gegen Abend ihre Liege räumte. Innerlich musste sie schmunzeln. Auch Adonis machte gerade Feierabend. Er telefonierte. Wahrscheinlich mit einem seiner Opfer von gestern, das er notgedrungen wieder aufwärmen musste.

„Francesco hier. Luigi. — Ja, ich gebe dir jetzt die Liste für morgen durch: Petra Schreiber in Bielefeld, Schildesche. Verona Korte, Frankfurt, am Hennsee. Martina Reisig, München, irgendwo im Freising beim Domberg. Nachher kommen noch die von heute Abend. — Alles klar?“

Am anderen Ende der Leitung war gar nichts klar. Luigi regte sich reichlich auf. „Eins ist klar, ganz klar. Nächstes Jahr mach ich endlich mal den Aufreißer. Dann kannst du die Fernseher und Schränke schleppen. Ich heb mir hier noch ’nen Bruch, wenn wir weiterhin jeden Tag fünf Wohnungen ausräumen.“

„Ja, ja, ja“, lachte Francesco seinen jüngeren Bruder aus. „Morgen nehme ich noch das Hilton Rangali mit. Dann mach ich in Rimini Schluss.“
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